Donnerstag, Mai 11, 2006

Impressionen aus Soziologie und Pädagogik


Gestern wurde ich mit einigen interessanten Meinungen an der Uni konfrontiert.

Sie werden nun in chronologischer Reihenfolge aufgelistet:

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1.)

11.40 Uhr, Ort: Ein Pädagogik Veranstaltung in der wir uns auf Interviews mit religiösen Menschen vorbereiteten.

Sie stammte von einer ausländischen Studentin, die immer wieder betonte muslimisch zu sein und von einem Gespräch mit den Mormonen berichtete.

Sie sei von denen enttäuscht, weil sie ihre Frage nicht befriedigende beantworten konnten und als ich sie auch hören durfte, konnte ich deren Unvermögen verstehen.

Sie lautete folgendermaßen: „Findet ihr es nicht komisch, dieses Land zuerst kaputt zu bomben und jetzt zu missionieren?“

????????????????...??????????????...eine ganz wasserdichte Frage!!!

Eine der vier anderen Zuhörer war so überzeugt, dass sie spontan schwor, dass in Zukunft auch mal zu sagen.

Richtig so, auf das die Mormonen nie mehr deutsche Städte Bombardieren!

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2.)

ab 14.25 Uhr, Ort: Pädagogik Veranstaltung zum Thema Werte und Normen in verschiedenen Zeiten:

Nachdem sich der Dozent gegen die Formulierung finsteres Mittelalter verwahrte, begannen die Studenten plötzlich damit, Beweise für die große Menschenliebe dieser Epoche zu suchen. Es wurden Textdokumente zitiert und von wunderschönen mittelalterlichen Balladen gesprochen.

Ich erwähnte, dass die Texte damals eh nur von der Elite geschrieben werden konnte, die sicher nicht auf den Feldern schuften musste oder bei Hungersnöten krepierte, aber das Tat der Rehabilitierung dieser zu Unrecht als schrecklich bezeichneten Zeit keine Abbruch.

Kurz darauf wurde die Französische Revolution als unmenschliches Massaker demaskiert und der Professor entschärfte einen letzten Versuch dem Mittelalter seine Humanität abzusprechen mit dem Verweiß darauf, dass Hexenverbrennungen und Mobbing nicht soweit auseinander liegen.

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3.)

ab 18.04 Uhr, Ort: Soziologe Veranstaltung zum Thema europäische Familie:

Die Rolle der Frauen in verschiedenen Kulturen sollte thematisiert werden und ein, na ja, Volltrottel sprach dabei von der fortschreitenden Emanzipation der Frau in den arabischen Staaten. Mein Einwand, dass das genaue Gegenteil zutrifft und islamistische Bewegungen dort überall alarmierend viel Zulauf finden und im Iran Frauen vor Gericht dafür Bestraft werden, dass sie sich gegen ihre Vergewaltiger wehren ,entkräftete er mit einem wahrlich nicht widerlegbaren Argument: Wenn in Deutschland ein Pantoffelheld seine Frau zum Bierholen schickt, ist das genauso, also irgendwie, also schon, oder so ähnlich, oder?!!??!

Kurz darauf protestierte er entschieden, als ich abstritt, dass die Frauen in diesen Ländern auch glücklich seien, obwohl es sich um eine andere Kultur handelt. Das fand er „schon ziemlich krass, so was zu sagen“, dass fand ich dann auch ziemlich krass, dass derselbe Typ, der davor noch problemlos deutsche Machos als Pendant für iranische Vergewaltiger nannte, nun so entsetzt reagierte.

Eine andere Frau im Kurs pflichtete ihm dann noch bei. Sie faselte etwas davon, dass die Frauen dort nicht nur Opfer sondern auch Täter seien. Die meisten Genitalverstümmelungen an Mädchen würden ja von Frauen durchgeführt werden.

Der Trottel erinnerte dann auch noch einmal an die Macht der Frau innerhalb der Familie und das es auch echt nicht okay ist, über diese Länder zu reden, ohne das man dort schon einmal gelebt habe.

Außerdem äußerte er auch seine Enttäuschung über die Medienberichterstattung, die für dieses Zerrbild der islamischen Welt verantwortlich sei.

Mehrere andere Frauen rafften sich dann doch noch zu ziemlich lahmen Statements gegen die Unterdrückung der Frauen in der arabischen Welt auf, doch insgesamt hielt sich die Empörung doch in extremen Grenzen. Hätte ich nichts dazu gesagt, wäre diese Lüge über eine unaufhaltsame Frauenbewegung in den arabischen Ländern sogar kommentarlos abgenickt worden.

Fazit: Ja, ja, ein ereignisreicher Tag. Eigentlich überraschte mich aber nur die Soziologie Debatte ein wenig, bei den Pädagogen muss man mit so etwas immer rechnen. Nicht umsonst handelt es sich bei dieser Wissenschaft ja um das Epizentrum des (Kultur-) Relativismus.