Dienstag, August 22, 2006

Neulich auf dem Campus:


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Dozentin: Ich reise gerne, vor allen durch asiatische und arabische Länder.

Ich: Waren sie auch schon in Israel?

Dozentin: Nein, Israel boykottiere ich wegen seiner Politik gegenüber seinen Nachbarn. Ich finde es zum Beispiel auch ganz schlimm, was jetzt mit dem Libanon gemacht wird.

Ich: Ich habe da eine andere Meinung zu.

Dozentin: Das dacht ich mir schon.

Ich: Was soll man denn machen, wenn man angegriffen wird?

Dozentin: Von Israel muss verlangt werden können, dass es als zivilisiertes Land anders reagiert.

Ich: Wie soll denn anders reagiert werden, wenn die Raketen schon einschlagen? Die UNO hätte anders reagieren sollen, sie hätte der Hisbollah die Waffen abnehmen müssen.

Dozentin: Das ist sicher ein schwieriges Thema und da können wir ja ein anderes Mal weiter drüber reden, jetzt muss ich aber zum Bus. Aber diese Politik ist falsch und es scheint, als haben die Juden nichts aus ihrer Geschichte gelernt.

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Und da war sie entschwunden und ließ mich mit dem letzten im Gehen ausgesprochenen Satz alleine zurück. Die Juden haben nichts aus ihrer Geschichte gelernt? Jetzt mal ganz außen vor gelassen, dass dieser Vorwurf – vorsichtig ausgedrückt - von einem unverkrampften Umgang mit der Vergangenheit zeugt, geht er doch selbst dann an der Realität vorbei, wenn man Auschwitz tatsächlich als so etwas wie die östlichste Bildungseinrichtung Deutschlands ansieht. Denn, wenn die Juden tatsächlich nichts aus ihrer Geschichte gelernt hätten, warum wehren sie sich dann heute gegen antisemitische Terrororganisationen, statt sich vernichten zu lassen?

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Aber noch spannender ist folgende Frage: Wie kann man mit einem ruhigen Gewissen durch frauenfeindliche und gewalttätige Diktaturen reisen, während man mit der Selbstgefälligkeit eines Ignoranten zielsicher die einzige Demokratie weit und breit mit Boykott straft?