Sonntag, Juni 18, 2006

Reinhard Mey und warum früher alles leichter war

Reinhard Mey hat wieder zugeschlagen. Der, gleich nach Jürgen Drews, wichtigste politische Barde Deutschlands knöpft sich aber mal ausnahmsweise nicht die Terroristen, Fundamentalisten und Fanatiker dieser Welt vor, sondern die USA.

Vielleicht dachte er sich: "Jetzt hab ich soviel über Grosny gesungen, habe Lieder über Hingerichtete iranische Homosexuelle verfasst, deren vergehen es war, sich zu lieben, habe Fiedel Castro auf das Normalmaß eines gewöhnlichen Diktators gestuzt, trällerte mir eins auf die Steinigungen in Saudi Arabien und goss die palästinensische Selbstmordanschläge in wunderschöne Reime. Damit habe ich die schlechten dieser Welt schon mehr als genug Angeklagt. Damit jetzt aber nicht der Eindruck ensteht, dass ich irgendwie nur gegen Feinde der Menschenrechte bin, sind jetzt mal die USA dran!"

Vielleicht dachte er das wirklich, vielleicht war es aber auch simpler und der Gegner von Garten-Nazis (womit er Nachbarn meint, die ihren Rasen mähen) wollte einfach nur seinem gewohnten Weltbild treu bleiben. Und das befindet sich nicht erst seit Nein, meine Söhne geb ich nicht in naiv-pazifistischen Gefilden, irgendwo über den Wolken, ohne Sichtkontakt zur Realität.

Der folgende Liedtext ist ein weiterer Beweis dafür, dass unter den so genannten Linken Sängern viele noch immer den Fall der Mauer nicht überwunden haben und in einer Mischung aus Nostalgie und Gegenwartsangst ihre Lieder weiter nach dem bewährten Gut-Böse, Wir unten – die Oben Schema zimmern.

In diesem Sinne, Vorhang auf für Meys USA und Realitäts Kritik:


Alles o.k. in Guantánamo Bay

Wir sagen schwarz ist schwarz und weiß ist weiß
Und wenn wir das so sagen, dann genügt das als Beweis.
Man weiß, die Bösen sind böse, die Guten sind wir
Also stell’n Sie keine Fragen, wir stell’n die Fragen hier!
Geh’n Sie hinter die Absperrung, bitte bleiben Sie nicht steh’n,
Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu seh’n,
Es ist alles o.k. in Guantánamo Bay.

Wir haben da ein vorbildliches Lager gemacht
Und jeder Vorbildvergleich ist völlig unangebracht.
Ein Lager, in dem es mit rechten Dingen zugeht,
Das Recht ist immer da, wo unsere Fahne weht.
Wir machen hier die Regeln und wir sind das Gesetz,
Also erspar’n Sie uns Ihr weinerliches mitleid’ges Geschwätz!
Es ist alles o.k. in Guantánamo Bay.

Wir sind die Guten und die andern sind die Schlechten,
So einfach ist das mit den Menschenrechten.
Was kümmert es uns, wenn Ihr uns anpinkelt und kläfft,
Kümmert Euch um Euer eigenes Geschäft.
Es ist alles o.k. in Guantánamo Bay.

Wir haben einen guten Stacheldrahtzaun
Sie sollen nicht drüberschau’n, Sie sollen uns nur vertrau’n.
Auch wenn man nicht sieht, was dahinter geschieht,
Mit dem, der da mit verbundenen Augen niederkniet.
Wir haben ihn gefaßt, wir sind das Weltgericht,
Ob es der Weltöffentlichkeit nun mal paßt oder nicht,
Denn es ist alles o.k. in Guantánamo Bay.

Wir sind die Guten und die andern sind die Schlechten,
So einfach ist das mit den Menschenrechten.
Was kümmert es uns, wenn Ihr uns anpinkelt und kläfft,
Kümmert Euch um Euer eigenes Geschäft.
Es ist alles o.k. in Guantánamo Bay.

Im Land der Tapferen und in der Heimat der Frei’n
Warten wir nicht auf Ihren Rat, mischen Sie sich nicht ein!
Keine Diskussion, keine Genfer Konvention,
Dieses hier ist Gottes eigene Nation:
We do it our way in Guantánamo Bay.
Es ist alles o.k. in Guantánamo Bay.
Tout est parfait à Guantánamo Bay.
Khobé, khobé Guantánamo Bay.
Koullu tamam fi Guantánamo Bay.



1 Comments:

At 22 Juni, 2006 02:48, Anonymous Endi said...

trottel, siehe auch hier:
http://myblog.de/endi/art/2350224

viele grüße
endi

 

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