Montag, April 02, 2007

Waschmaschinenexperten und Waschmaschinenexpertenmeister (2)



Der Meister war eben da, der Waschmaschinenmeister! Ja, was soll ich sagen, er hat die Erwartungen mehr als erfüllt. Obwohl der Lehrling in punkto Arbeitskleidung schon Maßstäbe gesetzt hatte, toppte der Mann in brauner Strickjacke und Jeans das mühelos. Anstelle eines Werkzeugkastens führte er eine Plastiktüte mit sich und anstelle von Fachwissen lichtes Haar. Die Knöpfe und Drehrädchen schienen auch für ihn kein alltäglicher Anblick zu sein und die Bezeichnung Meister wurde ihm von den Mitarbeitern des Gebrauchtgeräteladens entweder in einem Anflug von Ironie verliehen oder in der Absicht, ihn zu mobben. Er tat jedenfalls alles, um diesen Namen als Farce zu outen.

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Eigentlich ging er genauso vor wie der Spezialist vom letzten Samstag; er hing viel über der Maschine und wartete auf ein Wunder. Dann und wann verließ ihn sein Gottvertrauen und er machte sich daran, die Knöpfe mal fester mal sanfter zu drücken. Schließlich drehte der Waschmaschinenmeister die Drehuhr fünfmal hintereinander. Für den Laien wirkte das hilflos, weil es an die eigenen Versuche erinnert, defekten CD-Playern oder Fernsehern durch Tritte und Stöße wieder Leben einzuhauchen, aber weil es sich hier um Fachpersonal handelte, wird der Meister wohl gewusst haben was er da tut. Doch schließlich konnte auch er die Maschine nicht retten und so steht als nächstes die Überführung in die Werkstatt an. Dort wird der Plastiktütenherr sich in Ruhe mit dem „defekten Programmen“ beschäftigen und wenn auch diese Notoperation kein Erfolg wird, bekomme ich ein neues Gerät geliefert.

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Offensichtlich liegen die qualitativen Unterschiede zwischen Lehrling und Meister weniger im jeweiligen Fachwissen begründet, das beide auf einem sehr niedrigen Niveau stabil halten, sondern in einem erweiterten Wortschatz. Denn heute wusste mein Gegenüber etwas mit dem Wort „defekt“ anzufangen und korrigierte nicht richtigerweise: „Ach, sie meinen kaputt!“

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