Freitag, September 15, 2006

Herr Külbel nun auch Frauenhasser?



Wo soll das nur enden? Da fällt dem guten Jürgen Cain Külbel zuerst die DDR weg, worüber er noch immer nicht ganz hinweg gekommen ist und nun bedroht der kapitalistische Bösewicht USA auch die neuen Freunde aus dem arabisch-muslimischen Raum. Hisbollah, Hamas und ähnliche israelkritische Organisationen können sich seiner Unterstützung in ihrem (Herr Külbel wird’s so sehen) antiimperialistischen Kampf sicher sein.

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Der neuste Libanonkonflikt ließ ihn wieder Verlustängste durchleiden. Geht vor seinen Augen erneut eine wunderbare Welt unter? Der US-Außenposten Israel setzte sich gegen den Angriff der Hisbollah zur Wehr und Külbel ist nicht sicher, ob dieser Waffengang für die Antisemiten so gut ausging. Ihr Chef Nasrallah traut sich nicht mehr oft an die Luft und auch ansonsten haben die Juden, die Külbel nur deswegen Israelis nennt, „um nicht in die allerorten ausgelegten Fußangeln des Antisemitismus' zu tappen“, den verlängerten Arm Teherans offenbar doch recht schmerzhaft getroffen.

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Külbel ist Kommunist und obwohl er ein großer Liebhaber von Verschwörungstheorien ist - gerne auch der eigenen - kam er noch nie auf die Idee, dass er selber vielleicht nur eine Erfindung von besonders perfiden Kapitalisten, Imperialisten und Globalisierungsbefürwortern ist. Dabei liegt dieser Schluss doch nahe, eine perfektere Antiwerbung für den Kommunismus kann es nicht geben, als wenn so ein Typ stolz bekennt: „Natürlich bin ich Kommunist.“

Er weiß vieles, was außer ihm niemand weiß und das wäre grundsätzlich auch okay, wenn er sich begnügen würde, seine Paranoia für sich zu behalten, aber anstatt dies zu tun oder zu einem guten Psychologen zu gehen, schreibt er sich den Wahn von der Seele.

Osama Bin Laden ist tot, das weiß Külbel, kann aber noch nichts Genaueres dazu sagen, denn die Arbeiten am Buch sind noch nicht abgeschlossen. Aber eines steht schon jetzt fest: Die Geschichte des Osama bin Laden und des 11.Septembers werden neu geschrieben werden müssen. Es wird um Öl gehen, um viel Öl und um Imperialisten, die sich Öl unter den Nagel reißen wollen. Es reicht, ein paar Artikel dieses DDR-Karate Pioniers zu lesen, um zu wissen, was seine Welt im innersten zusammenhält, genau: Öl. Öl in allen Arten und Formen. US-Öl-Gruppen, Öl-Weltreserven, Öl-Millionäre, Öl-Konzerne, Öl-Interessen, Öl-Kriege, usw.

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Weil ihm die USA seinen Arbeitgeber wegnahmen, indem sie das Unterdrückungssystem Sowjetunion zum Einsturz brachte, wodurch Millionen Menschen plötzlich in die Lage versetzt wurden, ohne Angst über Leute wie Külbel schreiben zu dürfen, was man über sie schreiben muss, hegt er eine tiefe Abneigung gegen den großen Satan. Und er hat ja auch Recht, denn folgendes hätte man in der DDR nicht über einen verdienten Linientreuen schreiben dürfen – ein Grund mehr, dieser Drecksdiktatur keine Träne nachzuweinen:

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Ein echter Kämpfer vor dem Herrn also – allemal ein Grund für den notorischen Muslim-Markt, ihm in aller Ausführlichkeit das Wort zu erteilen. Und Külbel ließ in dem Interview nichts aus – von antisemitischen Invektiven gegen die „Regierungsclique in Jerusalem, die auf ihrem Staatsterritorium in Geheimgefängnisse verschleppte In- und Ausländer foltern lässt und suspekte Menschen gezielt und ‚vorbeugend’ eliminiert“ über die „Barbaren im Weißen Haus“, die „kriminellen Amerikaner“ also und ihre „schwachköpfigen Weltrettungsorgien“, bis hin zu krudesten Verschwörungstheorien spannte er den Bogen.

