Donnerstag, August 03, 2006

Karikaturenstreit II: Israelis, lasst die deutsche Botschaft brennen!!!


Ich bin ja grundsätzlich kein großer Freund von Karikaturen (wobei ich den Mohammed-Bombenturban ganz witzig fand), weil sie komplexe Sachverhalte soweit vereinfachen, bis das, was dabei raus kommt, im wahrsten Wortsinn nur noch eine Karikatur des behandelten Themas ist. Doch die Zeichnung, die ich gestern in der Allgemeinen Zeitung Alzey bestaunen durfte, geht noch einen Schritt weiter.
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Sie begnügt sich nicht mit plumpen Vereinfachen, nein, sie verfälscht auf widerlichste Weise. Wir sehen einen israelischen Soldaten, der mit einer Axt einen Baum fällt. Bei diesem handelt es sich um den Libanon und weit und breit um die israelische Axt findet sich keinerlei Hisbollah. Die schießt stattdessen aus dem Baum heraus auf den Aggressor.
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Bewaffnet mit einem Maschinengewehr, was seine harmlosigkeit nur noch mehr unterstreicht (man darf bezweifeln, dass er deswegen keine Raketen abfeuert, weil der Karikaturist solche nicht zeichnen kann.), versucht dieser den todbringenden Soldaten zu vertreiben.
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Dieser schlägt blindlings um sich und verfolgt ganz offenbar nicht das Ziel, die Hisbollah zu bekämpfen, sondern will dem Libanon den Lebensnerv durchtrennen. „Wir haben keine Alternative!“ höhnt er dabei noch.
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Wenn dieser Karikaturist irgendetwas kann, außer schlecht zeichnen und zynisch denken, dann wohl die Befindlichkeiten der Leserschaft zu erraten und sich nach ihnen zu richten. Genau so will man den Konflikt doch sehen.
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Die Israelis überfallen blindwütig einen Nachbarstaat (Stichwort Polen!), nehmen keine Rücksicht auf die Bevölkerung (Vernichtungskrieg!!) und kämpfen für ein wahnsinniges Ziel (Endsieg!!!). Die Parallelen sind einfach zu offensichtlich und darum fällt es nicht nur dem entnazifizierten Opa auf, dass die Juden nicht begriffen haben, was ihnen die Deutschen in den pädagogischen Forschungszentren in Osteuropa beizubringen versuchten: Gegenwehr ist keine Lösung.
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Und am 9.November wird die Allgemeine Zeitung dann wieder in einem Leitartikel entschieden gegen den Antisemitismus der dreißiger Jahre vorgehen und „Wehret den Anfängen!“ rufen. Das ist kein Widerspruch, denn man kann in der jetzigen Situation sehr wohl Antiisraelisch sein, ohne sich des Antisemitismus schuldig zu machen. Vorausgesetzt natürlich, man versteht den 9.November und den 27.Janur nur als leere Rituale ohne Gegenwartsbezug.
In Deutschland hängt die Solidarität mit Juden eben primär davon ab, wie lange sie schon tot sind und da haben die lebende natürlich schlechte Karten.
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Und über diese bittere Erkenntnis kann man noch nicht einmal lachen - bei solch witzlosen Karikaturen.