Samstag, April 21, 2007

Manufacturing Dissent



Mir ist Georg W. Bush vor allen aus einem Grund wesentlich sympathischer, als die meisten seiner Gegner und Kritiker: Er ist abwählbar. Gut, ganz nebenbei hat er auch einen Massenmörder, vor dem selbst Stalin Respekt hätte, vertrieben und er besitzt Humor und Selbstironie; Eigenschaften von denen die meisten – darunter offenbar alle Deutschen – Politiker verschont bleiben. Aber dennoch, das Beste ist sein befristeter Auftritt in der Öffentlichkeit. Dumm nur, dass all jene, die ihre Popularität dem verbreiten und bedienen antiamerikanischer Klischees verdanken, uns über diesen Tag X hinaus erhalten bleiben werden. Michael Moore etwa. Die ganze Verlogenheit, mit der "Bushkritiker" ihre Vorbehalte gegenüber den USA pflegen, fließt in diesem massigen Menschen zusammen. Dem gemeinen Bushkritiker, der auch gerne von der Bush-Administration oder, im eher religiös angehauchten Lager der globalisierten USA-Feindschaft, vom großen Satan spricht, ist Georg Bush völlig gleichgültig. Egal, ob der nächste Georg Bush nun Hillary Clinton, Chris Dodd oder McCain heißen mag, die USA bleiben für diese Leute das Hassobjekt Nummer eins. An einer ehrlichen Kritik "unter Freunden" ist ihnen ebenso wenig gelegen, wie all den Freunden Israels, die sich in aller Freundschaft den Untergang dieses Staates herbei fantasieren.

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Michael Moore ist nun deswegen eine solch passende Galionsfigur für die USA-Kritik, weil er all das, was er an Bush anprangert, in Reinform selber repräsentiert. So nennt er Bush einen Lügner und greift ihn dabei auf dem einzigen Feld an, auf dem er tatsächlich kompetent ist. Vielleicht ist also was dran. Aber nur vielleicht, denn Moores Propagandafilme, die unter dem Label Dokumentationen zu finden sind, halten sich mit der Realität und den ihr innewohnenden Fakten gar nicht erst auf. Das Klischee bedienen ist das Ziel und dem Klischee nachhelfen der Weg dahin. Klar, ein seelenloser Megakonzern wie General Motors ist natürlich skrupellos und die Chefs so arrogant, dass sie Gespräche mit kleinen idealistischen Dokumentarfilmern verweigern. Dem Zuschauer darf aus Gründen der Fairness also nicht gezeigt werden, dass Roger Smith in Roger and Me sehr wohl zum Gespräch bereit war und es auch zu einem solchen kam. Wenn es darum geht, den Wahnwitz des Waffenbesitzes in den USA – für ein Kinopublikum in Kleinbrockdorf/Germany – darzustellen, ist es geeignet, der Wahrheit mit einigen klitzekleinen Lüge nachzuhelfen (Bowling for Columbine) und in Bezug auf das Lieblingsfeindbild Georg Bush, dem der dumme Mann mit der Kamera seinen internationalen Durchbruch verdankt, darf es auch Mal eine geschmacklose Verharmlosung Saddam Husseins geben, indem dieser als freundlicher Onkel tanzend im Kreise fröhlicher Kinder dargestellt wird, während der amerikanische Präsident bösartig, kalt und berechnend einen Krieg nach dem anderen anfängt (Fahrenheit 9/11).

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Es spricht sehr gegen den moralischen Zustand all jener, die sich gegen Bush engagieren und dabei Michael Moore als Belastungszeuge aufrufen. Es sind denkfaule Antiamerikaner, die ihre Vorurteile in leicht genießbaren aber hochprozentigen Portionen zu sich nehmen wollen; in Sätzen, die nach Öl riechen und die regelmäßig die Niedertracht der Amerikaner (übrigens auch der Israelis, nebenbei bemerkt) bestätigen. Dabei wäre es nicht schwer, sich wirklich ernsthaft mit den USA auseinanderzusetzen, wenn es einen denn wirklich interessieren würde. Es gibt eine große Zahl höchst interessanter Bücher rund um den Zustand der amerikanischen Gesellschaft und der amerikanischen Politik. Nachteil: Sie erreichen nicht den intellektuellen Tiefgang eines Michael Moore Werkes – da kommt höchstens die BILD noch mit –, verwenden den einen oder anderen Fachbegriff und leiden an der Schwäche zu differenzieren.


Michael Moore ist nichts anders als ein notorischer Lügner, der skrupellos ist und so arrogant, dass er Gespräche mit kleinen idealistischen Dokumentarfilmerinnen verweigert. Nun kommt nämlich eine Dokumentation auf den Markt, die nachweist (und zwar nicht auf die moorische Weise), dass der große schwere Mann des Antiamerikanismus ein höchst kritisches Verhältnis zur Wahrheit hat*. Manufacturing Dissent wird sicherlich keine ganzen Schulklassen ins Kino locken und die überzeugten Fans von Michael Moore wird dieser Film auch nicht beeindrucken, aber es ist trotzdem gut, dass es ihn gibt. Der ein oder andere wird vielleicht doch ins Zweifeln kommen, wem er da zujubelte.

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* Wobei glücklicherweise schon seit Jahren auf verschiedensten Internetseiten die Filme von Moore gründlich auseinandergenommen und als billige Propaganda entlarvt wurden.

