Donnerstag, Februar 08, 2007

Man spricht Deutsch



Protest zog über das Land, als vor einiger Zeit die unverschämte Behauptung aufgestellt wurde, dass es nicht von Nachteilen wäre, wenn deutsche Kinder auch die deutsche Sprache beherrschen würden. Dabei ging es um arabisch und türkischstämmige Kinder, die in Milieus aufwachsen, in denen Deutsch weder gesprochen noch benötigt wird. Ein Vorschlag, um diesen Misstand zu beheben, bestand darin, eine "Deutschpflicht" an der Schule einzuführen. Wie immer an vorderster Front im Kampf gegen die Diskriminierung von Migranten waren die Grünen und bei den dümmlichen Statements von Roth und Co. beneidete man für einen Moment die Betroffenen um ihre fehlenden Sprachkenntnisse. Ihnen blieb viel erspart. Ich sehe nicht so ganz, warum es verkehrt sein soll, Deutschen ihre Sprache beizubringen, und wenn ich etwas in diesem Zusammenhang erbärmlich finde, dann die Milieus, die solche Vorschläge erst nötig machen. Eine öffentliche Schule soll junge Menschen auf ein selbstständiges Leben vorbereiten, die Grundlage dafür ist natürlich die Beherrschung der Landessprache. (Auf welche Weise diese erlernt wird, ob tatsächlich in manchen Fällen eine "Deutschpflicht" sinnvoll ist und ob es sich überhaupt um ein Problem handelt, das eine solche öffentliche Aufmerksamkeit verdient hat, soll an dieser Stelle gar nicht weiter thematisiert werden.)

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Anders liegen die Dinge aber, wenn der Staat mit solchen Mitteln in das Privatleben von Menschen eingreift, und den sozialen Kontakt zu anderen davon abhängig macht, in was für einer Sprache man sich ausdrückt. Das ist nicht akzeptabel, denn ob ich in meinen eigenen vier Wänden Japanisch, Türkisch, Russisch oder Klingonisch spreche, geht niemanden etwas an. Der Deutsch-Polen Wojciech Pomorski klagt gegen diesen Eingriff, die ZEIT berichtet darüber in einer Randspalte:

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Seit vier Jahren kämpft der Deutsch-Pole Wojciech Pomorski dagegen, dass er seine Töchter nur dann sehen darf, wenn er Deutsch – und nicht Polnisch – mit ihnen spricht, ein Hamburger Jugendamt besteht darauf. Dagegen hat Pomorski vor zwei Jahren eine Petition eingelegt, die jetzt erstmals vor dem EU-Petitionsausschuss verhandelt wird. In der Petition wirft Pomorski deutschen Behörden vor, sein Grundrecht zu verletzen und seine kulturelle Identität zu missachten. Die Petition ist nicht sein einziger Erfolg: Vor einigen Tagen sprach Pomorski mit der polnischen Außenministerin Anna Fotyga. Danach prangerte Fotyga die „Assimilierungspolitik in Deutschland“ an. Und sie sprach mit dem deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Das Auswärtige Amt hat zugesagt, betroffene Fälle noch einmal zu prüfen. Denn Pomorski ist kein Einzelfall: Der polnische Botschaft sind vier ähnliche Fälle bekannt – die Dunkelziffer dürfte aber viel höher liegen, glauben die Diplomaten. (DIE ZEIT Nr.7 08.02.2007 S.2)

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1 Comments:

At 09 Februar, 2007 01:29, Anonymous Hamster said...

"Die Petition ist nicht sein einziger Erfolg: Vor einigen Tagen sprach Pomorski mit der polnischen Außenministerin Anna Fotyga. Danach prangerte Fotyga die „Assimilierungspolitik in Deutschland“ an."

Das hört sich aber stilistisch ein wenig nach den beiden peinlichen Kartoffeln an.

Es ist allerdings in der Tat merkwürdig, dass ein deutsches Gericht die Art der Kommunikation zwischen Vater und Kind bestimmen möchte. Im deutschen Familienrecht ist in den letzten Jahrzehnten etliches schiefgelaufen. "Sozialpolitiker" und verhärmte Damen haben da leider ihre Vorstellungen durchgesetzt. Auch eine der Ursachen der allgemeinen Kinderlosigkeit.

 

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