Sonntag, Juli 02, 2006

Impressionen nach dem Spiel Deutschland – Argentinien

Von der Straßenbahnhaltestelle aus können krächzende Deutschland-Rufe vernommen werden. Es klingt, als ob ein Ertrinkender um sein Leben brüllt. Mehrere kleine Gruppen von Menschen stehen etwas ratlos in ihren schwarz – rot – gold Verkleidungen herum und warten auf hupende Autos um sodann das ertrinkende Deutschland erschallen zu lassen. Ein Fest der Völker kann in diesen Gesten weniger erkannt werden als die Erfüllung eines dummen nationalistischen Rituals.
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Auch die herbeieilende Straßenbahn präsentiert sich in den Landesfarben. Die Reaktion ist immer dieselbe, kaum kann eine Assoziation zu Deutschland hergestellt werden, hupen die Autos und die Sterbenden schreien - doch wirklich ausgelassen wirkt das nicht. Eher auswendig gelernt: wenn Staatssymbole erkennbar, laut sein!
Darum versinken die Fans nach der Pflichterfüllung auch immer wieder in stiller Ratlosigkeit und müssen auf die Entdeckung eines weiteren Nationalbewussten warten, um wieder zu feiern - ausgelassen und fröhlich!

In der Straßenbahn selber befanden sich erfreulicherweiße wenige, die sich an den Feierbefehl hielten, die meisten schienen sich für die Wiederauferstehung Deutschlands nicht zu interessieren. Passiver Landesverrat durch nichtstun also! Ein etwas korpulenter Mann hielt dem trotzig den Patriotismus entgegen, indem er eine kleine Fahne schwenkte und dazu ein Pornomagazin. Was er damit aussagen wollte bleibt rätselhaft. Vielleicht: Deutschland ist sexy, oder Deutschland ist notgeil, oder einfach nur Schaut her, ich bin zwar verrückt, kann aber trotzdem ein Tittenmagazin in die Luft halten!

In der Stadt stiegen dann dutzende Fans zu und brüllten herum „So sehen Sieger aus!“ Deutsche kommen scheinbar nicht mal im Sport ohne Hierarchien aus. Auch nicht beim Feiern. Der Feind ist vernichtet, die Verhältnisse zurechtgerückt. So sehen Sieger aus.

Weil aber irgendwann auch das befriedigende Gefühl des Triumphs nicht mehr zum Grölen ausreicht, wird einfach das Fundament der deutschen Spaßkultur in noch stärkeren Maße konsumiert: Alkohol! Denn im nüchternen Zustand fröhlich und ausgelassen sein, das haben die Deutschen auch bei dieser WM nicht gelernt.

1 Comments:

At 05 Juli, 2006 11:00, Anonymous Anonym said...

du kommst halt mit der Sprache nicht ganz zurecht: Es geht nicht um deine Impressionen, du legst nur deine Depressionen offen.Und daß wir Sieger unsere fröhlichen und ausgelassen feiernden Kinder alkoholgedopt haben, paßt als Wahnvorstellung exakt zur Diagnose .

 

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