Freitag, Mai 05, 2006

Antwort an Attac-Wiesbaden





Guten Tag Herr Pausewang,
lassen sie mich zu ihrer Begründung einige Sätze schreiben.

Wenn ich lese, “Eine solche Demonstration käme Bush sehr gelegen“, frage ich mich worüber Attac sich eigentlich definiert. Offensichtlich über ein Feindbild, und das heißt in ihrem Fall Bush. Was ist denn mit den Rechten der Frauen im Iran? Auf der Homepage der Attac Deutschland steht unter den Themen ihrer Organisation auch der Feminismus: “Attac kämpft für Gleichberechtigung und gegen patriachale Strukturen.“, warum löschen sie diesen Themenkomplex nicht, oder fügen zumindest noch hinzu, „solange dadurch nicht Bush in die Hände gespielt wird!“?

Ihre Organisation hält notwenige Kritik aus Angst davor zurück, dass sie von den Falschen ausgenutzt werden könnte. Der Einsatz für die Menschenrechte, einem fundamentalen Anliegen ihrer Organisation, kann aber nicht von den falschen Ausgenutzt werden. Denn Verteidiger der Menschenrechte sind zugleich für die Freiheit aller, ansonsten wären sie keine Menschenrechtler sondern Rassisten.
Ob sie sich noch als Verteidiger der Menschenrechte begreifen können, wenn sie den Einsatz für diese davon Abhängig machen, wer davon profitieren könnte, wage ich zu bezweifeln.

Ist es ihrer Organisation tatsächlich nicht möglich soweit zu differenzieren, dass sie einerseits die Kriegspropaganda der USA kritisiert und dennoch die Unterdrückung von Frauen, die Verfolgung der Bahai oder das Ankündigen von Völkermorden scharf verurteilen kann?

Wenn dem so ist, verfolgen sie nicht das Ziel der Aufklärung sozialer und anderer Missstände, sondern betreiben einfach nur Propaganda. Alles böse kommt von Bush, also aus den USA und diesem Dogma muss alles Untergeordnet werden. Da ist der Schritt zum Antiamerikanismus nicht weit. Diese Tendenz ist deswegen Gefährlich, weil sich nur totalitäre Bewegungen klare Feindbilder bedienen müssen.

Wo bleibt etwa ein massiver Protest gegen die erpresserischen Methoden russischer Konzerne, die ganze Staaten von der Gaszufuhr abschließen, wenn diese nicht sofort Preisaufschlägen um das zwei oder dreifache akzeptieren?
Attac hätte wütend Protestiert, wenn es sich um einen US-amerikanischen Konzern gehalten hätte. Warum ist das so?

Ähnliches gilt es zum Irakkrieg zu sagen. Ich ging nicht auf die Antikriegsdemos und bin darüber bis heute froh. Unter dem ebenso griffigen wie dümmlichen Slogan “Kein Blut für Öl“ marschierten da die Leute auf und beruhigten ihr Gewissen auf Kosten unzähliger während der Diktatur ermordeter Iraker.

Kann es ein zynischeres Motto geben als “Kein Blut für Öl“? Jahrzehntelang wurde irakisches Öl nach Deutschland geliefert, in dieser Zeit vergaste Hussein Kurden, ließ seine Gegner ermorden und alle beseitigen die sich für elementare Menschenrechte einsetzten.
Dazu wurde hier geschwiegen, es kam zu keinen Gedenkmärschen für die Toten. Kein Ostermarsch nahm sich diesen Massakern an.

Den Amerikanern wurden wirtschaftlichen Interessen vorgeworfen und dem Kriegslüsternen Amerika wurden als Nationen des Friedens Deutschland und vor allem Frankreich entgegengestellt. Dabei hätte ein Blick genügt, um zu sehen, wer von wo sein Öl bezieht.

Frankreich hatte Angst um seine profitablen Wirtschaftsbeziehungen zum Hussein Regime und auch Deutschland hatte einiges zu verlieren. Beide Nationen waren immer nur an der Sicherung der Ölgeschäfte interessiert, die Menschenrechte der Iraker interessierten nicht. Und weil diese Wirtschaftsverträge nichts mehr Wert sind, wenn der Diktator gestürzt ist, stellte man sich hin und rief “Kein Blut für Öl“. Es kann einem schlecht werden bei so selbstgerecht vorgetragener Menschenverachtung.

Schon diese beiden Beispiele lassen klar erkennen, dass Attac ein Glaubwürdigkeitsproblem hat. Will sie sich darauf Beschränken das Feindbild USA zu bekämpfen, oder sich tatsächlich Universell für die selbst gesetzten Ziele engagieren?

Bevor ich diese E-Mail nun schließe, habe ich noch eine letzte Anmerkung, die direkt auf die Logik des Arguments abzielt, dass Kritik an Ahmadenischad Bush sehr gelegen käme: Auch die Neonazis versuchen sich als Globalisierungskritiker zu profilieren, gibt es deswegen in ihrer Gruppe auch Stimmen, die sich dafür einsetzen, dass Attac sich aus diesem Bereich zurückzieht?

Soweit meine Antwort. Sie können sie ja gerne an ihre Freunde in der Ortsgruppe weitergeben. Wie dem auch sei.

Grüße,

Gideon Böss