Freitag, Februar 02, 2007

Auge für Auge


Es gibt zwei Dinge, die mich jedes Mal wundern, wenn ich von Auge um Auge, Zahn um Zahn lese. Erstens, dass diese Formulierung immer in einem negativen Kontext gebraucht wird, und zweitens, dass sie nicht korrekt wiedergegeben wird. Es heißt Auge für Auge, Zahn für Zahn, was ein entscheidender Unterschied ist. Und warum diese Formel, die einstmals das eskalieren von Clan-Streitereien verhindern sollte, heute nicht als das gewürdigt wird, was sie ist, nämlich ein revolutionäre Schritt in Richtung Zivilisierung der Welt, ist merkwürdig.

Vor allen im Kontrast zu der Verehrung, die dem griechischen Demokratiemodell der Antike entgegengebracht wird. Dieses sah nur das Wahlrecht für eine kleine Elite vor; Sklaven, Arbeiter, und natürlich Frauen, waren davon ausgeschlossen. Nun kann man sagen, dass doch aber das Demokratiemodell für die damalige Zeit etwas ganz tolles war, na und, das mag ja sein, aber Auge für Auge, Zahn für Zahn war für seine Zeit auch toll, und das sogar noch mal ein paar Jahre vor Aristoteles, Platon und Co.! Trotzdem wird letzteres heute als Metapher für Rachelust genutzt, und das andere als Inbegriff antiker Weisheit. Wie gesagt, warum das so ist, würd ich mal gerne wissen!

Labels: ,

5 Comments:

At 02 Februar, 2007 23:35, Anonymous Hamster said...

Gute Frage, es sind natürlich wieder die linken Gutmenschen Schuld. ;)

Beim SPIEGEL (Mascolo u.a.) oder auch bei der SZ (Leyendecker, Prantl und Kollegen) wird der Leser in der Tat "bestens" bedient. Und leider sieht es wirklich so aus, als ob da im "guten Deutschen" der Antisemitismus vor sich hinfault.

Besonders eklig fand ich vor einigen Wochen:
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/251/81170/

"Die Überschrift dieses Artikels ist antisemitisch."

Wie inkompetent muss man eigentlich sein, um sowas schreiben zu können?

 
At 02 Februar, 2007 23:40, Anonymous Hamster said...

NACHTRAG:
Oder wenn ich da mal (wieder?) meine Lieblingstheorie anbringen darf, das Judentum pflegt die "angemessene Reaktion" als Reaktionsform in ungünstig verlaufenen Kooperationsverhältnissen zwischen 2 oder mehreren Teilnehmern, das Christentum rät zur Deeskalation der Islam zur Eskalation.
;)

 
At 03 Februar, 2007 18:41, Anonymous Anonym said...

Nicht nur das, als Nichtjude muss ich sagen, dass das Konzept des "auserwählten Volkes" wohl doch keine so schlechte Sache ist.

Vor allem wenn man sich ansieht, wohin Christentum und Islam ihre für alle gültige "Frohbotschaft" inklusive Missionseifer geführt hat und noch immer führt.
Da soll doch lieber jeder nach seiner Facon ...

Astuga

 
At 04 Februar, 2007 21:12, Anonymous nichtidentisches said...

Is doch schon uralt, der Vorwurf. Gaarder z.B. kannst ja bei mir nachlesen.
Ich meine übrigens, mal eines besseren belehrt worden zu sein: Es heißt sinngemäß tatsächlich eher auge um auge als auge für auge.
Talionsprinzip und Verhältnisstrafrecht sind schon zwei merkwürdige Paar Schuhe.
Glückwunsch zum Artikel in der JA

 
At 04 Februar, 2007 22:18, Blogger Gideon Böss said...

"Is doch schon uralt, der Vorwurf. Gaarder z.B. kannst ja bei mir nachlesen."

kannst du mir den genauen link mal schicken. ich finds nämlich nicht.
danke.

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home