Dienstag, Dezember 05, 2006

Der SPIEGEL über Bolton, Rumsfeld und den Irak


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Der SPIEGEL hat’s immer noch drauf und nach den US-Wahlen mehr denn je! Wenn es um Antiamerikanismus außerhalb der radikalen Ränder der Gesellschaft geht, macht den Hamburgern so schnell niemand was vor.

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Und natürlich kann man zufrieden darüber sein, dass mal wieder über handfeste Krisen berichtet werden kann und man sich darum nicht mit Träumereien begnügen muss, die sich immer darum drehen, dass die Chinesen doch hoffentlich bald den Amis den Rang ablaufen.

Gestern gab es auf SPON einen Artikel, der sich zu je gleichen Teilen aus Schadenfreude und billiger Polemik zusammensetzte, wie schon aus der eher BILD-verdächtigen Überschrift Bye Bye Betonköpfe ersichtlich wird.

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John Boltons Abschied von der UNO wird bejubelt und dessen Arbeit dort als Treppenwitz bezeichnet. Nun gibt es sicherlich andere Entscheidungen innerhalb der UNO, die sich viele eher als Treppenwitz eignen würden, etwa manches Mitglied des Menscherechtsausschuss oder das Verhalten der UNO gegenüber Israel, aber weil der gemeine SPIEGEL-Redakteur weiß, dass der gemeine SPIEGEL-Leser in der UNO so etwas wie das gute Gegenstück zu den bösen USA sieht, können nur diejenigen kritisiert werden, die offen die Kompetenzen der UNO in Frage stellt. Bolton machte dies und die Regierung des Sudans oder Libyens machen das nicht, darum ist das eine ein Treppenwitz und das andere vernünftige Politik.

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Danach rechnet der Artikel mit Paul Wolfowitz ab. Dieser sei ein Schulbuchbeispiel von gleichzeitiger Klugheit und Dummheit. Was Bolton, Rumsfeld und er darüber denken, was sie im Nahenosten angerichtet haben, wüsste der SPIEGEL gerne und noch lieber hätte es das Magazin wohl, wenn die drei ihre Fehler gleich reumütig in Gastartikeln einräumen würden, dabei versprechen, zukünftig auf den SPIEGEL zu hören, wenn es um Politik geht und ansonsten aufrecht bedauern, Saddam gestürzt zu haben.

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Es ist dieser wunderbar antiamerikanische Tunnelblick auf die Ereignisse im Irak, der mit dazu führt, dass die Komplexität des dortigen Konflikts der deutschen Öffentlichkeit nicht klar ist. Nicht nur, weil es konsensfähig ist, den Amerikanern aus Prinzip die Schuld zu geben, sondern auch, weil niemand diesen Konsens durch Hinweise auf ausländische islamistische Terroristen oder die destabilisierende Rolle z.B. des Irans erschüttern will. Ähnlich wie im Israel-Palästina Konflikt verrät die Presse auch hierbei zugunsten einer vom Publikum gewollten Darstellung die eigentlichen Grundsätze ausgewogener Berichterstattung. Und der SPIEGEL ist natürlich ganz vorne mit dabei.

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Es geht nicht darum, die Irakpolitik nicht zu kritisieren, wo es kritikwürdiges gibt, aber was Magazine wie der SPIEGEL machen, ist eben keine seriöse Kritik, sondern das Betreiben einer antiamerikanische Agenda, die die Realität immer mit den eigenen Wunschvorstellung vergleicht und begeistert ist, wenn diese sich scheinbar annähern.

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2 Comments:

At 05 Dezember, 2006 20:23, Blogger Haiko Hörnig said...

Schöner Satz ist auch:
"Die Neocons und Irak, das ist der Stoff, aus dem Antiamerikanismus entstanden ist, als könne es gar nicht anders sein."
Antiamerikanismus als folgerichtige und notgedrungene Antwort auf den Irakkrieg, also irgendwie gerechtifertigter Antiamerikanismus...

 
At 06 Dezember, 2006 08:11, Anonymous Hamster said...

Es gibt beim SPIEGEL einen gewissen Herrn Mascolo, der dem Antiamerikanismus frönend regelmässig aus New York "berichtet". Sehr unangenehmer Autor.

 

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