Freitag, September 01, 2006

Deutschland bewacht das Mittelmeer




Der sonderbare UNO-Einsatz im Libanon nimmt scheinbar Gestalt an. Die Deutschen werden außerhalb des Krisengebietes an der Küste entlang schippern und schaffen damit einmal mehr den Spagat zwischen moralischer Verantwortung und wirtschaftlicher Interessen. Denn, natürlich will man nicht die Vernichtung Israels, deswegen auch der Einsatz auf dem Mittelmeers, aber man will ebenso wenig die tollen wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran gefährden, deswegen der Einsatz auf dem Mittelmeer.
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Man kann dadurch Stellung beziehen, ohne Stellung zu beziehen. Weit abseits des wirklichen Krisengebiets minimiert sich die Gefahr, irgendwie in Kämpfe hineingezogen zu werden. Das ist Feige. Nicht nur weil man sich auf die See zurückzieht, sondern weil außer diesem Einsatz nichts Weiteres folgt. Gerade Deutschland könnte eine viel wichtigere Rolle spielen und müsste dafür noch nicht einmal einen einzigen Soldaten in Gefahr bringen. Das Problem ist ja nicht die Hisbollah, das Problem ist der Iran. Deutschland müsste Druck auf Teheran ausüben, Mathias Küntzel erinnerte in einem Aufsatz daran, was Deutschland alleine tun könnte. Man macht es aber nicht und zwar weil für Europa im wesentlich höheren Maße das gilt, was man zu gerne den Amerikanern vorwirft: das alles wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird.

Amerika hätte sich mit den arabischen Diktaturen prima arrangieren können, wenn es ihm ums Öl gehen würde. So prima, wie es vor allen Frankreich und Deutschland getan haben und deswegen auch besonders traurig waren, als ihr zuverlässiger Geschäftsfreund und Massenmörder Saddam Hussein plötzlich nicht mehr da war.
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Auch wenn es den Amerikakritikern nicht gefällt, aber was das Eintreten für Menschenrechte angeht, scheinen die USA dies durchaus ernster zu nehmen als die Europäer. Der Libanoneinsatz ist wieder ein solcher fauler Kompromiss Europas mit den Feinden der Freiheit. Direkte Konfrontationen mit der Hisbollah will man vermeiden, wäre dies doch im Prinzip eine mit dem Iran. Da warnt man lieber immer mal wieder die Israelis, nicht weiterhin UNO-Truppen zu ermorden und vermeidet eine Solidarisierung mit dem überfallenen Staat. Jerusalem zu verärgern ist nicht so gefährlich, steht dabei doch wenig auf dem Spiel - nur eine Demokratie und die eigenen moralischen Standards.