Donnerstag, Mai 31, 2007

Sonntagsumzug

(Foto von hier)

Am Sonntag besuchte ich den Karneval der Kulturen in Berlin. Die GrüneJugend machte offenbar kapitalismuskritisches Impro-Theater. Vermute ich zumindest. Warum sonst sollte ein Mädchen zwei Minunten lang monoton immer wieder in die Knie gehen und "Tic-Tac" rufen? Und warum sonst sollten die anderen Jugendlichen mit grimmigen Gesichtsausdruck langsame improvisierte Bewegungen zeigen, die keinen Sinn machen. Die meiste Kapitalismuskritik macht ja keinen Sinn, von daher ist die Performance ziemlich gut gewesen. Auch wenn die GrüneJugend es so wahrscheinlich nicht verstanden haben will. Ne halbe Stunde später wurde ich Zeuge von dutzendfachem Kindesmissbrauch. Kleine Mädchen und Jungs wurden von Greenpeace dazu gezwungen, in Bären- und Elefantenkostümen durch die Straßen zu laufen und Parolen zu rufen, in denen es immer wieder um Gletscher ging, aber auch den Kapitalismus (das Schwein). Eine Badewanne wurde geschoben und um diese herum standen Anzugträger, die arrogant Zigarre rauchten und die Welt mit Füßen traten - in Form eines Wasserballs, genial!. Reichtum ist eine Sünde, soll das wohl heißen. Nach den Jungen, kamen die Veteranen der Bewegung. Die Sorge um die Wildnis-Knuts war ihnen ins Gesicht geschrieben. Ernst und kummervoll trommelten sie auf ihre Fäser und Eimer. Greenpeace stellte wohl eine der größten Truppen. Ansonsten gab es noch Afrikaner, Schwule, Asiaten und irgendwann Regen, weswegen wir noch eine Pizza kauften, ehe wir nachhause gingen.

Mittwoch, Mai 30, 2007

IN ist, wer drin ist

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Auf dem Weg zur Uni kam ich regelmäßig an einer geheimnisvollen Bar vorbei. Die war schwarz angestrichen, bis auf die Tür, die sich in rot präsentierte. Geöffnet hatte sie immer erst ab Mitternacht, dafür bis morgens um 06.00 Uhr. Jetzt hat sie zu gemacht und auch ihr Schild ist schon abgeschraubt, was schade ist, denn das Wortspiel „IN ist, wer drin ist!“ war auf seine primitive Art sowohl lustig als auch genial….Um den Spruch richtig einschätzen zu können, sollte man vielleicht noch wissen, dass die rote Tür ein Schiebefenster besaß und Besucher sich dort erst vorstellen mussten und vielleicht sollte man auch wissen, dass man diese Bar ebenso gut ein Bordell nennen könnte. Ich fand den Spruch jedenfalls immer lustig und habe aus der Ferne noch gesehen, wie der Schutt-LKW das Schild wegtransportierte.

Samstag, Mai 26, 2007

Kommt ihr Deppen, stimmt mit ein


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Es ist so peinlich, so schlecht und so sinnfrei, dass es das Zeug zur offiziellen G-8-Gegner Hymne hat: http://www.myspace.com/heiligendamm . Und jetzt alle:

"Doch was ist das, ich glaub es kaum, vor Heiligendamm steht ein großer Zaun und hinter dieser kalten Wand, liegt der Strand"

Die Tragödie der Linken ist halt, dass sie den Kampf gegen den Faschismus zugunsten des Kampfes gegen Zäune aufgegeben hat. Wirkt wie Dekadenz im Endstadium, wenn "kraftvolle Aktionen" nur noch dann so wirklich auf Resonanz stoßen, wenn es gegen liberale Demokratien geht (Russland mal rausgenommen, dass auch gerne auf der anderen Zaunseite stehen dürfte.). Als im April in Berlin eine Demo auf das Morden im Sudan aufmerksam machte, kamen 100 Personen zusammen. Und von denen dürfte kaum eine nach Heiligendamm fahren. Vielleicht, weil sie Menschenrechtsverletzungen, Rassismus und Massaker auch dann schrecklich finden, wenn die Täter keine Juden/Israelis oder Amerikaner sind. Jeder setzt halt seine Prioritäten. Ist irgendwie schade, weil es gibt ja doch noch ein paar Faschisten auf dieser Welt.

Donnerstag, Mai 24, 2007

Die Linke und der Antifaschismus


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Aktuell sorgt das Buch “What’s Left?: How Liberals Lost Their Way ” in England für Aufsehen. Autor ist Nick Cohen. Er wirft der Linken vor, ihre Ideale verraten zu haben. Auszüge aus einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger.


KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Cohen, Sie stammen aus einer bewusst linken Familie, waren selbst stets links - und rechnen in einem der aktuell erfolgreichsten politischen Bücher Großbritanniens gnadenlos mit der Linken ab. Was ist passiert?


NICK COHEN: Die linke Bewegung hat, bei allen Fehlern und Irrtümern, im 20. Jahrhundert einen Kern, auf den sie stolz sein kann: ihren Widerstand gegen den Faschismus. Dieser Kern ist verloren gegangen, die Linke ist vom Weg abgekommen, moralisch und politisch. Das ist mir jedenfalls rund um den Widerstand der Linken gegen den Irak-Krieg aufgefallen.


KÖLNER STADT-ANZEIGER: Was war daran falsch?


COHEN: Nicht die Opposition zu den Regierungen Bush und Blair oder zum Krieg an sich ist falsch, darum geht es nicht. Es geht darum, dass die europäische und die amerikanische Linke keinerlei Interesse zeigen an fortschrittlichen Irakern. Es gab keine Solidarität, um dieses Wort mal zu benutzen, mit Sozialisten, Feministinnen oder Demokraten im Irak. Über Jahre hat sich die Linke nicht für diese Menschen interessiert. Statt dessen entschuldigte und verharmloste sie im Irak ein faschistisches Regime. Ich habe das beobachtet und mich gefragt: Was ist das bloß für eine Linke, die so handelt?


KÖLNER STADT-ANZEIGER:: Sie töten jeden Westler, den sie kriegen können, im Zweifel auch Linke.


COHEN: Stimmt, das klingt schizophren. Der Islamismus widerspricht allem, woran die Linke glauben müsste. Aber die Linke läuft Amok. Nehmen sie den Irak. Wäre es heute nicht an der Zeit, dass die europäischen Regierungen, die gegen den Krieg waren, sich für das irakische Volk engagieren? Dass gerade die Linke, die doch gegen den Krieg war, sich für die Menschen im Irak einsetzt, die von Islamisten und Terroristen bedroht werden? Aber dazu sind sie nicht in der Lage, weil sie sich aus tiefstem Herzen nur eins wünschen: dass die Amerikaner scheitern.


KÖLNER STADT-ANZEIGER: Sie werfen der Linken nicht nur Antiamerikanismus vor, sondern auch Antisemitismus. Das ist sehr hart, oder nicht?


COHEN: Die Hamas-Charta liest sich wie ein original Nazi-Manifest. Wenn die Linke dazu nichts zu sagen hat und stattdessen Israel-Boykotte organisiert, dann überschreitet sie die Grenze zum Antisemitismus.

Dienstag, Mai 22, 2007

McDonalds - Ich liebe es!


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Im Tagesspiegel durfte heute ein sonderbarer Artikel erscheinen.

"Und klar ist auch: Kreuzberg wird nicht schöner oder lebenswerter durch die Eröffnung einer weiteren Filiale von McDonald’s." -->> Klar ist aber auch, dass nicht klar ist, wer die Deutungshoheit darüber hat, was schön und lebenswert im Einzelnen bedeutet.

"Ärgerlich an der pauschalen Diffamierung jeglicher Kritik ist auch, dass hier bürgerschaftliches Engagement – sonst allerorten vermisst – einfach abgebügelt wird." -->> Wir lernen, nicht jedes Engagement ist notwendig sinnvoll. Siehe dieses Beispiel.

"Demgegenüber muten die Heinersdorfer Proteste gegen den dortigen Moscheebau sehr engstirnig an. Nicht wenige erkennen darin puren Rassismus; die NPD unterstützt den Protest jedenfalls eifrig." --->>> Die NPD unterstützt auch die Proteste gegen G-8, die Globalisierung und den Kapitalismus, hmmm...

"Glücklicherweise gibt es in Berlin noch viele, die nicht in den immer gleichen Einkaufszentren einkaufen und den immer gleichen Schnellrestaurants essen wollen." --->>> Glücklicherweise wird niemand gezwungen, in Schnellrestaurantes zu essen. Wer doch, sollte einen Psychologen aufsuchen, Verfolgungswahn ist eine Krankheit!

"All jene sind im Wrangelkiez weiterhin herzlich willkommen. In Heinersdorf wohl eher
nicht." --->>> McDonalds ist im Wrangelkiez offenbar nicht willkommen, zumindest wenn es nach dem Verfasser des Artikels geht. Also mir ist ein nicht-antisemitisches, nicht-frauenverachtendes, nicht-rassistisches Fast-Food Restaurant wesentlich lieber als eine Moscheegemeinde, die all das nicht ist.

