Mittwoch, August 16, 2006

Die antisemitischen Friedensengel


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Dieser Libanonkonflikt war ein Glanzstück medialer Fakten-Verdrehung. Vor diesem Waffengang gab es kaum jemanden, der ernsthaft auf die Idee gekommen wäre, die Hisbollah als konstruktiven Partner für die Friedenssicherung zu betrachten. Doch dank konsequenter Ausblendung der Ziele dieser antisemitischen Terrororganisation, ändert sich das momentan. Der Grund dafür ist zugleich das Urübel der Nahostberichterstattung, deren oberstes Gebot lautet: relativieren. Selbstmordanschläge sind dasselbe wie die gezielten Liquidierungen von Terrorführern. Hisbollah-Angriffe auf Zivilisten sind dasselbe wie der versehentliche Beschuss eines bewohnten Hauses. Irans Drohungen, Israel zu vernichten, sind dasselbe wie Israels Reaktion darauf. Unterschiede zwischen einer modernen Demokratie und mittelalterlichen Schreckensherrschaften werden dabei konsequent ignoriert und diesen Wahnsinn nennt man dann auch noch stolz „ausgewogenen Berichterstattung“. Niemand wird benachteiligt, niemand bevorzugt und im Zweifelsfall kritisiert man dann trotzdem im Leitartikel lieber die Situation der israelischen Araber als die der Bahai im Iran. Das hat dann weniger mit ausgewogener Berichterstattung zu tun, als mit dem puren Überlebenswille. Es schläft sich halt als wortgewaltiger Israelkritiker im Hotel mit Blick auf die Tel-Aviver Strandpromenade besser, als auf einer harten Matratze in einem Teheraner Gefängnis.

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Aber die Karriere der Hisbollah ist sogar unter diesen besonderen Voraussetzungen beeindruckend. Sie wird tatsächlich im Zusammenhang mit einem ehrlichen und dauerhaften Frieden als ernstzunehmender Gesprächspartner ins Spiel gebracht. Vor dem Konflikt war es wenigstens noch üblich, sie nicht als Teil der Lösung sondern als Teil des Problems darzustellen. Momentan verschieben sich da die Paradigmen.

Paradox wird diese Wandlung dann, wenn man sich klar macht, wie die Presse die pazifistische Seite der Hisbollah entdeckte. Nicht durch eindringlichen Friedensappell Nasrallahs im eigenen Fernsehsender, sondern durch den Abschuss von tausenden Raketen auf die israelische Bevölkerung. Ob es für einen Friedensnobelpreis hätte reichen können, werden wir leider nie erfahren, der wer wohl erst ab Tel Aviv in Frage gekommen.

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Nein, die Hisbollah ist natürlich kein Friedenspartner. Sie muss entwaffnet werden und Israel wäre noch nicht einmal der erste Profiteur davon. An wichtigsten wäre dies für den Libanon. Privatarmeen, die auf Befehlsgeber aus dem Ausland hören und als so etwas wie eine mobile Grenze fungieren (wo Hisbollah ist, da ist Iran), verhindern die wirtschaftliche und vor allen gesellschaftliche Entwicklung eines Staates. Darum ist die Kritik, dass Israel mit seinen Verteidigungsmaßnahmen ausgerechnet das einzige Land mit halbwegs demokratischen Strukturen traf, nicht richtig. Der Libanon ist die Geisel der Hisbollah und solange es sie als militärischen Machtfaktor gibt, kann der Libanon nicht frei sein. Alles, was zur Schwächung dieser Terrororganisation beiträgt, ist dabei ein Schritt in die richtige Richtung und vielleicht ist man im Libanon irgendwann dankbar dafür, dass Israel durch seine Gegenschläge den Anfang vom Ende der Hisbollah herbeiführte. Für alle kommenden Friedensbemühungen wäre es jedenfalls zu hoffen, dass die Hisbollah bald vernichtet wird, oder zumindest in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Doch so wie es momentan scheint, kann Nasrallah wohl eher mit einem Anruf aus Stockholm rechnen, als mit ernsthaften Bemühungen seine Macht zu brechen.