Freitag, April 21, 2006

Neues vom Buch

Die wechselvollste Woche dieses Werkes nähert sich ihrem Ende zu. Nachdem am Montag der Entschluss feststand, die Erzählperspektiven radikal zu überarbeit und daraufhin sofort die ersten 30 Seiten in diesem Sinne verändert wurden, brachte der Dienstag die Erkenntnis mit sich, dass diese Lösung nicht Ideal ist. Also erneut die ersten 30 Seiten überarbeitet, dieses Mal in dem Sinne, dass alles aus der Perspektive eines Bekannten der Hauptfigur berichtet wird. Mittwochs Verworfen und ersetzt durch die Idee, dass die Hauptfigur selber die Geschichte in der dritte Person erzählt und sich ganz am Schluss outet. Nach erneuten 30 Seiten Korrekturen als Unbefriedigend verworfen. Donnerstags die Schreibarbeit ruhen gelassen und heute einen erneuten Anlauf genommen. Ergebnis: Alles bleibt wie es von Beginn an geplant war, nur wird die Geschichte von unnötigen Nebensträngen befreit, damit die Haupthandlung stärker in den Vordergrund tritt. Genehmigt und durchgeführt. Innerhalb der nächsten Wochen soll es jetzt an die Verlage rausgehen.

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Bonus-Eintrag!!!:

Für alle, die sich für das Buch “ Die Geschichte der Vampire und warum sie uns (nicht nur wegen den Mamucks) interessieren sollte!“ interessieren und auf dessen Veröffentlichung warten, gibt es hier etwas Besonderes. Der verworfene Anfang eines verworfenen Romananfang:

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Blitze zitterten über den Himmel, erhellten für Sekunden die Dunkelheit.
Hagelschauer brachten Zerstörung. Wassermassen ergossen sich aus den
Berggipfeln hinab, in ihnen trieben aufgequollene Tierkadaver. Es war ein
schrecklicher Sturm, der da wütete. Was am Horizont erkennbar war, ließ auf
noch schrecklichere Gewalten schließen. „Es ist die Prophezeiung“, raunte
eine Gestalt, in einen schwarzen Mantel gehüllt, Iwan ins Ohr, „Sie erfüllt
sich heute Nacht! Heute Nacht!“ Iwan regte sich nicht. Wenige Meter vor den
beiden stürzte ein Sandsteindrache von den Sturmböen ergriffen zu Boden.
Geschrei drang an Iwans Ohr, er erkannte schemenhaft seine Mutter. Sie rief
ihm etwas zu, dann wurde sie unter einem Treibgut der Stürme begraben.
Wütend schriee der Orkan durch den Tannewald, ließen alte Bäume erzittern
und erlegten sie nach einem brutalen Ringen.


„Die Prophezeiung ist eingetroffen!“, wiederholte Iwans Begleiter düster.
Iwan griff sich an die Wange, Blut klebte an seiner Hand. Steine tanzten
durch Luft, aufgescheucht durch die Stürme. Ein besonders greller Blitz ließ
für Sekunden das ganze Ausmaß der Zerstörung erkenne und ehe er sein
elektrisches Leben aushauchte, entzündete er noch seine eigene Totenkerze,
eine Eiche ging in Flammen auf. „Schrecklich, es ist die Prophezeiung, sie
geht in Erfüllung, was willst du dagegen tun Iwan? Du wirst Untergehen, du
und dein ganzes Haus!“, der Begleiter rückte wegen des Lärm noch näher an
Iwan heran, denn seine Ohren waren nicht mehr die besten. „Ich will, dass du
einfach mal deinen Mund hältst Kuhnbert, dein Gestammel nervt.“ Tonlos und
mit Mühe richtete sich Kuhnbert daraufhin auf und verschwand in der
Dunkelheit, Iwan atmete erleichtert durch. Als ihn ein weiterer Stein an der
Stirn traf, gab auch er seinen Posten auf und rannte zurück ins Schloss.
Als er das schwere Eisentor durchschritten hatte, stellten sich ihm drei
finstere Gestalten in den Weg.


„Warum hast du das gesagt Iwan?“, fragte der mittlere mit blechender Stimme.
"Weil er nervt!“
„Du weißt doch, dass er diese Auftritte braucht, er ist eben etwas
pathetisch!“
„Er hat die ganze Zeit von sich erfüllenden Prophezeiungen gesprochen,
irgendwann ist es dann einfach zu viel!“
„Iwan, ich will, dass du dich bei Opa Kuhnbert entschuldigst und zwar
sofort. Er sitzt oben im Turm in seinem Zimmer und will eine Nachteule an
Tante Rilka schicken um zu berichten, wie schlecht er behandelt wird.“
„Aber…“
„Los Junge sofort!“
„Na gut Vater.“


Zornig schritt Iwan die Treppen zum Turm hinauf, er hatte sich diese Nacht
ganz anders vorgestellt. Es sollte ein schönes Familienfest werden, doch nun
endete es in einem Desaster. Das heraufgezogene Unwetter zerstörte die für
dieses Ereignis aufgebauten Zelte vor dem Schloss und wirbelte all das durch
die Lüfte, was Iwan in Stundelanger Arbeit vorbereitet hatte – Rehsteaks,
Ameisenauflauf, Schlangensuppe, warmes Fledermausblut. Die Gäste saßen nun
durchnässt im Wohnzimmer und versuchten beim Kaminfeuer wieder zu trockenen.
Alles war schief gelaufen. Den Zorn unterdrückend klopfte er an der Tür von
Opa an und bemerkte dabei die mit tiefen Messerschnitten in das Türholz
geritzten Symbole. Dreiecke, die von einem Strich zerteilt werden,
Buchstabenformeln exotischer Sprachen und merkwürdige Tiermotive. Sie
sollten es bösen Geistern unmöglich machen diese Schwelle zu übertreten.
Iwan konnte sich mit diesen Sicherheitsmaßnahmen nicht anfreunden, denn bei
dieser Tür handelte es sich um die seine, so wie es sich auch bei Opas
Zimmer eigentlich um das seine handelte, dass er ihm für die Zeit der
Familienfeier überließ. Normalerweise hing auf der Tür ein Ölgemälde der
Theaterschauspielerin Jusanna und dass es dort nicht mehr hing, machte Iwan
nervös. Er klopfte an und ohne eine Erlaubnis abzuwarten, öffnete er.


[...]