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Auch für seine - nennen wir sie mal verharmlosend eine antiisraelische - Meinung zum Libanonkonflikt hätte er „drüben“ wohl mehr Applaus bekommen. War man dort doch streng antizionistisch. Klar, den Krieg haben natürlich die Israelis begonnen und klar auch, dass sie ihn in der Tradition des deutschen Vernichtungskrieges führten und klar auch, dass Külbel mal in einem israelischen KZ von einem Shimon Mengele am Kopf operiert wurde und dabei sein Gehirn gegen einen defekten Miniatur-Ölbohrturm ausgetauscht wurde.

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Nun scheint sich der Karate kämpfende, kommunistische, antiimperialistische und antisemitis… antizionistische Herr aber noch nicht so ganz an den rauen Wind in einer pluralistischen, offenen Gesellschaft gewöhnt zu haben. Wenn man hier dummes Zeug redet und damit sogar noch in die Öffentlichkeit tritt, kann es nun mal passieren, dass nicht jeder diesen geistigen Sondermüll einfach akzeptieren will. Das Wort, mit dem man das dann Folgende bezeichnet, dürfte einem Kommunisten der alten Schule ähnlich suspekt vorkommen wie "US-Dollar", "Börsengewinne" oder "Meinungsfreiheit", man nennt es "Kritik". Widerspruch also, man kann es sich leicht merken, indem man sich folgende Eselsbrücke baut: Bei Kritik handelt es sich um das genaue Gegenteil von dem Lied Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!

Dummes Zeug wird im dekadenten und real existierenden Kapitalismus nicht zu einem Dogma, nur weil es irgendein hohes Tier oder treuer Parteisoldat von sich gegeben hat. Damit scheint nicht jeder klar zu kommen.

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LizasWelt hat sich der ebenso notwendigen wie undankbaren Aufgabe angenommen, im Zusammenhang mit deutschen Islamistenfreunden auch Külbel zu erwähnen, oder genauer: an ihm ging dabei kein Weg vorbei. Zu entschieden stellt er seine bescheidenen intellektuellen Fähigkeiten den verschiedensten antisemitischen Terrororganisation zur Verfügung und bekämpft den Feind USrael wo immer es geht. Zumeist in Artikeln und Interviews. Erstere in der junge Welt, letztere im Muslim Markt.

Komischerweise stellt er zwar täglich klar, dass alles böse dieser Welt aus Washington und Jerusalem kommt, aber wenn das mal jemand ganz nüchtern in einem Artikel feststellt, flippt er aus, als hätten es die USA gerade gewagt, Kuba beim Übergang von einer Diktatur zu einem freien Staat zu unterstützen.

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Im Verlaufe eines Tages belästigte er die Betreiberin von LisazWelt darum mit nicht weniger als drei E-Mails. Wenn das so weiter geht, kann das schon fast als Stalking betrachtet werden. Was er in diesen mitzuteilen hatte, ist ebenso interessant, wie der Ton, indem sie verfasst wurden. Forderte er anfangs nur, dass die Passagen gelöscht werden, die seine Parteinahme für die Feinde Israels darstellen, verlor er im weiteren Verlauf jedes Maß und ließ in seiner letzten Mail durchschimmern, dass er nun nicht weniger als das Löschen des kompletten Blogs LizasWelt verlange. Gut, ein Kommunist darf, nein muss noch Visionen haben, wenn er in einer kalten kapitalistischen Welt überleben will, aber irgendwann wird es dann doch etwas peinlich. Peinlich ist es auch, wenn Leute, die in etwa so lustig wie Mielke oder Honecker sind, beim Formulieren von E-Mails nicht auf Ironie und Humor verzichten wollen. In der ersten heißt es darum:

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Habe ich Sie im Frühjahr in der Levante übersehen auf einer der regelmäßigen gemeinsamen Großveranstaltungen von christlich-orthoxen, muslemischen und anderen Gläubigen, die in Friede und Eintracht leben und feiern, deren höchste Würdenträger Freunde sind?

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Köstlich, wenn Chrustschow noch wäre, er müsste vor lachen mit dem Schuh auf den Tisch schlagen. Ist aber auch ein schönes Bild: Külbel sitzt in seiner NVA-Uniform irgendwie etwas verloren zwischen den friedlichen religiösen Würdenträgern und überprüft, ob die Frau Liza noch auftauchen wird. Weil Külbel aber in etwa so witzig ist, wie ein nicht eingehaltener Fünfjahresplan, schlug der Ton natürlich schon in der nächsten Mail um. Plötzlich prangerte er eine Persönlichkeitsverletzung an. LizasWelt müsse sich verpflichten, nicht mehr darüber zu informieren, wenn er dummes Zeug redet. Ganz unbürokratisch versteht sich: (Email genügt).