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7 Comments:

At 25 April, 2007 18:59, Blogger Astuga said...

Die Macher von South Park und Team America können Moore auch nicht wirklich gut leiden:

http://www.msnbc.msn.com/id/6228221/

 
At 07 Mai, 2007 17:34, Anonymous Anonym said...

Also zunächst, ich finde es ein Unding auch nur annähernd das Übergewicht von Moore anzuführen, es nimmt dem Artikel auch den letzten Hauch von Seriosität! Ansonsten ist der Artikel ebenso voreingenommen geschrieben, wie die verutreilte Darstellunsgweise seines "Opfers", ich verstehe nicht, wie jemand in schlechtes Licht gerückt werden soll, indem man in eben dergleichen Weise wie er selbst seine Wahrheitsverdrehungen anführt.
Die direkte Formulierung tut mir leid, aber absolut Überflüssig meiner Meinung nach!

 
At 07 Mai, 2007 18:56, Blogger Gideon Böss said...

@anonym

Du hast Recht, die zarte Pflanze Michael Moore darf man nicht "auch nur annährend" persönlich angreifen. Zeichnet sich doch der große schwere Mann des Antiamerikanismus dadurch aus, andere äußerst objektiv und fair zu behandeln.

 
At 08 Mai, 2007 13:12, Anonymous Anonym said...

Sehr guter Beitrag.Moore ist zu dem geworden was er immer gehasst hat.

 
At 11 Mai, 2007 16:51, Anonymous Axel said...

Man kann Moore viel vorwerfen, aber mit Sicherheit nicht Antiamerikanismus. Die dargestellten Fakten waren verfälscht, das ist nicht in Ordnung. Die Grundaussagen, die dahinter stehen schon. Wie kann es sein, dass eine Bank Waffen als Willkommensgeschenke abgibt? Dabei spielt die Tatsache, dass diese in einem 300 Meilen entfernten Tresor gelagert und nur über einen zertifizierten Waffenhändler abgegeben werden, nur eine untergeordnete Rolle. Und auch wenn Bush so etwas wie Humor besitzt, so hat er doch seine Wähler getäuscht, die UN ignoriert und international enormen Schaden angerichtet, und das vermutlich mit einigen amerikanischen Öl- und Waffenkonzernen im Rücken. Abwählbar ist das Ganze auch nicht, denn diese Politik wird momentan nicht nur von Bush, sondern von weiten Teilen der Republikaner verfolgt. Der nächste republikanische Kandidat (McCain? Giuliani?) wird diese Politik wohl fortführen (müssen).
Was Moores Übergewicht angeht: Es ist einfach unseriös und nicht hilfreich, das als Argument anzuführen.

 
At 16 Mai, 2007 17:08, Anonymous Anonym said...

Wenn jemand einen Film dreht dann schneidet er die Sachen die ihm nicht gefallen raus.Ob Dokumentarfilm oder Kinderfilm spielt keine Rolle.Wenn man jetzt ein Film über die beiden Filmemacher von "Manufacturing consent" macht würden auch so einige Sachen "auffliegen" die sie über Michael Moore ausgelassen oder verfälscht haben.
Man muss sich an die eigene Nase
fassen wen man alles genau so geglaubt hat.In Michael Moores Filmen gibt es eine "Message" auf die kommt es an, und nicht das Interviw mit Roger Smith rausgeschnitten wurde. Genau das selbe gilt für "Bowling for Columbine".Habt ihr überhaupt TV Nation und Awful Truth gesehen??? Warscheinlich nicht,sonst würdet ihr eine andere Meinung haben denn wie heisst es doch "der Zweck heiligt die Mittel".Und deshalb freue ich mich auf seinen neuen Film Sicko über das amerikanische Gesundheitswesen, indem er wohl, mit verletzten vom 11. Septenmber nach Cuba fliegt um umsonst behandelt zu werden, was in Amerika für etwa 45 millionen menschen nicht möglich ist.Das ist das Problem in USA und nicht wer wo was rausgeschniten hat oder nicht.

 
At 17 Mai, 2007 16:23, Blogger Gideon Böss said...

@anonym

"Wenn jemand einen Film dreht dann schneidet er die Sachen die ihm nicht gefallen raus.Ob Dokumentarfilm oder Kinderfilm spielt keine Rolle."

Falsch! Wenn man eine Dokumentation dreht, spielt das sehr wohl eine Rolle. Dokumentationen, in denen alles rausgeschnitten wird, was einem nicht ins Weltbild passt, nennt man Propaganda. Wenn Moore Proagandafilme drehen will, nur zu, nur sollen sie dann eben nicht als Dokumentation verkauft werden.


"Und deshalb freue ich mich auf seinen neuen Film Sicko über das amerikanische Gesundheitswesen, indem er wohl, mit verletzten vom 11. Septenmber nach Cuba fliegt um umsonst behandelt zu werden, was in Amerika für etwa 45 millionen menschen nicht möglich ist.Das ist das Problem in USA und nicht wer wo was rausgeschniten hat oder nicht."

Das Problem auf Kuba ist, dass ein Kubaner, der auf diese Weise über sein Land herziehen würde wie es Moore mit den USA macht, entweder im Knast sitzen würde oder schon tot wäre.

 

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