Donnerstag, November 16, 2006

Mahnwache vor der russischen Botschaft


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Ich bin heute Abend Unter den Linden gewesen und dort fand gerade gegenüber der russischen Botschaft eine Mahnwache von Amnesty International statt, die auf die (freundlich ausgedrückt) schleppende Aufklärung des Mordfalls Anna Politkowskaja aufmerksam machen sollte und mehr Schutz für Gegner des, gleich nach Schröder, tadellosesten Demokraten der Welt forderte. Soweit so lobenswert, ein fader Beigeschmack blieb aber doch zurück, wenn man bedenkt, wie wenige Personen diesem Aufruf gefolgt waren. Es dürften keine fünfzig gewesen sein.

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Ich kenne Staaten, gegen die man wesentlich mehr Leute für wesentlich weniger schreckliches auf die Straße bekommen würde.

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Außerdem geriet ich auf dem Heimweg mit dem armenischen Präsidenten aneinander (platonisch), denn weil er schon um 17.00 Uhr (!) in sein Hotel zurück wollte, sperrte die Polizei minutenlang alle Straße von und zum Brandenburger Tor. Man fragt sich ja schon, was dieses Staatsoberhaupt für eine Arbeitsmoral hat und ob es jetzt Playstation spielend in seiner Luxussuite liegt?

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(die armenische Fußballnationalmannschaft)

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Ach ja und dann gibt es ja auch noch den Brief der 25 "Israelfreunde". LizasWelt hat dieses Schriftstück postmodernen Antisemitismus schon passend kommentiert und ich stelle mir nur die Frage, ob diesen Leuten, die zweifellos mit zu dem dümmsten gehören, was so auf unseren Unis ein und aus geht, sich für gar nichts schämen. Denn für ein solch abstoßendes Weltbild dann auch noch (tote) jüdische Kronzeugen zu nennen, ist nur noch geschmacklos. So schreiben die, die für die Antisemitenliga zu spät geboren wurden:

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Vielleicht hilft es sich vorzustellen, wie in der gegenwärtigen Situation wohl die vielen Intellektuellen, Schriftsteller, Künstler und Musiker jüdischer Herkunft von Adorno über Einstein, Freud und Marx bis zu Zweig reagiert hätten, auf die wir so stolz sind und ohne die die deutsche Kultur und der deutsche Beitrag zur Wissenschaft um so vieles ärmer wären. Wir sind überzeugt, dass sie den folgenden Satz unterschreiben würden: Nur Gleichheit und Respekt vor Recht und Völkerrecht können ein friedliches Zusammenleben gewährleisten und sind die einzigen Garanten für eine dauerhafte Existenz des Staates Israel und des zukünftigen Staates Palästina in Sicherheit - und für die Sicherheit von Juden und Jüdinnen bei uns und in aller Welt.

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Wenn sie sich da nicht mal irren. Vielleicht würden diese Juden, auf die wir so stolz sind, auch folgenden Satz unterschreiben: „Eine schreckliche Folge der Nazizeit ist auch, dass durch die Vertreibung oder Ermordung aller jüdischen und regimekritischen Professoren und Wissenschaftler es möglich wurde, dass heute Menschen Universitätsprofessoren werden können, die unter anderen Bedingungen schon Probleme gehabt hätten, in den Schuldienst übernommen zu werden.“

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