In der – bis jetzt – letzten Mail ging er dann aufs Ganze. Durch ein zwischendurch erfolgtes Antwortschreiben in seiner kommunistischen Ehre gekrängt und nach Rücksprache mit dem Rechtsanwalt bot er „sozusagen auf friedlichen Wege“ an, auf eine Anzeige zu verzichten, wenn LizasWelt bis spätestens 20.00 Uhr gelöscht wird.

(Wenn man drüber nachdenkt, dürften sich wohl auch die Freunde der Hisbollah und Hamas mit einem solcherart ausgehandelten Kompromiss mit Israel anfreunden können: Freiwillige Auflösung des jüdischen Staats, sozusagen auf friedlichem Wege und nach Rücksprache mit Külbels Rechtsanwalt und zwar noch vor der nächsten Tagesschau!)

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Na ja, LizasWelt steht noch im Netz und ich habe so das Gefühl, dass das auch noch längere Zeit so bleiben wird. Heißt es dort doch in Sachen Külbel:

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Bis zur Tagesschau also? Und dann gleich das ganze Blog? Manchmal kommt man sich wirklich vor wie in der Narrenanstalt. Dann doch lieber die „zügige“ und „getrennte“ Verfolgung. Aber bitte durch die Klassenjustiz, nicht durch die Karate Kids.

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Der Fuchsbau unterstützt LizasWelt natürlich. Nicht nur, weil es schlicht und einfach ein sehr gutes Blog ist, sondern auch, weil der Gegner einer der größten Dummschreiber ist, die das Widervereinigte Deutschland zu bieten hat. Ein Mann, dessen Texte auch in der National+Zeitung stehen könnten, finden sich in ihnen doch öfters mal mehr (!!!) oder weniger subtile Anspielungen auf die jüdischen Biografien bestimmter US-Amerikanischer Strippenzieher. Von den permanenten Analogien zwischen dem Dritten Reich und Israel ganz zu schweigen etc…

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In diesem Sinne bleibt mir nur noch eines zu sagen: LizasWelt, zeig dieser öligen Altlast der DDR was Frauenpower heißt!!!

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Interessantes zum Thema: hier, hier und hier.

8 Comments:

At 15 September, 2006 10:56, Anonymous Wolfram said...

Hallo Gideon,

Super Beitrag, stellenweise mußte ich mir vor lachen die Tränen aus den Augen wischen, herrlich.

Ich vermute Herr Külbel hat beim Karatetraining einen Handkantenschlag zuviel abbekommen.

Viele Grüße
Wolfram

 
At 15 September, 2006 13:45, Blogger Haiko Hörnig said...

"Eat. Sleep. Karate"!!!
Damit ist alles dazu gesagt!

 
At 15 September, 2006 14:21, Anonymous Telegehirn said...

Hallo Gideon,

mal sehen ob Karate Kid Külbel auch bei Dir im Kommentarbereich seine Arroganz absondern wird. Bei Wolfram hat er ja schon zugeschlagen.

Sehr treffender Artikel über Jürgen Cain Külbel und er entlarvt ihn ein weiteres Mal als Phantasten und Verschwörungstheoretiker. Vielleicht weiß er auch etwas über die Roswell-Ufos? Das würde mich ja mal interessieren.

Liebe Grüße
Sascha

 
At 15 September, 2006 23:23, Anonymous S1IG said...

@Gideon
Danke!

 
At 16 September, 2006 08:36, Anonymous HerrOlliB said...

Herrlich und treffend geschrieben. Und zu den Beweggründen solcher Schwachköpfe, ob sie nun aus der rechten oder linken Nische gekrochen kommen, habe ich einen Beitrag über Konrad Weiß' Essay „Antisemitismus und Israelfeindschaft in der DDR“ geschrieben. http://nicknack.blog.de/2006/09/13/antifaschismus_die_fundamentale_lebenslu~1121841

 
At 18 September, 2006 06:01, Blogger Hisbollah said...

