Sonntag, Februar 04, 2007

Die uncoole BVG und ihre coole Kampagne



Die BVG geht seit einigen Monaten gegen Vandalen vor und macht dies zielsicher auf die sinnloseste Weise. Graffitisprüher werden durch pädagogisch wertvolle (und darum extrem peinliche) Appelle an ihr Gewissen ermahnt, keine S-Bahnzüge zu beschmieren. Diese Kampagne sieht vor, dass komplette Fenster der S-Bahnen mit Textbotschaften, sowie riesigen Aufklebern von Menschen verschandelt werden. Zwar wird dies keinen Sprayer dazu bringen, seine Dose zu entsorgen, aber wenigstens ist sichergestellt, dass niemand mehr durch das Fenster nach draußen gucken kann. Und das ist doch auch schon mal was! Wobei mir persönlich ein gutgemachtes Graffiti lieber wäre, als diese Verschandelung im Auftrag des Besitzers. Das Beste sind allerdings die Worte, mit denen sich die BVG an die potentiellen S-Bahn Schänder wendet:


Hey!! Finger weg von der Scheibe! Dann blickst auch du besser durch. Außerdem wird jede Reparatur auf die Ticketpreise drauf geschlagen. Extrem uncool!


Ja man!, extrem cooler Text!!, der einen dann auch! schon so voll zum Nachdenken bringt!!! Die Konferenz, auf der der genaue Wortlaut festgelegt wurde, war sicherlich ein Höhepunkt unfreiwilliger Komik. Es lässt sich nur erahnen, wie viele Stunden darum gerungen wurde, ob es nun Hey!! Oder doch besser Hey!!! heißen sollte. Kumpelhaft wird geduzt, und weniger Kumpelhaft eine Kollektivstrafe verhängt, wenn es heißt, dass die Reparaturen auf den Ticketpreis drauf geschlagen werden. Ich weiß nicht, wie erfolgreich die BVG mit dieser Kampagne ist, ich weiß aber, dass die BVG hier ihre eigene Jugendsprache geschaffen hat. Denn, das „Extrem uncool“ je für etwas anderes gestanden hat, als für: Die BVG würde es außerordentlich begrüßen, wenn sie das Eigentum der BVG nicht verunreinige, beschädigen oder entwenden würden, danke!, halte ich für ausgeschlossen.

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5 Comments:

At 05 Februar, 2007 08:53, Anonymous Sascha said...

Als Berliner ist es natürlich deine Pflicht die BVG zu kritisieren, aber in diesem Fall trägt sie mal keinerlei Schuld: Die S-Bahn gehört nicht zur BVG sondern ist ein Tochterunternehmen der Bahn. Jenem Unternehmen also, dem hier in unserer schönen Hauptstadt die Bahnhöfe auseinanderfallen.

 
At 05 Februar, 2007 12:31, Blogger Gideon Böss said...

wenn das mal nicht meinen ruf als recherche-journalist nachhaltig schädigt...und wer ist dran schuld, die BVG!!!

 
At 05 Februar, 2007 14:13, Blogger timmyhawk said...

Das komplemeniert allerdings sehr gut die Kampagne die auf den "Berliner Fenster" bildschirmen ab und an läuft: am Ende heisst es dann auch gegen Grafitti und "für ein cooles Berlin". Wie muss man da lachen... Erinnert mich an ein Plakat aus dem Provinznest Wiesbaden vor etlichen Jahren, wo die Macher wohl glaubten "Kontrolletti" sei ein Wort, das Jugendliche benutzen. . . Ach, haben wir gelacht. (Habe allerdings neulich hier in Berlin tatsächlich teenies überhört die das Wort benutzt haben . . . kann das sein?!)

 
At 28 März, 2007 22:49, Anonymous Herr Jost said...

Was ist das denn für eine Scheiße?

Ich bin von den öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin ja einige komische Aufkleber gewohnt (wie z.B. "Eis und Wurst in Bahn und Bus bringen oftmals viel Verdruß, u.a.) (bin in Berlin geboren und aufgewachsen, 2005 mit fast 26 weggezogen) aber nicht in der Größe und vor allem nicht in diesem komischen Ranschmeiß-Jargon, aber ich finde sie vielleicht doch eher süß als schändlich, da sie ihr Ziel, so meine ich glauben zu müssen, in zweierlei Hinsicht verfehlen: Daß man in einem Zug, der total vollgesprüht ist, nicht aus dem Fenster gucken kann, ist tatsächlich ärgerlich. Ärgerlicher ist jedoch, daß ausgerechnet auf einem Anti-Graffiti- Hinweis (der eigentlich auch auch auf die "blinden" Fenster hinweisen müßte) dieser Mißstand ebenfalls fortgesetzt wird. Außerdem wird dieser Aufkleber in Werbeplakatgröße, wenn er den Sprayern nicht vollkommen gleichgültig ist, eher für Belustigung sorgen, d.h. eventuell sogar für einen rasanten Anstieg der Zugvollsprühquote sorgen, da die Sprayer auf ähnlich beknackte Folgereaktionen hoffen, über die sich genausogut beömmeln läßt.


Da ich, wie gesagt aus Berlin stamme, kann ich sogar die Frage von timmyhawk beantworten: "Kontrolletti" (oder auch nur "Konti") wurde auschließlich und oberexklusiv nur in dem Grips-Theater-Musical "Linie 1" (das ich aber trotzdem ganz toll finde) benutzt, sonst niemals, abgesehen von der Frage, ob man jenen Begriff auch mal sonst gehört habe, oder nur in "Linie 1", eine Frage, die nie und nimmer auch nur einmal bejaht worden sein dürfte.

 
At 04 April, 2007 19:27, Anonymous Herr Jost said...

Außerdem müßte die Figur doch auch denjenigen angucken, den sie gerade anspricht, bzw. in die Richtung blicken in die ihr pädagogisch erigierter Zeigefinger zeigt. Naja, hat vielleicht gerade was konkret krasses geraucht, da kann das ja passieren. Irre wie lebensnah die BVG und die S-Bahn-GmbH ihre Hinweise gestalten.

 

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