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"Ich weiß, auch mein Kanzler hat gesagt, wir sollen nicht in einen oberflächlichen Antiamerikanismus abgleiten, aber meiner ist gar nicht oberflächlich.""Ich hab auch nichts gegen Amerika, verstehen sie mich nicht falsch. Es ist ein wunderschönes Land, wenn sie die Gelegenheit haben, fliegen sie mal dorthin, es ist ein traumhaft schönes Land, ein Riesenland, das Problem sind die Menschen die da leben."
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"Als in Ruanda 1,5 Millionen Menschen starben, weil die UNO-Blauhelmtruppen sich auf Befehl der Amerikaner zurückgezogen haben, weil da ging’s nicht um Öl oder irgendwas anderes was die Amis interessiert, es ging nur um Menschenleben und das interessiert die Amerikaner nun wirklich nicht […]."
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Diese drei Textstellen stammen aus dem Programm „Bis neulich…“ von Volker Pispers. Ebenso wie Gerhard Schröder hat auch er erkannt, wie karriereförderlich beziehungsweise arbeitsplatzsichernd es sein kann, sich betont “Amerikakritisch“ zu präsentieren. Dem einen brachte dieser Schachzug drei weitere Kanzlerjahre ein, dem anderen alle relevanten Preise, die man in Deutschland als Kabarettist gewinnen kann. Pispers ist sehr gefragt, seine Tourneen sind ausverkauft und er tritt regelmäßig im Fernsehen auf.
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Um zu begreifen, wie verkommen das Kabarett-Milieu ist und wie unfähig, sich von jahrzehntelang gepflegten Feindbildern zu lösen, ist ein genauerer Blick in das bisher erfolgreichste Pispers Programm „Bis neulich…“ lohnenswert.
Es versteht sich fast von selbst, dass Pispers erst durch den Irakkrieg größere Bekanntheit erlangte. Wenn nämlich dem Friedensfreund die Michael Moore Bücher ausgegangen sind (es gab mal Zeiten, in denen man sich in „linken“ Kreisen an Marx versuchte), muss er sich nach anderen Informationsquellen umsehen. Und da bietet sich Pispers natürlich an, setzt er doch gewissenhaft fort, was die Personifizierung des white trash so über den Atlantik schickt. Und das tollste dabei: Pispers ist längst nicht mehr auf den Import angewiesen, er produziert selber und zwar in Lizenz und massenhaft. Vielleicht sogar besser als das Vorbild, Made in Germany eben.
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Wie sieht also der Lauf der Weltgeschichte für einen aus, der um den antiamerikanischen Publikumsgeschmack weiß und weder gegen diesen ankämpfen will noch muss? In erster Linie sehr simpel. Nicht grundlos teilt Pispers mit den Islamisten nicht nur die Verachtung für die USA, sonder konkurriert mit ihnen auch darum, wer komplexe Zusammenhänge an radikalsten auf ein einziges Vorurteil herunter brechen kann.
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Gut möglich, dass er dabei die Nase vorn haben wird. Ihm gelingt es tatsächlich, für alle Krisen der Welt die USA mehr oder weniger direkt verantwortlich zu machen. Kleinigkeiten wie der Kalte Krieg oder der Zusammenbruch der Sowjetunion können ihn dabei nicht irritieren. Wer schon immer fand, dass die islamische Revolution im Iran und der Irakkrieg doch eigentlich mithilfe weniger Worte erklärbar sein müssten, wird nun erhört. Vorhang auf für Herr Pispers antiamerikanischen Geschichtsunterricht:
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Man hat zum Beispiel in Persien, heute ist das der Iran, hat man einen sympathischen talentierten jungen Diktator, den Schah von Persien, hat man solange aufgerüstet, bis der Schah von Persien über die viertgrößter Armee der Welt verfügte. Als Dank dafür und um die Armee finanzieren zu können, hat der Schah von Persien in guter alter amerikanischer Menschenrechtstradition seine eigene Bevölkerung dermaßen unterdrückt, geknechtet und ausgebeutet, dass die verzweifelten Perser sich eines Tages hinter einen religiösen Führer gescharrt haben um diesen Verbrecher loszuwerden.