Mossad am Pranger

Eine kleine Auswahl, wo allein die englische Übersetzung meines Interviews kursiert. Im arabischen Raum platzt die Bombe bald. Bitte beachten Sie auch in den nächsten Tage die deutsche Presse; ein kleines Bonbon wartet auf Sie.
http://pulpnonfiction.blogspot.com/
http://signs-of-the-times.org/signs/editorials/signs20060915_TheHaririAssassinationInvestigationAreThoseWhoPulledtheTriggerPullingtheStrings.php
http://rebellenation.blogspot.com/
http://66.102.9.104/search?q=cache:MimtLTLqjSgJ:www.uruknet.org.uk/index.php%3Fp%3D-5%26hd%3D0%26size%3D1%26colonna%3Dm%26bh%3D0%26l%3De%26nn%3D1%26ff%3Dwww.uruknet.org.uk%26if%3D3+j%C3%BCrgen+cain+k%C3%BClbel+silvia+cattori&hl=de&gl=de&ct=clnk&cd=31
http://www.voltairenet.org/article143460.html
http://www.voltairenet.org/article143440.html
http://www.globalresearch.ca/
http://www.uruknet.info/?p=26718
http://www.lamoooche.com/1159,flux-rss-babnet.html
http://66.102.9.104/search?q=cache:hIOthjOTBPwJ:www.oscoop.com/%3Fwhen%3D2006-09-16%26rub%3Dregions-du-monde+j%C3%BCrgen+cain+k%C3%BClbel+silvia+cattori&hl=de&gl=de&ct=clnk&cd=17
http://feeder.ww7.be/site.php3?id_rubrique=2&id_syndic=150
http://66.102.9.104/search?q=cache:gl9kARvXUN8J:english.alarabonline.org/print.asp%3Ffname%3D2006%255C09%255C09-16%255Czopinionz%255C967.htm+j%C3%BCrgen+cain+k%C3%BClbel+silvia+cattori&hl=de&gl=de&ct=clnk&cd=19
http://www.mathaba.net/news/?x=543144
http://www.vihinfo.net/sedna/?id_syndic=31&age=31
http://66.102.9.104/search?q=cache:oEtDBCDrQcQJ:www.vihinfo.net/sedna/%3Fvar_color%3Dorange+j%C3%BCrgen+cain+k%C3%BClbel+silvia+cattori&hl=de&gl=de&ct=clnk&cd=24http://66.102.9.104/search?q=cache:iX4NbSKtlOUJ:www.newsxs.com/fr/preset/Allemagne+j%C3%BCrgen+cain+k%C3%BClbel+silvia+cattori&hl=de&gl=de&ct=clnk&cd=25
http://signs-of-the-times.org/signs/friendly/signs_20060915_friendly.html

 
At 18 September, 2006 12:15, Blogger Fuchsbau said...

Külbel schafft es immer wieder, noch eines drauf zu setzen. Jetzt nennt er sich „Hisbollah“. Weil ich keine Lust habe, auf diesen Müll einzugehen, kopiere ich die Antwort von No Blood For Sauerkraut hierein. Dort wurde dieses Massenposting schon passend kommentiert.

@ Jürgen Cain Külbel
"Eine kleine Auswahl, wo allein die englische Übersetzung meines Interviews kursiert."
Erstaunlich. Aber der Bedeutung Ihres Interviews durchaus angemessen. Wenn auch anders, als Sie vermuten.


"Im arabischen Raum platzt die Bombe bald."
Och, da platzen auch ohne Verschwörungstheorien so viele Bomben, da fällt die eine mehr auch nicht auf.

"Bitte beachten Sie auch in den nächsten Tage die deutsche Presse; ein kleines Bonbon wartet auf Sie."
Die beachte ich immer. Und auf das Bonbon freue ich mich jetzt schon, das können Sie mir glauben.

 
At 29 September, 2006 19:06, Anonymous Anonym said...

