Freitag, September 08, 2006

Was macht Groß-Israel so aggresiv? (junge Welt deckt auf)


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Seit Jahren verfolgen die Nazis eine ebenso simple wie effektive Methode der Feindverunsicherung, sie kopieren deren Stil. Sowohl Kleider als auch Parolen werden nachgeahmt und es kommt sogar zu ganz offenen Solidarisierungsversuchen, etwa auf Harz IV oder Antikriegsdemos. Von der Öffentlichkeit, vor allen der linken, weitestgehend unbemerkt, schlägt die Linke aber längst zurück. Die junge Welt versucht sich seit längerem daran, als U-Boot in die rechte Szene einzudringen, um diese dann von innen her zu unterwandern. Dass sie dabei auch Kompromisse mit der dortigen Rhetorik eingehen muss, ist logisch.

Die Perfektion, die die Junge Welt darin erreicht hat, ist so erschreckend, dass man sie mittlerweile echt abstoßend finden kann. Die kranke Idee, die 10-Euro für den irakischen Widerstand Kampagne zu unterstützen, ist dabei nur eine der vielen Geschmacklosigkeiten, für die sich die jW hergeben muss. Ansonsten sympathisiert man offen mit so ziemlich jeder Terrororganisation der Welt, solange sie nur antisemitische Motive nennen kann und feiert die Hisbollah als den „lebendigsten Teil der libanesischen Demokratie.“ Die jW ist in ihrer Infiltration so erfolgreich gewesen, dass man Gründe haben könnte, sie noch mehr als die National+Zeitung zu verachten. Die lügt ihre Leser wenigstens nicht an, indem sie sich links nennt, sondern vertritt offen und ehrlich eine Agenda, der sich auch die junge Welt schon manches mal angenähert hat: Hass auf Israel, Unterstützung von Nazis und Geschichtsfälschung.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Serie "Ziel Groß-Israel" (damit es keine Missverständnis gibt, ich rede jetzt wieder von jW und nicht von NZ). In ihr wird der Nahostkonflikt auf einen Satz herunter gebrochen: Die Juden sind schuld!

Begründet wird das mit der Art von Einseitigkeit, die sich nur Ideologen, Propagandisten oder Antisemiten erlauben können. Kein Wort des Zweifels darf die Reinheit des arabischen-palästinensischen Opfers entweihen, kein Wort die Bösartigkeit des jüdisch-zionistischen Täters verharmlosen. Dieser Vorgabe folgend macht sich Jürgen Aust daran, die Geschichte mit einer solchen Kompromisslosigkeit umzuschreiben, dass er sich damit einen Platz in der ersten Reihe der brillantesten Revisionisten verdient hat. Was hätte aus dem noch alles werden können, wenn es noch Arbeitgeber wie die DDR gäbe, wo man solche Talente immer gebrauchen konnte? Armer Mann.

Hier nun einige kurze Auszüge aus der zweiteiligen jW-Serie "Die Juden sind unser Unglück" äh nee, "Ziel Groß-Israel":

Mit dem in den letzten Wochen geführten Libanon-Krieg und der erneuten militärischen Offensive im Gazastreifen geht es Israel nicht um die Sicherung seiner Grenzen, sondern um die seit Jahrzehnten verfolgte Realisierung der zionistischen Vision eines Groß-Israel.

Zur Erinnerung: Wir schreiben das Jahr 2006, also das Jahr eins nach der Evakuierung aller jüdischen Siedler aus dem Gaza-Streifen.

Die Kolonisierungspläne waren untrennbar mit der Besiedlung Palästinas verbunden […].

Die Gründung Israels mit Kolonialismus in Verbindung zu setzen, ist so dumm wie lächerlich. Kolonisten werden von einem Auftraggeber (einem Mutterland) gesandt und wer soll das in diesem Fall gewesen sein? Der Zar, der die Flucht aus Russland erst nötig machte? Es hätte schon eines Staatsmannes mit dem Intellekt eines Jürgen Aust bedurft, um ausgerechnet in einem wüsten Land ohne Bodenschätze eine Kolonie gründen zu wollen. Übrigens, wenn die junge Welt tatsächlich mal einen durch Kolonialismus entstandenen Staat anprangern möchte, so hätte sie in direkter Nachbarschaft Israels reichlich treffende Beispiele dafür. Wie wär’s etwa mit Jordanien. Ein Musterbeispiel eines imperialistisch-kolonialistischen Willkürakts, dazu noch rassistisch, weil alle Juden offiziell aus diesem Staat ausgeschlossen wurden. Wie oft aber hat die jW denn über die illegale Gründung Jordanien berichtet, einem Staat, indem eine Minderheit (die Haschemiten) die palästinische Mehrheit unterdrückt?

Die zionistische Führung in Palästina hatte also nahezu keine politischen Initiativen zur Rettung der in Europa verfolgten Juden unternommen.

Was vor allen an der Diskrepanz zwischen dem Glauben an eine jüdische Weltherrschaft einerseits und der Realität andererseits liegt. Von daher ist diese Zurückhaltung der Zionisten nur für Leute wie Aust verwunderlich, wissen sie doch, zu was die Juden alles fähig sind, wenn es nur um etwas geht, was sie interessiert: Gold, Macht, Palästina.

Der Mythos vom freiwilligen Exodus der Araber diente jedoch bisher jeder israelischen Regierung als probates Argument für die Weigerung, auch nur eine Teilverantwortung für das Flüchtlingsproblem zu übernehmen.

Aust bleibt sich treu und lügt auch in diesem Punkt. Ehud Barak bot 30 Milliarden Dollar Entschädigung für die Flüchtlinge an.

Obwohl im Prinzip jeder Satz aus "Ziel Groß-Israel" gelebte Realitätsverweigerung darstellt und kommentiert werden müsste, werde ich dies nicht machen, weil ich meine Zeit nicht länger mit diesem kranken Artikel aus einer widerlichen Zeitung vergeuden will. Dieser Text ist nichts weiter als Propaganda, es fehlt jegliche Erwähnung der jüdischen Flüchtlinge aus den arabischen Staaten, die Erwähnung jüdischer Opfer arabischen Terrors, die Erwähnung, dass immer Juden in Palästina lebten, die Erwähnung jüdischer Bemühungen um einen gerechten Frieden und vor allen fehlt ein Verfasser, der nicht längst jenseits von gut und böse existiert.

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Weil der Text nun mal ist wie er ist und der Traum von einem Groß-Israel vor allen in den Köpfen von Antisemitien weiterlebt, interessiert mich folgender Hinweis auch nicht:

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Teil 2 und Schluß in der morgigen Ausgabe

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Ich werde ihn (so wie die junge Welt an sich) nicht lesen, weil ich finde, dass mich die National-Zeitung in dieser Hinsicht doch noch eine Idee besser informiert.

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Einen interessante Texte zur jW gibt es hier.

Außerdem ist in diesem Zusammenhang ein Verweiß auf Der ewige Antisemit nicht ganz unpassend. Geht es in diesem Buch doch auch um den linken Antisemitismus.