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Wer kann das für uns [Anm.die Amerikaner] machen, die machen das eigentlich ungern selber. Da haben die wieder einen sympathischen jungen Mann gefunden, der wohnte da um die Ecke, Saddam Hussein hieß der. Ein talentierter junger Diktator zu der Zeit. Die Amerikaner haben gesagt, pass mal auf Hussein, wir rüsten dich auf, dann marschierst du im Iran ein, klaust dem Chomenie ein paar Ölquellen […] Der Vorteil ist, wir stoppen die islamistische Revolution und du hast die Ölquellen. Der Hussein ist ein ganz normaler Schweinediktator, dem geht’s um Geld und Macht, also das, womit die Amerikaner eigentlich gerne Geschäfte mit machen.
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Bei soviel Relativierung, Verkürzung und aggressiver Unbildung, ist es wirklich schwer, nicht der Versuchung zu erliegen, diesen Kabarettisten nicht einfach einen dummen Stammtischschwätzer zu nennen. Ich zumindest bin ihr erlegen.
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Pispers zeichnet sich aber nicht nur als unbestechlicher Analyst historischer Ereignisse aus, sonder hat auch den Durchblick für das aktuelle Weltgeschehen. Islamitischer Terror, die Anschläge des 11.Septembers und der Afghanistankrieg, ebenfalls alles erklärbar, ohne in die Verlegenheit des Differenzierens kommen zu müssen. Antiamerikanismus hat eben auch unbestreitbare Vorteile, gerade wenn man von Natur aus Denkfaul ist. Wo liegen denn die Gründe für den Hass der Islamisten auf den Westen? Wo andere zu stundelangen Monologen ansetzen müssten, nur um am Ende zugeben zu müssen, dass die Gründe für diesen Terror wohl nicht gänzlich rational erklärbar sind, genügt einem wie dem Pispers folgendes:
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Der Russe wurde auch in Afghanistan bekämpft […] da haben die Amerikaner gesagt, der muss da raus, wer kann das für uns machen? Haben die wieder einen sympathischen jungen Mann gefunden, der hieß Osama bin Laden. Jedenfalls, die Amerikaner haben gesagt, Osama du bist unser Mann, du gläubiger Moslem, wir gläubige Christen, wir bekämpfen die gottlosen Russen. Man hat Osama bin Laden finanziert, die Mudschahedin sind in den USA ausgebildet worden,[…] und dann hat der Osama bin Laden gekämpft. Zehn Jahre lang, zehn Jahre lang gegen die gottlosen Russen. Das Land war am Ende komplett zerstört, eine Millionen tote afghanische Zivilisten in diesem Krieg, 50.000 tote russische Soldaten. Das Land am Ende komplett zerstört, aber die Russen haben sich zurückgezogen und die Amerikaner haben gesagt: Osama, super Job, okay, euer Land sieht scheiße aus, aber is ja euer Land, also viel Spaß damit.
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Der Terrorismus, der heute den Westen bedroht, ist also das Produkt amerikanischer Außenpolitik und von daher selbstverschuldet. Ganz klar, so macht Geschichtsunterricht auch Antiimperialisten und Antiamerikanern Spaß.
Fast schon unnötig zu erwähnen, dass der islamistische Terrorismus mit dem Afghanistankrieg in etwa soviel zu tun hat, wie Volker Pispers mit geistreichem Kabarett.
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Neben diesen ebenso abenteuerlichen wie in sich logischen Welterklärungs-Theorien (ein Privileg der antiamerikanischen und antisemitischen Verschwörungsfantasien), zeichnet sich Pispers aber auch durch eine Menschenverachtung aus, die mit dem Begriff Zynismus längst nicht mehr angemessen bezeichnet wäre und in ihrer Geschmacklosigkeit nur noch von ihrer Dummheit übertroffen wird. Vor allen beim Aufrechnen von Opferzahlen wird dies deutlich. Dazu heißt es in einer Pispers Kurzbiografie anerkennend:
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Seine knallharten und oft makabren Schlüsse garniert er so liebevoll mit seiner brillianten Mimik und Gestik, daß dem Zuschauer höchst amüsiert und lachend die Absurdität des herrschenden Wahnsinns klar wird.