Wie sich Henryk M. Broder, "Edelfeder" des SPIEGEL, dekonspiriert und dabei indirekt den Beweis geführt hat, dass der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hinter dem Hariri-Attentat stecken könnte.
von Georges J.Marat, 26.09.2006


Das international Aufsehen erregende Interview unter dem Titel Juristischer Kolonialismus - Attentat auf Rafic Hariri: Ziehen diejenigen, die den Abzug betätigt haben, jetzt die Fäden? - ( "Colonialisme judiciaire - Attentat contre Rafic Hariri: Une enquête biaisée ?" das die italienisch-schweizerische Journalistin Silvia Cattori mit dem Autor Jürgen Cain Külbel für das französische Reseau Voltaire führte, brachte den SPIEGEL-Autor Henryk Modest Broder, schreibender "Anwalt" der modernen Politik des Staates Israel, der dessen jüngste Kriegsverbrechen im Libanon in der deutschen Medienlandschaft heilig schreiben durfte, so auf die Palme, dass er es sich offenbar nicht verkneifen konnte, eine mediale Schlacht gegen den Interviewten anzuzetteln.

Das neunzehnseitige Dokument, das vergangenen Freitag auf englisch und französisch in den elektronischen Weltäther ging, deutsche, spanische und arabische Variante folgten Tage später, wurde bereits als "historisches Dokument" ausgelegt, weil es neue Hinweise auf Beteiligung des israelischen Geheimdienstes Mossad an der Tötung des libanesischen Ex-Premiers Rafik Hariri am 14. Februar 2005, auf manipulierte Untersuchungsprozesse innerhalb der vom Berliner Oberstaatsanwalt Detlev Mehlis und dem Belgier Serge Brammertz geleiteten UN-Kommissionen und neue Erkenntnisse der Zusammenarbeit zwischen Mehlis und internationalen Geheimdiensten in Sachen Bombenanschlag auf die ehemalige Berliner Diskothek "La Belle" in Berlin-Friedenau im April 1986, bei dem zwei US-Soldaten und eine junge Türkin starben, enthält. Mehlis hatte, auch aufgrund von umstrittenen Telexbotschaften, die aus Libyen stammen sollten und an die Attentäter gerichtet waren, die Regierung Ghaddaffy als Auftraggeber des Attentats "ermittelt". Külbel liefert neue Gegenargumente.

Der Autor, der im März 2006 das Buch "Mordakte Hariri - Unterdrückte Spuren im Libanon" publiziert hatte, steht international unter Beschuss, hatte er doch auf ein Netzwerk von amerikanischen Neokonservativen, rechten Israelis, Exillibanesen aufmerksam gemacht, das nach seiner Überzeugung das Mordkomplott ausheckte und in die Tat umsetzte. Das steht im Widerspruch zu den Wünschen der US-Administration, die ihren Lieblingstäter Syrien überführt sehen möchte.

So sah sich der britische Premier Tony Blair nach dem Siegeszug der arabischen Übersetzung des Buches gezwungen, am 8. Juni 2006 auf der monatlichen Pressekonferenz in der Downing Street Number 10, Inhalte und Kernaussagen der Arbeit charmant als "Verschwörungstheorie" abzutun. Auf die Frage eines Journalisten, was er denn von den Thesen des deutschen Autors "Jorgen Kolbol" halte, der "CIA und Mossad" als Drahtzieher des Morder ansieht, was der Autor wiederum nie behauptet hatte, fragte Blair überrascht nach "CIA and Mossad?", fasste sich jedoch sogleich, um abzuschmettern: "Die üblichen Verschwörungstheorien, die jeder Diskussion nicht weniger hinzufügen als Unfug." Der Premier, der sich vehement gegen die Analyse des Autors wehrte, musste allerdings zugeben, das Buch nicht gelesen zu haben. Neokonservative in New York, das United States Committee for a Free Lebanon USCFL, die rechtsgerichtete "Exilregierung des Libanon" in Jerusalem hatten den Autor zuvor schon in konzertierter Aktion als "deutschen 'Kriminologen' Jergen Jerky Kulbell" herunter. ( Jerk heißt übersetzt Dummkopf, Narr )

Broder, für seine Unartigkeiten und Affekte bekannt, wenn es um die Ehre seiner mentalen Heimat geht, schoss allerdings den Vogel ab. Der ehemalige kommunistische Agitator betitelte ihn auf seiner Webseite sogar als "Soziopathen". Seine Blogger-Crew, selbstverständlich anonym arbeitend, ließ nach der Broderschen Vorgabe rein gar nichts aus, um Jürgen Cain Külbel privat, beruflich, familiär, sogar sexuell zu diagnostizieren. Die Elaborate, "journalistische" Schweinereien, die aus berufs-ethischen Gründen nicht zitiert werden, die Broders anonyme Wachhunde unverfroren ins Internet stellten, werden, wie man mir sagte, momentan unter strafrechtlichem Gesichtspunkt begutachtet.

