Freitag, Dezember 15, 2006

Jüdische Freunde und Antisemitismus

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Wie hätte Hitler sich wohl in Nürnberg gegen den Antisemitismusverdacht gewehrt? Vielleicht so: „Ich habe jüdische Freunde, verehre jüdische Künstler, wie soll ich da Antisemit sein!?!“

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Im Zusammengang mit dem Malte-Artikel ist von einigen wieder einmal das schäbigste und primitivste Argument vorgebracht worden, warum man nicht antisemitisch sein könne. Weil man nämlich jüdische Freunde habe. Wie es der Zufall so will, habe ich gestern das Buch Als Hitler die Atombombe baute zu lesen begonnen und dabei lustigerweise folgende Passage entdeckt, die vielleicht auch dem Letzten klar machen sollte, dass Antisemitismus nichts mit dem Verhalten von Juden zu tun hat. Einige Auszüge aus dem Buch.

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Hitler nämlich hatte gemerkt, dass Hanisch ihn übervorteilte, und sich dem jüdischen Freund Josef Neumann zugewandt. (S.108)

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Ein anderer jüdischer Freund, Siegfried Löffner, zeigte Hanisch sogar bei der Polizei an wegen der an Hitler begangenen Betrügereien.

(S.109)

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Ihr jüdischer Hausarzt [der von Hitlers Mutter] Eduard Bloch hatte Brustkrebs diagnostiziert, der auch durch eine Operation nicht mehr einzudämmen war.

(S. 109)

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Natürlich las Hitler in Wien antisemitische Hetze, hörte antisemitische Parolen und kannte neben Hanisch sicher noch viele Antisemiten. Es überwog aber die jüdischen Bekanntschaften.

(S.109)

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Hitler verkehrte auch in jüdischen Familien, deren Kultiviertheit er bewunderte.

(S.110)

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Und er ließ sich nicht von Verleumdungen in seiner Vorliebe für den jüdischen Direktor der Hofoper beirren, den Komponisten Gustav Mahler, den er als Wagner-Interpreten verehrte.

(S. 110)

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(*) immer noch eines der besten Bücher zum Antisemitismus in der Linken. Als Broder dieses Buch vor zwanzig Jahren schrieb, reagierten viele empört. Dass es noch immer "Linke" gibt, die sich zwar antisemitisch betätigen, aber darauf nicht hingewiesen werden wollen, kann man ja gerade auch sehr schön auf diesem Blog verfolgen.

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