Mittwoch, Oktober 18, 2006

Antisemitismus wie er im Buche steht

Wenn die Differenz zwischen der Betroffenheit, die zu bestimmten Gedenktagentagen wie dem 9.November zur Schau gestellt wird und der tatsächlichen Verfolgung derer, die dafür Arbeiten, dass solche dunklen Zeiten zurückkehren, zu groß wird, verkommen solche Rituale zur Farce.

Beispiele gibt es genug, die Bezeugen, dass zwar die Nazis der Vergangenheit gnadenlos verfolgt werden, aber mit den lebendigen und ihren Geistesverwandten, für die der Antisemititsmus ein ausreichendes und mörderisches Weltbild darstellt, nicht ebenso konsequent umgegangen wird.

Auf der Buchmesse in Frankfurt kann dies jedes Jahr aufs neue beobachtet werden. Da stellen arabische und türkische Verlage antisemitische Bücher in die Regale, in denen Behauptungen aufgestellt werden, deren Dummheit nur noch durch ihre Gefährlichkeit überboten wird:

Ein Titel - "Israel in Chiffren" -spricht von einem Buchstabencode in der Thora, der enthülle, dass die Juden den Dritten Weltkrieg planten, und die Türkei zerstören wollten. Das Buch "Die große Israel-Strategie" wartet mit weiteren solcher Verschwörungstheorien auf. Und ein anderer Titel erklärt, das die Juden angeblich die Sofya-Moschee unterwandern.(kultuZEIT: Eklat nach der Buchmesse)

Das Simon-Wiesenthal Center machte die Polizei auf diese Werke aufmerksam, doch obwohl Beamte sich an den Ständen umsahen und die Bücher begutachteten, durften sie weiter ausgestellt werden. Die Begründung: Keine Hinweise auf Antisemitismus!

In diesem Zusammenhang sollte mal eine Frage gestellt werden. Wann ist eigentlich von einem Verlag aus einem arabischen Land das letzte Mal ein Buch über Juden herausgegeben worde, dass NICHT durch und durch antisemitisch ist? Ohne sich mit dem dortigen Büchermarkt auskennen zu müssen, kann davon ausgegangen werden, dass dies schon sehr lange her sein muss. Leo Trepps "Die Juden" würden auf den Bestsellerlisten tatsächlich etwas deplaziert wirken, so einkeklemmt zwischen "Mein Kampf" und "Die Protokolle der Weisen von Zion."

Von daher kann mit ziemlich großer Sicherheit davon ausgegangen werden, dass ein Buch, auf dem die Freiheitsstatue eine Menora in Händen hält und das von einem arabischen Verlag vertrieben wird, ein Machwerk übelsten Judenhasses darstellt. Da braucht es bei der Polizei wirklich keinen besonders klugen Kopf für, um diesen Rückschluss zu ziehen und ein Motiv hätten die Herren Verleger bzw. ihre Staatsoberhäupter/Arbeitsgeber auch: Den Wunsch Israel zu vernichten. Eigentlich ganz einfach.

Aber auf der Buchmesse stellt man sich trotzdem Jahr für Jahr dumm, verhindert solche Reklame für Antisemititsmus nicht und gibt sich Jahr für Jahr überrascht, wenn Jahr für Jahr irgendwann der Moment naht, indem sie Journalisten oder Besuchern auf diese "Werke" hinweisen. Aber Konsequenzen müssen die Anbieter solcher Literatur nicht fürchten, denn die Konsequenz die behält man sich in Deutschland für tote Nazis vor. Und die können sich schon wieder drauf gefasst machen, am 9.November aber so richtig in die Schranken verwiesen zu werden!

1 Comments:

At 19 Oktober, 2006 00:27, Anonymous Hamster said...

M.E. ist es nicht die deutsche Polizei, die es zu kritisieren gilt (Antisemitismus ist zum Glück kein Straftatbestand), sondern die Messe-Betreiber, die aus einem falsch verstandenen Toleranzverständnis Hassschriften und literarischen Dreck der übelsten Sorte bewerben lassen.

 

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