Die Aufgeregtheit Broders, die Wucht der Denunziation, der gewählte Zeitpunkt, die erfolgten Angriffe auf Buch und politische Arbeit sind unzweifelhaft Indiz dafür, dass Jürgen Cain Külbel mit seinen Ermittlungen auf dem richtigen Weg ist und in ein Wespennest gestochen hat. Broder hat das eigene Feld flächendeckend zerbombt, weil er nämlich indirekt entblößte, wer Interesse daran hat, Külbels Recherchen, die ein syrisches Militärgericht am 11. Mai zum Beweismittel erhoben und der UN-Kommission, die den Hariri-Mord untersucht, zukommen ließ, gnadenlos zu bekämpfen.

Offenbar kein Zufall, dass der Name des SPIEGEL-Autors immer wieder im Zusammenhang mit dem Institut Middle East Media Research Institute (MEMRI) - in den USA weitgehend als "Mossad-Front" bezeichnet - auftaucht; zumindest bietet Broders Webseite Belege dafür. Der Gründer von MEMRI, Yigal Carmon, israelischer Geheimdienstagent, später Terrorismusberater seiner Regierung, hatte die Truppe 1998 mit Meyrav Wurmser, Anhängerin von Ze'ev Jabotinsky, Vater der Idee einer vollständigen Vertreibung der Palästinenser und Vordenker eines ethnisch rein jüdischen Staates Israel, gegründet. Wurmser ist Leiterin der Nahostabteilung des "Hudson Institute", dessen Führung auch Richard Perle angehört. Perle galt als treibende Kraft hinter der Nahostpolitik der gegenwärtigen US-Regierung. Wurmser gehört auch dem "Middle East Forum" von Daniel Pipes an, der wiederum mit Carmon befreundet ist, weil sie der Araberhass eint. Wurmsers Mann David wiederum ist Nahost-Berater von Dick Cheney. Verwirrend und inzestiös!

Doch viel brisanter: Carmon war im israelischen Militärgeheimdienst einer der führenden Offiziere der "Unit 504", auch als "Mini-Mossad" bekannt. Die Truppe war für die Anwerbung von Informanten in arabischen Staaten zuständig und nach Aussage des Kommandeurs der UN-Truppen im Südlibanon, Timur Göksel, für die Führung der "Südlibanesischen Armee" zuständig. Die angeworbenen Araber wurden "für den Guerillakampf ausgebildet, für Mord, Infiltration und die Benutzung der modernsten Methoden beim Bau von Autobomben". Die Einheit wurde im Jahre 2000 reaktiviert und steht in dem Ruf, an den jüngsten Autobombenanschlägen im Libanon beteiligt gewesen zu sein. Der libanesische Militärgeheimdienst hatte im Mai und Juni mehrere dieser "Mossad-Netzwerke" ausräuchern können.

Die jüngste Aufgabe dieses Carmon, nachweislich ein Befürworter der Folter, scheint zu sein, anhand selektiver Auswahl aus der arabischen Presse die öffentliche und veröffentlichte Meinung der arabischen Welt als antisemitisch darzustellen und ein Bedrohungsszenario für Israel zu behaupten. Zudem sollen Palästinenser und Araber als antisemitisch, fanatisch, irrational und zum Dialog unfähig dargestellt werden.

Dass Broder in diesem Club mit der kurzen Befehlskette angekommen ist, mag man fast annehmen. Ob er beauftragt wurde, die Kampagne zu starten, weil Jürgen Cain Külbel diesmal den Mossad handfester ins Visier nimmt, bleibt ebenso unbewiesen. Aber eins steht fest: Broder wäre nach der Schlappe, sich auf so dümmliche Art und Weise zu outen, wenn er denn da mitmachen würde, für den operativen Dienst nicht mehr geeignet und sollte fortan nur noch für den SPIEGEL schreiben.

Übersetzung : E.V.U

Das Interview in voller Länge:
englisch: http://www.voltairenet.org/article143460.html
französisch: http://www.voltairenet.org/article143440.html
deutsch: http://www.voltairenet.org/article143544.html
spanisch: http://www.voltairenet.org/article143556.html

 

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