Mittwoch, August 23, 2006

Was will die UNO im Libanon?


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Irgendwie habe ich zunehmend ein schlechteres Gefühl, was die Stationierung von UNO-Truppen im Libanon angeht. Und zwar nicht erst, seit sich heute Abend Rupert Neudeck im Fernseher für eine solche aussprach. Das Problem ist doch, dass absolutes Chaos darüber herrscht, was die Soldaten eigentlich tun sollen. Die Hisbollah entwaffnen, den Libanon wieder aufbauen, oder doch nur wieder die Angriffe auf israelische Soldaten filmen und die Kameras danach verstecken?

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Deutschland jedenfalls will sich zwar engagieren, aber nur auf dem Wasser. Dort ist die Gefahr eines Feuergefechtes mit Israelis an geringsten. Frankreich hat ganz offenbar keine Lust, den Worten Taten folgen zu lassen und sendet statt der versprochenen Truppenstärke von mehreren Tausend nur einige hundert. Und Italien verlangt eine Zusage aus Jerusalem, dass Israel sich nicht mehr selber gegen seine Feinde wehrt.

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Die eigentliche Frage aber, die den Kern des Konfliktes ausmacht, wird kaum erörtert. Wie wird es gelingen, der Hisbollah die Waffen abzunehmen, die für den Kampf gegen Israel eingesetzt werden? Vor dieser Aufgabe will sich die UNO drücken und so stellt sich die Frage, was die multinationalen Truppenverbände eigentlich im Libanon suchen? Denn, auch wenn der Nahostkonflikt ansonsten recht komplex ist, gilt das für diesen Fall nicht. Die Lösung ist ganz simpel. Die Hisbollah muss verschwinden, weil eine antisemitische und aus dem Iran gesteuerte Terrororganisation immer jede Friedensbemühung sabotieren wird. Was ist daran so schwer zu verstehen?

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Aus diesem Grund sollte auch klar sein, welche Aufträge die UNO-Truppen haben müssen. Die Aushebung der Waffenlager, die Verhaftung der Hisbollah-Führer und die Etablierung der offiziellen libanesischen Armee im Süden des Landes. Mit Israel hat all das zuerst einmal gar nichts zu tun. Es gilt, den Libanon von der Hisbollah und somit dem Iran zu befreien.

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Allerdings steht zu befürchten, dass die Vereinten Nationen sich treu bleiben und dem einzigen UNO-Mitglied, dem andere UNO-Mitglieder ungestraft die Auslöschung androhen dürfen, auch in dieser Situation keine Unterstützung zukommen lassen. Statt die Entwaffnung der Hisbollah ganz oben auf die Libanon-Agenda zu setzen, wird diese Option nicht einmal ernsthaft erwogen.

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Zwar lasse das Mandat durchaus einen "angemessenen und glaubwürdigen" Waffeneinsatz zu, doch werden die Raketenarsenale nicht angerührt. Die Truppe ist viel mehr mit dem Schutz der Bevölkerung und sich selber beschäftigt. Was aber nicht heißt, dass die Hisbollah sich zufrieden zurücklehnen kann. Nein, es gibt Ausnahmen. Wenn sich beispielsweise ein UNO-Soldat nach einer langen Nacht am Tressen stockbesoffen daran macht, zurück in die heimische Kaserne zu schwanken und sich dabei in einen Hauskeller verläuft, indem zufällig Katjuschas lagern, wird er diese selbstverständlich beschlagnahmen.

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Im nüchternen Zustand und im Normalfall dürfte es zu solch unangenehmen Funden aber nicht kommen, denn aktiv soll nicht nach Raketen gesucht werden. Sie sollen eben nur dann konfisziert werden, wenn man zufällig auf sie stößt. Was bei genauerer Betrachtung die Hisbollah dann doch in die Lage versetzt, sich zufrieden zurücklehnen zu können. Und wenn Nasrallah nicht schon aufgrund dieser Regelung jedes Misstrauen gegenüber der Truppe aufgegeben haben sollte - was wahrscheinlich ist - dürfte ihn folgendes endgültig beruhigen. Wie verhält sich die Friedenstruppe, wenn sie die Hisbollah beim Abschuss von Raketen ertappt? So:

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Die Truppe werde die libanesische Armee verständigen "und sollte keine Gewalt einsetzen, auch wenn sie eine strikte Auslegung ihres Mandats dazu bevollmächtigen würde".

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Die Botschaft ist klar, nur nicht die falschen Provozieren. Ist das alles schon ein Armutszeugnis für die Weltgemeinschaft, so verliert sie ihre Glaubwürdigkeit endgültig, wenn die Sprache auf Israel kommt. Nicht nur eine Mehrheit in Europa sieht in Israel paradoxerweise den Kriegsschuldigen, auch in der UNO stößt diese Darstellung auf Zustimmung. Darum heißt es auch in Bezug auf Israel:

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"Doch wenn Israel auf Zivilisten zielt, werden wir Gegenmaßnahmen finden müssen und die Zugangstraßen blockieren oder Beobachter stationieren, auch wenn das sehr gefährlich ist."

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Israel ist nun also die Konfliktpartei, die absichtlich auf Zivilisten zielt. Kann es vielleicht sein, dass das Misstrauen der Israelis gegenüber der UNO primär mit solchen Aussagen zusammen hängt, sowie der Tatsache, dass die Vereinten Nationen regelmäßig antiisraelische Lügen in den Rang von Wahrheiten erheben? Nicht die besten Voraussetzungen für die Stationierung von UNO-Truppen im Libanon.

1 Comments:

At 23 August, 2006 10:40, Blogger Ivo Bozic said...

nachvollziehbar, dine sorge...
dazu empfehle ich die beiden disko-beisträge in der heutigen jungle world
http://jungle-world.com/seiten/2006/34/8364.php

 

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