Donnerstag, September 28, 2006

Borat - Der Film


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Am Montagabend besuchte ich in Frankfurt eine Vorpremiere zum Film Borat. Wem zu diesem Namen nichts einfällt, der hat eine gravierende und eigentlich unentschuldbare Wissenslücke. Borat ist ein kasachischer TV-Moderator, der für sein Heimatland durch die USA reist. Sasha Baron Cohen dachte sich diesen Charakter aus. Bekannter wird Cohen den meisten unter dem Namen seiner Kunstfigur Ali G. sein.
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Borat hat mit diesem arroganten und überheblich dummen Rapper wenig gemeinsam. Er ist ein einfacher Mann, der stolz auf Kasachstan ist und von der Welt keine Ahnung hat. In Borat berichtet er nun aus den USA, er lernt Land und Leute kennen und gerät dabei in einen ebenso aberwitzigen wie unterhaltsamen "Clash of Cultures". Borat ist definitiv einer der originellsten und auch anstößigsten Filme des Jahres und sticht durch seine wunderbar politisch inkorrekte Art aus der grauen Masse normaler Komödien hervor.
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Bisweilen werden dabei ganz eindeutig Grenzen überschritten, die (mindestens in Deutschland) bisher nicht angetastet wurden. Vor allen die regelmäßigen Witze auf Kosten von Juden, die mit üblen antisemitischen Klischees arbeiten, dürften in ihrer Deutlichkeit überraschen. Wenn Borats Begleiter aus dem Grund einen Flug von New York nach Los Angeles ablehnt, weil er fürchtet, dass „Die Juden wieder so was machen wie am 11.September.“, ist das noch einer der harmloseren Scherze.

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Weil Borat ein zutiefst antisemitischer, frauenfeindlicher und Homosexuellenhassender Mann ist, kommt es permanent zu solchen Provokationen. Feministinnen brechen empört ein Gespräch mit ihm ab, ein Priester verlässt unter Protest das Zimmer, als Borat zum Abendessen eine Prostituierte einlädt und das Haus einer jüdischen Familie verlässt der Kasache überstürzt, nachdem er davon überzeugt ist, dass die Hausbesitzer in Form von Kakerlaken über den Fußboden krabbeln.
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Der Film orientiert sich sehr, sehr lose an einer sehr, sehr losen Handlung. Ankunft in New York, dann irgendwann reise nach Los Angeles, dann Rückflug nach Kasachstan und zwischendurch ständig skurrile Erlebnisse. Wobei die Szenen, in denen Borat mit „echten“ Menschen zusammentrifft, noch Mals viel besser als die einstudierten sind. Die Besuche bei einem Humorlehrer, das Gespräch mit dem Rodeochef oder die Fahrstuhlfahrt mit dem Hotelbediensteten, sie alle besitzen unglaublich viel Situationskomik.
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Sicherlich wird nicht jedem dieser Humor gefallen. Doch egal was man von diesem Film hält, eines kann man Cohen sicher nicht vorwerfen: dass er nicht konsequent ist. Seine Gags sind tatsächlich nicht von der harmlosen Sorte. Aber sie erschöpfen sie sich nicht in plumpen Provokationen, sondern sind oft so subtil angelegt, dass der Gegenüber Aussagen tätigt, die er so wohl sonst nie vor laufender Kamera ausgesprochen hätte. Außerdem funktionieren die Witze niemals auf Kosten von Schwächeren, was durchaus einen wohltuenden Kontrastpunkt zum gängigen Humorverständnis darstellt.
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Borat wartet mit vielen gelungenen Szenen auf, sodass jeder Fan der Serie sich auch hierbei amüsieren kann, während Kinogängern, die bisher nichts von diesem aufrechten Kasachen wussten, danach geneigt sein könnten, sich die Serie zu organisieren.
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Zwei ganz besondere Höhepunkte warten auf den Zuschauer.

Zum einen ein minutenlanger Kampf zwischen Borat und seinem Assistenten: In einem Hotel, nackt, unzensiert, in wechselnden Stellungen, im Zimmer, im Fahrstuhl, im besetzten Kongressraum. Nie lagen lachen und Ekelgefühl so nah beieinander.
Zum anderen die Begegnung Borats mit Pamela Anderson. Er will sie heiraten und möchte dies auf kasachische Art tun. Dafür geht er zu einer Autogrammstunde und spricht dort seine Wunsch direkt an. Als sie den Heiratsplan freundlich aber bestimmt ablehnt, greift Borat zu härteren Maßnahem. Was genau er macht, verrate ich nicht. Nur soviel: In diesem Zusammenhang kommt ein Sack zum Einsatz, Pamela Anderson stürmt hysterisch über einen Parkplatz und Borat wird am Ende in Handschellen abgeführt.
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Wer gut unterhalten werden möchte, sollte diesen Film gucken! Mit Borat ist Cohen erneut eine witzige Figur geglückt, die nun ebenso wie Ali G. auf die große Leinwand darf. Wobei der Unterschied ist, dass Ali G. unfassbar schlecht war, während Borat äußerst unterhaltsam ist und von einem Humor lebt, der selten ist. Guter Humor eben. Also reingehen und sich amüsieren.

7 Comments:

At 28 September, 2006 15:51, Anonymous fridgebuzz said...

Das wir mal über ein und denselben Film lachen, hätte ich nie gedacht...
Ps: Jetzt kommt bestimmt wieder so ne zickige Antwort, wie 'Ob du den Film mochtest oder nicht, ist mir eigentlich egal, ich fand ihn schon vor dir gut' hahahahahaha

 
At 29 September, 2006 22:27, Anonymous S1IG said...

Schon die Folgen bei HBO waren spitze. Bisher habe ich den Film kaum auf einem deutschen Kinoplan entdecken koennen - leider! Muss wohl die DVD her. Sensationell war auch der Auftritt von Borat bei MTV und sein Statement zu Sascha Cohen (Sue the Jew!).

 
At 29 September, 2006 23:02, Blogger Fuchsbau said...

@s1g

Ein Tipp!

Geh Mal hier drauf http://www.borat.de/screening/register.php und meld dich schnell für ne weitere kostenlose Vorpremiere an!

Kanns dir nur empfehlen, ich fand es wirklich sehr witzig!

Grüße,
Gideon

 
At 02 Oktober, 2006 09:56, Anonymous Anonym said...

Borat vs. Secret Service:

http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,440291,00.html

 
At 05 Oktober, 2006 20:55, Anonymous S1IG said...

@fuchsbau
Zu spät, ich habe heute erst Deinen Hinweis gesehen :-( Trotzdem Danke!

Ich werde die Kinokarte bezahlen - ist der Film in Original oder in Deutsch?

 
At 06 Oktober, 2006 00:49, Blogger Fuchsbau said...

@s1ig

Ich weiß es nicht, aber ich hoffe sehr, dass er im Original läuft. Schon weil ich mir nur schwer vorstellen kann, in welchem „Slang“ Borat eigentlich reden sollte: so ein Russendeutsch? Würd alles nicht so toll wirken. Darum an besten Original mit Untertitel. Aber ich fürchte doch, dass er Synchronisiert sein wird. Für den Fall empfehle ich dir unbedingt, ihn dir auch noch mal im Original zu besorgen!

Grüße

 
At 11 Oktober, 2006 01:27, Anonymous Anonym said...

Borat war am Dienstag zu Gast bei Stefan Raab um seinen neuen Film zu promoten. Den Auftritt gibt es hier:

Video

 

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