Donnerstag, Juni 15, 2006

Pädagogen und die gewalttätige Welt

Die Pädagogik ist eine zwielichtige Wissenschaft.
In ihr gehört das relativieren zum guten Ton und das Opfer wird dafür Verantwortlich gemacht, dass der Täter aggressiv wurde. Umgedrehte Logik also.
Gestern durfte ich an einem weiteren Höhepunkt pädagogischen Denkens teilnehmen.
In einem Seminar wurde der Begriff Gewalt diskutiert.
Völlig klar war von Begin an, dass Gewalt an sich wertneutral ist.
Es gibt positive und negative. Was genau fällt alles darunter?, eine kleine Auswahl: Kriege, Nachhilfeunterricht, Massaker, Einschulungen, Boxkämpfe und die Verkehrsregeln.

Ein ganz besonders gewalttätiges Exemplar Mensch stellte Mahatma Gandhi dar („Der hat definitiv eine ganz extreme Form der Gewalt gelebt“). Übrigens ist es auch hier interessant, wie sehr Pädagogen auf den Täterschutz bedacht sind. Namen wie Hitler, Stalin, Mao, Che Guevara oder Saddam Hussein fielen nämlich nicht. Auch nicht der schlagende Ehemann, oder der Serienmörder. Der naive und weltfremde Hindu stand allein auf weiter Flur.

Später wurde die Frage aufgeworfen: „Kann der Frieden aus religiöser Sicht nur über vorhergehende Opferungen erreicht werden?“
Und obwohl die Frage mit einem einfachen Ja, zumindest für Christen und Moslems, zu beantworten wäre, entschied sich die nächste Generation Täter-Faszinierter Street-worker für eine andere Sichtweiße. Weil diese Religionen eine friedliche Botschaft verkünden, kann es nicht sein, dass sie gewalttätig ihr Ziel erreichen. Wenn sie ihre Werte selber ernst nehmen!
Ich habe mich dann auch gemeldet und gesagt, dass Religionen, die eine Universelle Heilslehre vertreten, so wie die beiden genannten, im Kern immer aggressiv sind. Ganz abgesehen davon, dass zumindest der Islam auch im Kern keine friedliche Religion ist. Ein Feldheer als Stifter, die Einteilung der Welt ins Haus des Friedens und des Krieges und die Verpflichtung zum Jihad wirken nicht besonders pazifistisch.

Die Pädagogik ist wirklich eine sonderbare Disziplin. Was bringt denn ein Begriff, der einfach für alles einsetzbar ist? Wenn Gewalt sowohl Amokläufe als auch Geburtstagsfeiern, als auch großen Ehrgeiz umfasst, wird dieser Begriff völlig wertlos. Auschwitz und die Anmeldung zu einen Tanzkurs, zwei Seiten der gleichen Medalie.
So ein Wort kann man dann nur noch in den Papierkorb werfen, oder an besten die Wissenschaft, die dieses Wort so benutzt. Es gilt weiterhin der kluge Satz des griechischen Philosophen Gideon*: Was für alles einsetzbar ist, ist für nichts einsetzbar.


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* Als Alternative zum sehr passenden Zitat von Adorno, dass mir gerade nicht einfällt.