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Wobei mit höchst amüsanten Aussagen solche gemeint sein dürften:
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Jeden Tag sterben in Afghanistan zehn Menschen, weil sie auf eine Landmine treten. Jeden Tag zehn und das seit zehn Jahren. Das sind auch 3650 im Jahr, wo ist da eigentlich die jährliche Gedenkfeier? Das ist ein World-Trade Center jedes Jahr in Afghanistan, seit zehn Jahren. Aber sie können es eben medial nicht so aufbereiten, das ist eben der Unterschied.
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Eigentlich ist es unfassbar, wie jemand für solche Statements mit Preisen überschüttet werden kann. Er hat aber noch mehr dieses Kaliber auf Lager. Auch der Genozid in Ruanda geht nämlich auf die Kappe der Amis, weil die UNO-Blauhelmtruppen sich auf Befehl der Amerikaner zurückgezogen haben, weil da ging’s nicht um Öl oder irgendwas anderes was die Amis interessiert, es ging nur um Menschenleben und das interessiert die Amerikaner nun wirklich nicht.
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Da fallen dann so kleine Randbemerkungen wie Wir können ja gerne mal diskutieren, welche Politik bisher mehr Menschenleben gekostet hat, die von Saddam Hussein oder die von Georg W. Bush. auch kaum mehr ins Gewicht. An ärgerlichsten ist es aber, dass man beim hören dieser Hasstiraden in erster Linie bemerkt, wie ungebildet dieser Mensch ist. Oder ist es vielleicht schon mehr als nur Unbildung, wenn einem nicht auffallen will, dass das bloße Gegenüberstellen von Opferzahlen keine Aussagekraft besitzt? Konsequent weiter gedacht, könnte dann nämlich Volker Pispers brauner Doppelgänger auf NPD-Veranstaltungen selbstgefällig und dumm die deutschen Opferzahlen des Zweiten Weltkrieges mit denen anderer Länder vergleichen und eine Opferrolle beanspruchen.
Die wohl dämlichste Aufrechnung in dem vor dämlichen Aufrechnungen strotzenden Programm „Bis neulich…“ dürfte aber diese sein:
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50.000 Deutsche sterben jedes Jahr an Lungenkrebs vom Rauchen, noch mal 50.000, ich hab es eben schon mal gesagt, sterben an Leberzyrose durchs Saufen, aber die eigentliche Bedrohung für uns, die geht doch vom islamistischen Terror aus.
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Wie niveaulos diese Art des Kabaretts ist, machen auch die permanenten persönlichen Beleidigungen deutlich. Da werden Enzensberger und Biermann als Alkoholiker beschimpft, weil sie Saddam Hussein vor dem 1.Golfkrieg für einen großen Verbrecher hielten, Bush ist sowieso dumm, ebenso wie Merkel und Beckstein. Das politische Kabarett in Deutschland hat offenbar das Ende des Kalten Kriegs nicht verkraftet, ist immer noch in primitiven Gut-Böse Schemata verhaftet und hat in der momentanen Form längst keine Daseinsberechtigung mehr. Wo eine persönliche Beleidigung die Auseinandersetzung mit den Ideen eines Gegners ablöst, befindet man sich nicht mehr auf der Bühne, sondern am Stammtisch.
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Heute kann man also mit einem durch und durch antiamerikanische Grundeinstellung zu einem der beliebtesten Kabarettisten aufsteigen. Das sagt viel über den Charakter eines Volker Pispers aus, aber noch viel mehr über das Milieu, dass für sich das Etikett „politisches Kabarett“ reklamiert.