Mittwoch, Mai 24, 2006

Redebeitrag eines Idioten...

Freiheit für alle (die Günter Grass genehm sind)

Das muß man wirklich bringen: Da findet zum dritten Mal in der 80-jährigen Geschichte des internationalen PEN-Clubs eine Generalversammlung auf deutschem Boden statt, und zwar – natürlich – in der Schicksalsstadt Berlin. Von hier war, wie jeder weiß, das planetarische Unheil des 20. Jahrhunderts ausgegangen, und hier war das Leiden unter den Folgen am sichtbarsten geworden. Aber immer waren es die Amerikaner gewesen, die das deutsche Schicksal wendeten und die deutschen Schrecken zu beenden halfen. Erst bezwangen sie die Nationalsozialisten, dann hielten sie die Kommunisten in Schach. Und nun muß man es wirklich bringen, die Festrede zur Eröffnung dieses internationalen PEN-Kongresses von A bis Z mit antiamerikanischen Haßtiraden zu spicken. Der Repräsentant der deutschen Literatur, der dies vollbrachte, war der 78-jährige Günter Grass. Er ist zwar nicht stilsicher genug, um zwischen den Formulierungen „seit alters“ und „von alters her“ zu unterscheiden, aber dafür weiß er, was die Amerikaner in Amerika so machen, wenn ihnen langweilig ist: sie suchen sich Feinde aus, damit sie Krieg führen können. Aus diesem Grund „fördern“ sie nicht nur den Terrorismus, sondern (alles wörtliche Zitate!) sie „züchten“ ihn sogar. Niemand, kein einziger der zum Kongreß angereisten Schriftsteller, kein dem Kampf für Freiheitsrechte verpflichtetes PEN-Mitglied, rief auch nur den leisesten Widerspruch in den Saal. Der internationale PEN-Club hat zwar eine amerikanische Präsidentin, aber wenn die USA so richtig als das große Weltübel gebrandmarkt werden, dann tobt der PEN-Kongreß vor Begeisterung. So viel Erfolg hatte der Nobelpreisträger mit seinen Attacken, daß der ganze Saal am Ende auf die Füße sprang und stehend applaudierte. Nicht der Iran, Syrien oder Nordkorea, keine der vielen den Weltfrieden bedrohenden Diktaturen wurde unter dem Kongreßmotto: „Schreiben in friedloser Welt“ für erwähnenswert gehalten, sondern die Vereinigten Staaten von Amerika. Dabei zitierte der Nobelpreisträger Grass auch lang und breit die Stockholmer Rede des Nobelpreisträgers Harold Pinter, die Amerika betreffend noch wüsteren Zuschnitts war. Doch dann benutzte Grass die Gelegenheit, um eine Rechnung mit der FAZ zu begleichen. Dort hatte der Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier es gewagt, sich in einem Feuilletonartikel über Pinter negativ zu äußern. Man faßt es kaum: vor einem internationalen Auditorium und in Gegenwart des Bundespräsidenten entblödet sich der deutsche Vorzeigeschriftsteller Grass nicht, einen Kritiker wegen einer kritischen Betrachtung namentlich anzugreifen. Der PEN tritt statutengemäß immer und überall für die Freiheit von Wort und Schrift ein, ganz besonders in Deutschland und den USA. Aber wehe, jemand treibt mit dieser Freiheit Mißbrauch und reizt den großen Grass.
(http://www.achgut.de/dadgd/view_article.php?aid=2471&ref=0)