Freitag, Dezember 01, 2006

Kinder Not Hilfe


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Im Moment können überall in Berlin und Potsdam Plakate bestaunt werden, die mit so geheimnisvollen Informationen wie: Moment bitte, Sie haben sich mit Schulbüchern eingecremt oder Entschuldigung, Sie haben da einen Brunnen am Ohr hängen oder Verzeihung, Ihr Sparschwein hat gerade eine Krankenschwester veschluckt aufwarten.

Dabei handelt es sich um eine Kampagne der Kinder Not Hilfe. Die Aussage ist klar: Wenn du schon den Luxus nicht aus deinem Leben verbannen willst, so schäme dich wenigstens dafür. Habe ein schlechtes Gewissen, solltest du dir mal was gönnen, was nicht unmittelbar Lebensnotwendig ist und denke beim Sparen bitte daran, dass jeder Euro, den du in deiner hedonistischen Habsucht zurück legst, für ein kleines Kind im Kongo das Todesurteil bedeutet. .

Was die Kinder Not Hilfe dazu bringt, auf diese Weise Druck auf potentielle Spender auszuüben, erschließt sich mir nicht. Außerdem greift diese Kampagne an der falsche Stelle an. Denn, schlimm ist doch nicht, dass ich als Europäer Luxusartikel erstehen kann, schlimm ist, dass dies eben nicht jeder kann.

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Mir von einer Hilfsorganisation aber vorwerfen lassen zu müssen, dass ich verantwortungslos handle, nur weil ich mich nicht dafür schäme zu konsumieren, sehe ich nicht so recht ein. Ich bin darum ernsthaft am überlegen, ob ich nach fünf Jahren meinen Dauerauftrag für die Kinder Not Hilfe beende und mich nach anderen Organisationen umsehe, die es nicht als Sünde betrachten, dass man in Deutschland zum Glück einen Lebensstandard hat, der es einem erlaubt, abends ins Kino zu gehen, anstatt hungernd in einer Hütte zu liegen.

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4 Comments:

At 02 Dezember, 2006 16:11, Anonymous Hamstar said...

Mein persönlicher Eindruck ist, dass NGOs grundsätzlich mit anderen Massstäben gemessen werden müssen als bspw. Firmen oder staatliche Institutionen.

Eine NGO wie im genannten Fall befriedigt eher den Spendenwillen der Bevölkerung und darf auch als Konsumprodukt verstanden werden.

Die Hilfsleistungen vieler NGOs haben zwar punktuell (bspw. bei Hunger- und anderen Naturkatastrophen) geholfen, aber mittel- bis langfristig angelegte "Projekte" haben meist nur eine korrupte Infrastruktur in der Empföngerregion unterstützt und dem Land eher geschadet.

Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit dem langfristigen Erfolg von NGO-"Projekten" beschäftigen und deren Fazit oft für die NGOs fatal ausfällt.

 
At 04 Dezember, 2006 09:37, Anonymous Cornelius said...

"Denn, schlimm ist doch nicht, dass ich als Europäer Luxusartikel erstehen kann, schlimm ist, dass dies eben nicht jeder kann."
Na ja, "schlimm" ist auch unser billiger, billiger, geiz ist geil und ich bin doch nicht blöd und geh zu aldi, weil dadurch der luxus halt doch den menschen die ihn produzieren schadet und nicht nur nicht erreichbar ist...

Ansonsten hast du natürlich recht...

Tschö, Cornelius

 
At 05 Dezember, 2006 12:12, Anonymous Anonym said...

NGOs neigen nur allzu gerne dazu, ihre eigenen, meist eng gesteckten Ziele zum höchsten Gut zu erklären. Was dann hinten rauskommt, hat selten mit gesundem Menschenverstand zu tun.

 
At 05 Dezember, 2006 15:46, Anonymous Boche said...

Solch eine penetrante Werbebotschaft müsste ein Juwelier eigentlich mit edelsteinbesetzten Ohrringen in Brunnenform beantworten.

 

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