Donnerstag, Juni 15, 2006

Zäune und Musik

Auszüge aus einem etwas merkwürdigen Interview mit einem deutschen Lehrer in Palästina.


SPIEGEL ONLINE: Sie legen großen pädagogischen Wert auf die musikalische Ausbildung Ihrer Schüler. Durch Musik lerne man zu hören, wann Harmonie entstehe, sagen Sie. Immer wieder kommt es jedoch zu ziemlichen Dissonanzen im musikalischen Zusammenspiel.

Dürr: Es gibt eine von Daniel Barenboim und Edward Said gegründete Stiftung "West-östlicher Diwan". Die Zusammenarbeit wird jedoch immer schwieriger. Etliche palästinensische Kinder und Jugendliche können an Workshops oder Musikwettbewerben nicht mehr teilnehmen, weil sie von Israel keine Erlaubnis bekommen, um nach Ostjerusalem ins Konservatorium zu kommen.



Das Problem mit der verbindenden Kraft der Musik ist doch, dass die Hamas diese Projekte gerne sofort beenden würde. Die Scharia ist nicht unbedingt besonders musikfreundlich, wer das nicht glaubt, der denke nur an die ganzen von den Taliban betriebenen Diskos. Von daher sind solche Musik-Initiativen gute Beispiele für das zuviel an naivem Gutmenschen Engagement und zu wenige an realistischer Einschätzung der Wirklichkeit.


Und nun die sonderbarste Passage des Interviews:

SPIEGEL ONLINE: Gibt es nicht auch positive Entwicklungen - der Abzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen etwa?
Dürr: Der Rückzug der Israelis wird hier als entwürdigend empfunden - aus dem einen Grund: Niemand redet mehr mit den Palästinensern.

Eine Entwürdigung! Na klar, ein echter arabischer Krieger will sein Land aus eigener Kraft und der Waffe in der Hand von den Juden befreien. Alles andere kann er nur als eine Demütigung empfinden. Da hät man Rücksicht nehmen müssen! In Zukunft also besser keine Siedlungsauflösungen mehr, dass treibt die Gedemütigten nur Scharenweiße in Depressionen.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,421448,00.html