Sonntag, Juni 18, 2006

George W. Bush und die Meere

Man sollte meinen, dass es Engagements gibt, für die alle nur lobende Worte übrig haben.
Spenden für Afrikanische Kinder zum Beispiel, oder der Einsatz gegen Armut, oder der Kampf gegen Rassismus, oder der Umweltschutz.

Nun hat die Süddeutsche Zeitung mich eines bessere belehrt. Es kommt nicht nur darauf an, gutes zu tun, nein, man darf gleichzeitig auch nicht George W. Bush heißen.
Wenn doch, wird aus einem bedeutenden Beitrag zur Sicherung der Artenvielfalt schnell ein Zwitter aus Propagandacoup und Unmündigkeit.
Schon der erste Absatz klingt wie eine Kriegserklärung. Sozusagen ein Präventivschlag, völlig überraschend für Freund und Feind.

Die Entscheidung kam über Nacht, und sie hat selbst regierungsfreundliche Umweltschützer überrascht: Der Präsident, der das Klimaschutzabkommen von Kyoto gekündigt hat, der die letzte unberührte Wildnis von Alaska für Ölbohr-Plattformen öffnen will, schafft mit einem Federstrich, mit einer einzigen Unterschrift und praktisch ohne vorherige Ankündigung das größte Meeresnaturschutzgebiet der Welt

Zwar habe ich in der SZ noch nie etwas von regierungsfreundlichen amerikanischen Umweltschützern gelesen, aber der Rest des Satzes hat es ja rhetorisch in sich. Mit einem Federstrich, mit einer Unterschrift, ohne Ankündigung - das sitzt ein Alleinherrscher im Weißen Haus und unterwirft die Ozeane!!!

Doch die Frage, die den SZ-Journalisten umtreibt, ist damit noch nicht beantwortet. Warum macht dieser Mann so etwas? Das ist vielleicht das größte Problem bei Feindbildern, dass sie immer in den vorgegebenen Rahmen passen müssen. Und darum kann dieser Präsident nicht einfach mal etwas richtig gemacht haben. Wo ist also der Haken, wo kann angesetzt werden?

Viele sehen in der unerwarteten Entscheidung den großen Einfluss, den Laura Bush auf ihren Mann ausübt. Nicht immer hat sie Erfolg, aber immer versucht sie, mäßigend zu wirken.

Dass ist eine Möglichkeit und sogar eine elegante. Auf diese Weiße bleibt alles beim Alten. Bush ist weiterhin ein etwas debiler Ex-Alkoholiker und alle begrüßenswerten Amtshandlungen werden mit Verweiß auf die eigentliche Urheberin entschärft.
Außerdem sorgt auch gleich das nächste Detail wieder für Ruhe.

Und im Fall der Hawaii-Inseln hatte Laura Bush Anfang April gemeinsam mit ihrem Mann eine Filmdokumentation von Jean-Michel Cousteau, dem Sohn des legendären Meeresforschers Jacques Cousteau, im Weißen Haus angeschaut.
Cousteau hatte auf der Inselkette 2003 sechs Wochen lang gefilmt. Die Sondervorführung muss Bush ziemlich beeindruckt haben.

Typisch, wir alten-intellektuellen-gebildeten Europäer, also wir Leser der Süddeutschen Zeitung, würden eine solche Entscheidung nicht aus dem Bauch bzw. dem Kinosessel heraus fällen. Wir würden eine Kommissionen beauftragen das betreffende Gebiet zuerst vierzig Jahre aus der Ferne zu beobachten, dann noch auf Anraten eines unabhängigen Experten diverse Reformen am Gesetzestext vornehmen und Geduldig auf den Abschlussbericht der Kommission warten. Erst danach würde die Regierung die Hawaii-Inseln dann zu einem offiziellen Meerschutzgebiet erklären - ungeachtet dessen, dass sie mittlerweile längst durch iranische Atombombentests vernichtet wurde.

(http://www.sueddeutsche.de/,tt4m2/ausland/artikel/423/78345/)