Mittwoch, Oktober 25, 2006

Hans Blix und die Bombe

Wenn irgendwann der Iran jene ehren wird, denen die Mullahs die Atombombe verdanken, wird einer ganz oben auf der Liste stehen: Hans Blix. In ihm vereinigen sich all die Tugenden, die es Ahmadinedschad schwer machen werden, nicht bald verkünden zu können, dass er die Bombe besitzt: Feigheit, Kurzsichtigkeit und Antiamerikanismus.
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In einem Interview mit dem Tagesspiegel präsentierte er nun seine Sicht auf die Welt und die hat es in sich. Schuldzuweisungen werden prinzipiell nicht gegen die UNO, die EU oder gar den Iran ausgesprochen, es sind immer nur die USA, die sich falsch verhalten. Seine Rückschlüsse sind katastrophal.
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Auf die Frage, ob Frankreich, Großbritannien und Deutschland wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren sollten (zum wievielten Male eigentlich?), wollte er aus dem Grund nicht antworten, weil er sich nicht anmaßen wolle, Ratschläge zu geben. Was ihn aber nicht davon abhält, direkt danach zu erklären, warum so viele Länder die Atomwaffe attraktiv finden: „Die meisten Staaten, die mit Atomwaffen liebäugeln, machen dies wegen ihrer speziellen Wahrnehmung ihrer eigenen Sicherheitsinteressen. […] Wenn unser Interesse also darin besteht, den Iran nicht zur Uran-Anreicherung zu ermutigen, dann müssen wir auch an das Sicherheitsinteresse denken, das Teheran haben könnte.“
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Chamberlai… äh Blix bringt dabei ein beachtliches Maß an Verständnis für die religiösen Fanatiker auf, zu deren Sicherheitsinteressen ganz primär die Vernichtung Israels gehört. Und einen Vorschlag, was unter einer Bedrohung für den Iran zu verstehen ist, hat er auch. Unter anderen US-Soldaten oder genauer: sehr viele US-Soldaten. Diese sind im Irak, in Afghanistan und Pakistan stationiert. Blix stellt in Anbetracht dessen eine Forderung, die so dreist formuliert ist, dass sie sogar Ahmadinedschad imponieren dürfte. „Eine Sicherheitsgarantie müsste die Zusicherung beinhalten, dass es keinen Angriff von außen auf den Iran gibt – und an besten auch eine Zusage, dass ein Regimewechsel im Inneren ebenfalls nicht angestrebt wird.“
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Ob Blix sich auch ganz offiziell für die Abschaffung der Menschenrechte einsetzt, ließ er in diesem Zusammenhang offen, aber möglich wäre es allemal. Einem Staat, der seine Bevölkerung terrorisiert die Zusage zu geben, dass man damit kein Problem hat, ist schlicht Menschenverachtend und steht in einem interessanten Kontrast zu der Empörung, die losbricht, wenn ein verhinderter Massenmörder der Al-Quaida unbelegt behauptet, Opfer von Folter geworden zu sein.
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Der Iran ist nicht das Land, das Sicherheitsgarantien braucht, es sind seine Nachbarn und Israel, die sich durch die Aufrüstung bedroht fühlen müssen. Es ist doch absurd: Iran ruft zur Vernichtung Israels auf, rechnet durch, dass schon eine einzige Bombe den jüdischen Staat vernichten würde und dafür sogar ein eigener millionenfacher Blutzoll gezahlt werden könne und Blix kommt bei all dem nur auf die Idee, schleunigst Sicherheitsgarantien für den Iran zu verlangen.
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UNO-Sanktionen lehnt er auch ab. Er findet, dass man zwar mit Zuckerbrot und Peitsche arbeiten könne, aber wenn nur die Peitsche genutzt wird, würde dies „die betroffenen Länder in ihren atomaren Ambitionen bestätigen.“ Hat Blix die ganzen Zuckerbrote vergessen, die dem Iran noch vor wenigen Wochen angeboten wurden? Es scheint so, ansonsten müsste man meinen, dass er wissentlich lügt. Denn eines kann den (EU-) Verhandlungspartnern wirklich nicht vorgeworfen werden: der Einsatz der Peitsche.
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Obwohl Blix sich zu Beginn des Interviews noch verweigerte, als er seine Meinung zu einer möglichen Rückkehr an den Verhandlungstisch sagen sollte, hat er aber sehr wohl eine, wenn es darum geht, ob es richtig ist, „am Verzicht auf die Anreicherung von Uran als Vorbedingung für Gespräche mit dem Iran festzuhalten?“ Diese Bedingung findet er sonderbar und macht sich für die iranische Regierung stark: „Welcher Pokerspieler spielt schon die Trumpfkarte aus, bevor die Partie überhaupt begonnen hat?“
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Zum Ende gelingt ihm dann noch eine der berüchtigten „Ja - ABER“ Antworten. Er teile das Ziel, dass Nordkoera seinen Status als Nuklearstaat wieder aufgeben solle, glaube aber nicht, “dass die UN-Sanktionen sehr bedeutsam sind.“ Einen Gegenvorschlag bringt er nicht vor, dafür zieht der alte Pokerspieler dann im letzten Satz das, was der Iran auf sein Anraten hin zurückhält: seine Trumpfkarte. Denn was gibt es zu den UN-Sanktionen noch zu sagen, genau: „Ich werde den Verdacht nicht los, dass es in den USA vor der Kongresswahl im November aus innenpolitischer Sicht notwendig ist, hart gegenüber Pjöngjnag aufzutreten.“ Es sind also die US-Kongresswahlen und nicht die Atomtests, die das eigentlich gefährliche sind. Sehr gut erkannt!

4 Comments:

At 26 Oktober, 2006 13:08, Blogger Haiko Hörnig said...

"Hans Brix my Boss here, Hans Brix my Boss": http://www.youtube.com/watch?v=wQXRPHFp6gk

 
At 26 Oktober, 2006 17:49, Anonymous anonymus4 said...

Anonymus fragt Euch:
Was wundert Ihr Euch? Dieser nämliche Hans Blix hat doch schon 1986 nach seinem Rundflug über den explodierten Tschernobyl-Reaktor fast nichts anderes als Eia-Popeia gesagt!

 
At 27 Oktober, 2006 09:47, Anonymous Hamster said...

"Einem Staat, der seine Bevölkerung terrorisiert die Zusage zu geben, dass man damit kein Problem hat, ist schlicht Menschenverachtend ..."

Stimmt das eigentlich? Ist die grosse Mehrheit nicht einfach nur zufrieden mit ihren Mullahs und dem Herrn A.?

Und die Bombe wollen sie doch auch alle.

 
At 27 Oktober, 2006 15:27, Anonymous Anonym said...

Ja das habe ich auch gehört, dass auch A.-Gegener die Bombe wollen.

 

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