Freitag, Mai 12, 2006

Das wär was für Freud...


Der Spiegel gehört zu den USA “kritischsten“ Zeitschriften links von der National+Zeitung.
Kaum ein Monat vergeht, ohne das in einem Artikel oder gar dem Aufmacher wahlweiße das Ende der letzten Supermacht, des amerikanischen Jahrhunderts oder, seltener, des Imperiums verkündet wird.

Woher dieser Druck kommt, sich den Sturz des amerikanischen Riesen herbeizuwünschen, sollten Psychologen erklären und setzt sich wohl aus verschiedenen Demütigungen und Komplexen zusammen. Die Wut über die mit europäischen Maßstäben gemessenen zweitrangigen Verbrechen der USA, spielen bestimmt mit herein. Keine Vernichtungskriege, kein mörderischer Antisemitismus, keine dunkle Kolonialgeschichte, keine KZs. Dafür aber ein Einwanderungsland wie es nach Israel kein zweites auf der Welt gibt und damit nebenbei beweißt, dass Fremde nicht per se ein Problem sein müssen. Nicht nur, dass die USA Fremde zu Amerikanern machen, nein, diese Einwanderer mehren dann auch noch den Ruhm ihres Staates, indem sie sich mit viel Einsatz für die USA einsetzen. Nicht wenige der amerikanischen Nobelpreise gehen an Einwanderer der ersten oder zweiten Generation.

Im eher intellektuell-misstrauischen Deutschland hat man noch vor wenigen Jahren Green-Cards für Inder ausgeschrieben, die nach Ablauf ihrer Aufenthaltsfrist bitte wieder das Land verlassen sollten. Jeder hat eben ne andere Meinung von Ausländern, die eine Integrieren sie, die anderen diskriminieren sie und weil die Deutschen instinktiv trotzdem spüren, dass die amerikanische Variante besser ist, brodelt es in ihnen und das äußert sich dann in Titelgeschichten wie: Die neue Supermacht China u.ä.

Nachdem trotz vielem bemühen bisher kein wirkliches ermatten der USA erkennbar ist, verlegt sich Spiegel nun mehr auf andere Fronten.
In den letzten Wochen ergoss sich eine Flut von Artikeln zum Thema Hispanics in den USA.
Die USA hätten ihre Integrationskraft eingebüsst, es drohe das Auseinanderbrechen des Landes, die Mexikaner lassen sich nicht integrieren, in vielen Städten bilden die Mexikaner bald die Mehrheit, in Los Angeles und New York bilden sie bald die Mehrheit, dort und dort bilden sie bald die Mehrheit. Der amerikanische Traum ist gescheitert.

Vielleicht kann man von einem deutschen Journalisten nicht sofort verlangen, dass er die Verschiebung demografischer Zustände als etwas anderes als eine immense Bedrohung begreift. In Deutschland fühlte man sich ja schon öfters Überfremdet und reagierte dementsprechend darauf.

Das Problem ist nun aber, dass die Amerikaner schon immer auf Krisen anders reagierten als die Deutschen und darum in den Dreißigern auch den New Deal entwarfen, anstatt KZs zu bauen. Außerdem ist das Überfremdungsproblem in den USA in erster Linie ein Problem für den Spiegel. Amerikanische Zeitungen schlagen da einen etwas weniger apokalyptischen Ton an. An den Demonstrationen der Hispanics für die Legalisierung der illegalen Einwanderung, oder gegen das gesetzliche Verbot für illegale Einwanderung oder gegen die gesetzliche Illegalisierung von illegal ins Land eingewanderter Illegaler Einwanderer oder wie auch immer das etwas paradox klingende Ziel der Demos auch heißen mag, beteiligen sich auch viele Weiße.

Man begreift die Hispanics als Amerikaner und umgekehrt ist das auch so. Für die austragung des Bürgerkriegs bleibt da nur der Spiegle übrig.

Ein ganz aktueller Artikel lässt vermuten, dass der Spiegel das große Endziel, den Zusammenbruch der USA, von der Dringlichkeit her nun etwas zurückgeschraubt hat, denn in ihm kam die Rede auf das Ende des weißen Amerika zu sprechen - man wird bescheiden und es klingt irgendwie etwas erbärmlich neben dem anderen viel größeren Wunsch.