Freitag, Juli 07, 2006

Phoenix Runde - Frieden in Nahost?

Vorgestern fand auf Phoenix eine Diskussionsrunde zum Thema Eskalation in Nahost –Hat der Frieden noch eine Chance statt. Moderatorin war Gaby Dietzen, die offensichtlich völlig unberührt von jedweder Kenntnis des Konfliktes ist und ständig auf geradezu provozierend dümmliche Art diese fehlende Seriosität zur Schau stellte.

Als Gäste saßen der israelische Journalist Eldad Beck bei ihr, das Mitglied der Palästinensischen Generaldelegation Mohammed Nazzal sowie ein deutscher Nahostexperte namens Volker Perthes.

In letztgenannten personifizierte sich so ziemlich alles, was an der deutschen Berichterstattung über den Nahostkonflikt so ärgerlich ist. Selbstgerechtes ignorantes Gerede, Belehrungen wie man es nicht machen darf ohne aber die erfolgsversprechende Alternative zu verraten und ein stoisches beharren auf der Formel, dass zwar beide Seiten zu gleichen Teilen Schuld tragen, aber Israel der Provokateur der Herzen ist.

Wieso mit dem Geld der Fernsehzuschauer eine solche Face finanziert wird, will mir nicht klar werden. Eine Moderatorin die sich mit der Materie ebenso gut auskennt, wie mit den Grundstückspreisen auf dem Jupiter, ein deutscher Nahostexperte, der immer dann Eldad Beck mild lächelnd zurechtweißen musste, wenn dieser sich nicht an die Regeln hielt und zwei "Betroffene", die aber nicht mehr als Statisten darstellten.
Bezeichnend dafür war die Situation, in der Beck darauf verwieß, dass selbst im arabischen Original des Gefangenwischs von einer Annerkennung nichts zu finden sei, dafür aber zweimal ganz konkret zur Vernichtung Israels aufgerufen wird. Auf diesen Hinweis von Beck wurde nicht weiter eingegangen.

Weil Beck dann auch noch auf Hamasvertreter verwieß, die in Interviews verzweifelt darauf bestehen, dass die Hamas absolut einig ist, was ihr Endziel angeht, sah sich Herr Perthes dann doch gezwungen, eine Lanze für die Terroristen zu brechen.
Wenn ein Hamassprecher behaupten würde, dass die ganze Organisation die Vernichtung Israels befürworte, bedeute das gar nichts, erklärte er gelassen. Es sei die Pflicht eines Sprechers nach außen Einigkeit zu demonstrieren. Perthes entmündigt somit im Sinne einer ausgewogenen Berichterstattung diese altehrwürdige Mörderbande und es kostet ihn nur ein müdes Lächeln.

Nazzal hielt sich an den palästinensischen Ehrenkodex niemals einen Funken Selbstkritik aufkommen zu lassen und sprach von einer Kollektivstrafe seinem Volk gegenüber und das die israelischen Militäraktionen eine Demütigung darstellen würden.
Beck hielt dem die in die tausenden gehenden Raketenangriffe auf Israel entgegen, die seit dem Anzug aus dem Gazastreifen auf Grenznahe Städte und Siedlungen nieder regnen.
Ehe Nazzal in die Verlegenheit gekommen wäre zu antworten, übernahm das die Laienmoderatorin Dietzen für ihn und folgerte messerscharf: Also haben die israelischen Angriffe auf Gaza den Zweck, dass, wenn schon die Israelis wegen des Raketenbeschuss nicht zur Ruhe kommen, wenigstens auch die Palästinenser keine Ruhe finden?!?

Kurz darauf stellte sie dann eine überraschend originelle Frage im Bezug auf die Soldaten Entführung: Wie kann es eigentlich sein, dass so eine Entführung überhaupt passieren kann, obwohl die Armee doch so gut ausgerüstet ist?

Richtige und wichtige Frage, die, wenn man ihr überhaupt einen tieferen Sinn unterstellen darf, wohl die Türe für Spekulationen aufstoßen sollte. Ein abgekartetes Spiel um einen Vorwand zum Einmarsch zu finden?

Endgültig ins bizarre kippte diese Diskussionsrunde aber, als Dietzen in die Runde fragte, ob durch die Anerkennung Israels durch das Gefangendokument nicht eine ganz neue Chance auf Frieden gekommen sei?

Wenige Minuten zuvor hatte Beck auseinander genommen, warum dieser Schmierzettel nichts Wert ist, scheinbar ohne Erfolg. Kann man eigentlich schon von totalitären Tendenzen im Bezug auf die Nahostberichterstattung sprechen, wenn die Wahrheit ganz einfach nicht mehr akzeptiert und durch eine Pseudo-Wahrheit ersetzt wird? Wenn Stalin will, dass Trotzki niemals die Rote Armee führte, dann hat er niemals die Rote Armee geführt!

Der Nahostexperte griff diese Frage dankbar auf und kam auf die Gefangenen in israelischen Gefängnissen zu sprechen, von denen ja viele in Palästina hohes Ansehen genießen würden. Das animierte wiederum die moderierende Ahnungslosigkeit zu dem folgerichtigen Vorschlag, dass die ehrenwerten Häftlinge dann doch an besten nachhause geschickt werden sollten, damit sie als Propheten die Vision eines friedlichen Miteinanders vorleben könnten.

Wenn sich diese Karikatur einer ernstzunehmenden Journalistin auch nur etwas informiert hätte, wäre ihr vielleicht aufgefallen, dass die erwähnte Popularität größtenteils darauf zurückzuführen ist, dass diese Pazifisten an der Planung und Durchführung von Anschlägen beteiligt waren.

Nach einer Dreiviertelstunde endete dieses Trauerspiel mit der Erkenntnis, dass Frieden noch möglich sei, auf dem Weg dorthin aber noch einige Hindernisse zu überwinden wären.
Für dieses nichts sagende Schlusswort hätte es gereicht, einfach die Widerholung irgendeiner Diskussionsrunde zu senden und hätte Frau Dietzen zu diesem Thema ein Schulreferat halten müssen, sie hätte eine glatte sechs bekommen.