Samstag, September 02, 2006

Europa, der Iran und die Bombe


.

Unter der Überschrift: "Ende der Schonzeit für Iran. Die Europäer warnen Teheran: Kein Versteckspiel mit Atomwaffen!", schrieb Die+Zeit über den Nuklearkonflikt zwischen dem Westen und dem Iran:

.

Drei Forderungen richtet die EU an Iran. Erstens: freier Zugang für die Inspektoren zu jeder Zeit an jedem Ort. Zweitens: die Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls zum Nichtverbreitungsvertrag, das unbeschränkte Inspektionen garantiert. Drittens: Verzicht auf alle militärisch relevanten Teile des Nuklearprogramms.

.

Deutliche Worte der EU, will man meinen. Das Problem ist nur, diese Forderungen stammen aus dem Jahr 2003. Seit damals ist nichts besser, aber vieles schlechter geworden. Der iranische Präsident kündigte öffentlich die Vernichtung Israels an, leugnet den Holocaust und rechnet schon mal vor, dass eine Atombombe auf Tel Aviv Israels Ende bedeuten würde und dafür der zu erwartende Gegenschlag und die Millionen Toten in den eigenen Reihen in Kauf genommen werden könne.

.

Eigentlich reicht schon dieser Absatz aus dem ZEIT Artikel, um zu sehen, wie sich die Europäer vorführen lassen, oder lassen wollen. Der Iran hat den Inspektoren schon längst den freien Zugang „zu jeder Zeit an jedem Ort“ verboten, also die ersten beiden Forderungen ignoriert. Und dass sich der Iran wenigstens an die dritte hält, wird wohl ernstlich nicht einmal Jürgen Trittin glauben.

.

3:0 also für den Iran gegen die EU. Die Taktik Europas gegenüber dem Terrorregime ist schwer nachvollziehbar. Angenommen es würde sich um ein Fußballmatch handeln, dann würde das Team Old-Europe bei diesem Spielstand unverständlicherweise anstelle von Stürmen Abwehrspieler einwechseln, um aus der Niederlage wenigstens kein Desaster werden zu lassen. Was zur Folge hätte, dass die Mannschaft immer weiter zurück gedrängt wird. Genauso präsentiert sich die EU gerade. Unfähig die Initiative zu ergreifen, weil diese bei der Gegenseite liegt.

.

Der Iran bemühte sich immer wieder aufs Neue, jeden Kompromiss zu sabotieren. Weil ein solcher das Ende des Atombombentraums zur Folge hätte, kann das Terrorregime gar nicht anders, als "Nein!" zu sagen. Seit Monaten und Jahren versuchen europäische, amerikanische und UNO-Diplomaten verzweifelt einen ernsthaften Gesprächspartner in Teheran zu finden und obwohl Diplomatie immer vorzuziehen ist, wird sie in diesem Fall leider erfolglos bleiben. Gibt es denn ein einziges Anzeichen dafür, dass Ahmadinedschad es nicht ernst meint? Er meint was er sagt, und lässt daran keine Zweifel aufkommen. Und warum sollte er dann nicht tatsächlich eine Atombombe auf Israel werfen, sobald er in der Lage dazu ist? Hitler ließ ja auch alle Juden vergasen, als er die Macht dazu hatte. Sowohl der eine, als auch der andere kündigten diesen Massenmord zuvor an.

.

Die Frage ist doch, wie lange man eigentlich noch warten will, bis sich die Gewissheit durchsetzt, dass man dem Iran die Idee einer atomaren Bewaffnung nicht austreiben kann? Wobei ein „zulange“ katastrophale Folgen hätte.

.

Ahmadinedschad darf nicht in den Besitz von Atomwaffen kommen und wenn, was zu erwarten ist, keine diplomatische Lösung erzielt wird, muss diese Gefahr militärisch beseitigt werden. Das zu Fordern hat nichts mit Kriegstreiberei zu tun. Im Gegenteil soll durch die Verhinderung dieses Schreckensszenario der Beginn einer Epoche verhindert oder zumindest aufgeschoben werden, in der religiöse und terroristische Fanatiker in den Besitz von Massenvernichtungswaffen gelangen.

.

Die Grundhaltung, der man in Deutschland zu diesem Thema begegnet, ist eine Kapitulation vor der Realität. Parolen wie „Kein Krieg, nirgends!“ sind nichts sagende Floskeln, die immer den falschen in die Hände spielen. Nämlich denen, die den Krieg suchen und zuvor den Windschatten eines naiven Pazifismus brauchen. Oder, wie es Paul Spiegel einmal treffend und in Hinblick auf solche Einstellungen ausdrückte: „Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder.“

5 Comments:

At 03 September, 2006 16:23, Anonymous Anonym said...

Wenn ich mir so die Berichterstattung und die Stimmung in Deutschland so anschaue, dann fällt mir nur dieser blöde Schlager ein "Heile,heile Gänschen, wird bald wieder gut...." Viele Grüße an alle Gutmenschengänse, träumt weiter von alles-wird-gut-wenn...(es Israel nicht mehr gibt?). Und dann kommen die Guten aus dem Morgenland und schneiden Eure Hälse auf.

 
At 03 September, 2006 19:57, Anonymous Anonym said...

"Im Gegenteil soll durch die Verhinderung dieses Schreckensszenario der Beginn einer Epoche verhindert oder zumindest aufgeschoben werden, in der religiöse und terroristische Fanatiker in den Besitz von Massenvernichtungswaffen gelangen."

Tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber das ist leider zu spät. Es gibt längst religiöse Fanatiker, die über Atomwaffen verfügen:

http://www.whitehouse.gov/

 
At 04 September, 2006 09:33, Blogger Fuchsbau said...

Michael Moore, danke für diesen Gastbeitrag. Schicks zum Pispers, der wird’s zu schätzen wissen.

 
At 04 September, 2006 10:12, Anonymous Chajm said...

Der Iran profitiert von allen Kriegen und Konflikten der Region und braucht andererseits keinerlei Macht zu fürchten. Russland (Iran ist ja auch ein „Reseller” von Waffen aus Russland an die Hisbollah beispielsweise), China und einige andere Staaten profitieren ganz gut von den Geschäften mit Iran und auch Deutschland hat verschiedene „Verbindlichkeiten”. Mit anderen Worten: Meinst Du wirklich, irgendjemand könne tatsächlich Druck auf die Mullahkratie ausüben? Im Augenblick sieht es wohl kaum so aus...

 
At 04 September, 2006 16:54, Blogger Fuchsbau said...

@ Chajm

Darin sehe ich ja auch das größte Problem, es gibt einfach zu viele, die nicht einsehen wollen, dass es hier um wichtigeres als wirtschaftliche Interessen geht. Darum habe ich in einem andern aktuellen Text auch auf den lesenwerten Artikel von Mathias Küntzel verlinkt, der aufzeigt, was schon alleine Deutschland für Möglichkeiten hätte, auf den Iran Druck auszuüben:
http://www.matthiaskuentzel.de/contents/sind-500000-plastikschluessel-genug-langfassung

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home