Dienstag, August 29, 2006

Antisemiten und Philosemiten

Ich glaube nicht, dass es Antisemiten und Philosemiten gibt. Es gibt nur Antisemiten, die dazu stehen, und Antisemiten, die es nicht wahrhaben wollen.

Bekennende und verdrängende Antisemiten sozusagen.

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Letztlich ähneln sich die Denkstrukturen doch frappierend. Ob Juden als besonders raffgierig und böse dargestellt werden, oder gegenteilig als großzügig und gut, ist doch das gleiche. In beiden Fällen findet eine Entmenschlichung statt. In beiden Fällen können die Erwartungen nicht erfüllt werden. Antisemiten haben damit aber weniger Probleme als Philosemiten, denn sie ignorieren einfach alles, was ihrem Weltbild widerspricht. Für die Philosemiten sieht die Situation etwas anders aus, sie projizieren positive Erwartungen auf die Juden, die nicht erfüllt werden können. Sie haben sozusagen noch etwas zu verlieren. Es ist dabei nur eine Frage der Zeit, bis die Erwartungen enttäuscht werden und wenn es soweit ist, kann die Reaktion ebenso irrational sein, wie die vorherige Begeisterung. Wenn man Juden nämlich als Vertreter des absolut Guten sieht, ist der Weg nicht weit, in ihnen plötzlich das absolut Böse zu erkennen.

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Von daher stehen Philosemiten eigentlich immer mit mindestens einem Bein in der Tür zum Antisemitismus und sind auch nicht besser als jene. Sie Teilen grundlegende Elemente des Antisemitismus. Sie sehen in Juden keine normalen Menschen, denken in Kollektiven, projizieren auf sie bestimmte Erwartungen bzw. Ängste und verweigern den Juden somit das Recht darauf, als Menschen unter Menschen zu leben. Das Grundmotiv des Antisemitismus also.