Samstag, August 12, 2006

Was die Deutschen gut oder schlecht finden sollen, bestimmt immer noch die Waffen-SS


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Das amerikakritische Gewissen der Nation hat sich dazu bekannt, Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein. Viele sind nun empört und Fragen wütend, warum dieses Geständnis erst jetzt kommt. Aber, so berechtigt diese Frage auch ist, ihre Stoßrichtung geht doch ins Leere.

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Denn in ihr schwingt die Enttäuschung darüber mit, dass dies das Ende einer moralischen Instanz bedeute. Falsch! Es handelt sich höchstens um das Ende der Illusion einer moralischen Instanz.

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Folgende Textpassage präsentiert einige der Aussagen, die Grass Ruf als "moralische Instanz" untermauerten. Allesamt übrigens eher Altherren-, als Jugendsünden bzw. Hinweise auf ein bestimmtes Weltbild, mit dem sich Grass in der Waffen-SS sicher keine Feinde machte:

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1989 fiel die DDR in sich zusammen wie ein schlaffer Ballon: Grass aber wetterte gegen die Wiedervereinigung, weil die deutsche Teilung die Strafe für Auschwitz sei. Die meisten Überlebenden des Völkermords und ihre Nachkommen sahen das zwar ein wenig anders, aber das war Grass herzlich schnuppe: ihm ging es ohnehin nicht um das Wohlergehen von realen Juden. Das wurde zwei Jahre später deutlich, als Saddams Truppen in Kuwait einritten. Der irakische Diktator versprach sofort, er werde Israel mit chemischen Waffen „in ein Krematorium verwandeln“. Die Palästinenser demonstrierten begeistert unter Transparenten, auf denen Stand: „Bewerft die Juden mit Giftgas!“ Bald war offenkundig, dass der Löwenanteil von Saddam Husseins Giftgas ausgerechnet aus Deutschland kam. Wie reagierte Günter Grass? Er forderte das bedrohte Israel mit barschen Worten auf, es möge jetzt bitte keine Sperenzchen machen, sondern auf der Stelle die besetzten Gebiete räumen. Für diese rhetorische Glanzleistung ließ er sich von Fidel Castro bei einem Besuch auf Kuba zum „bedeutendsten deutsche Satiriker seit Heinrich Heine“ ausrufen. Wieder nach Deutschland zurückgekehrt, meinte Grass, die DDR sei doch eigentlich eine recht „kommode Diktatur“ gewesen. Anschließend reiste er in den Jemen, der von fundamentalistischen Generälen beherrscht wird, und ließ verlauten, er könne diese alte Kulturnation sehr als Urlaubsziel empfehlen.

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(aus: Enzyklopädie der Alltagsqualen von Hannes Stein)

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*Wie viel wirres Zeug dieser Pazifist so erzählt, wird daran deutlich, dass der obige Textauszug aus einem Buch stammt, das zwar erst im Frühjahr 2006 erschien, aber schon längst hoffnungslos veraltet ist. Man vermisst zum Beispiel Grass Meinung zum Karikaturenstreit.