ALICE

Wer sich fragt, was ich mache, sei als Hinweis die Überschrift ans Herz gelegt. Schon dumm, wenn der Internetanschluss spinnt, und ein Anruf beim Anbieter für 5,99 Euro zu haben ist.

Donnerstag, Mai 17, 2007

Ami, stay home?


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Was Diktatoren und Despoten nicht geschafft haben, ist nun Paul Wolfowitz gelungen. Heidemarie Wieczorek-Zeul will nichts mit ihm zu tun haben. Was davon zu halten ist, steht hier.

Mittwoch, Mai 16, 2007

Ist Michael Moore Scientologe?

Die Scientology-Aufnahmen der Szene unterschlagen allerdings die Vorgeschichte, den Vorwurf unsauberer journalistischer Arbeit. Hier wird suggeriert, Sweeney sei einfach so ausgerastet. Das nicht so suggestiv geschnittene Filmmaterial der Szene des BBC-Teams zeigt das Vorgeplänkel, zeigt auch, wie der Scientology-Vertreter seine Stimme erhebt. Nach diesem Zwischenfall entschuldigt sich Sweeney bei Davis, der wirkt gelassen - beide scheinen zumindest wieder miteinander zu sprechen.

(Ganzer Artikel)

Montag, Mai 14, 2007

VBB bekennt sich zur deutschen Geschichte


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Was ich mich gerade frage. Wie kommt ein Verkehrsunternehmen eigentlich zu dieser Bilderkombination? Ein blühender Baum und dazwischen das Mahnmal zu dem Gerhard Schröder so gerne geht?
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Samstag, Mai 12, 2007

Ich will nur mal anmerken,...


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...dass ich Baden-Württemberger bin!

G-8, die Linke und die Gewalt


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Vom 6 - 8 Juni findet der G-8 Gipfel in Heiligendamm statt und ein Sammelsurium aus Kirchen, Gewerkschaften, Antiamerikanern, Diktatorenfreunden, Menschenrechtsfeinden und Nazis bereiten ihre Proteste dagegen vor. Dabei kommen gerade aus der linksradikalen Ecke immer wieder Drohungen, dass man Gewaltanwendung nicht ausschließen wolle. Die große Mehrheit derer, die in Heiligendamm gegen schwammiges wie Globalisierung und Kapitalismus demonstrieren (die aber konkretes, wie etwa das hunderttausendfache Morden im Sudan irrelevant finden), werden dies selbstverständlich friedlich tun. Aber auch ihnen ist das Gewaltpotential der Radikalen bewusst. Ein Sprecher der Arbeitsgruppe “Kirche und G8“ gibt zu bedenken: "In dem Moment, in dem das Reden verstummt, ist davon auszugehen, dass es Gewalt geben kann." Um diese zu verhindern, soll Überzeugungsarbeit geleistet werden.
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"Unsere Strategie ist es, mit den Leuten an einem Tisch zu sitzen und darüber zu reden, dass es auch ohne Gewalt geht." Das ist zu begrüßen, aber wenn sogar Mitorganisatoren der Proteste zugeben, die linksradikalen Spinner nicht unter Kontrolle zu haben, ist es noch unverständlicher, weshalb die aktuelle Polizeirazzia reflexartig als Kriminalisierung der Globalisierungsgegnern, als Repressionswelle oder als unverhältnismäßig verurteilt wird. Der Polizeieinsatz hatte vor allen zum Ziel, bereits verübte Anschläge aufzuklären.
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Es ging genauer um etwa 40 Anschläge im Zeitraum von 2005 bis 2007. Darunter fallen Brandanschläge auf das Auto des Finanzstaatssekretärs von Hamburg und ein Berliner Sozialgericht. Die Tatsache also, dass die Polizei eben nicht, wie es die Proteste linker Gruppen darzustellen versuchen, gegen die Globalisierungsgegner vorgingen, sondern gegen radikale, gefährliche Ränder der Gesellschaft, wird ignoriert. Die Linke reicht somit den Militanten nicht nur die Hand, nein, sie begreift sie als integrierten Teil des Protestes. Eine gefährliche Solidarität. Aber warum fühlen sich eigentlich friedliche Globalisierungsgegner kriminalisiert, wenn die Polizei gegen gewaltbereite Linke vorgeht? Dies hat zwei Gründe. Zum einen das problematische Verhältnis der Linken zur Gewalt. Es gab nie einen konsequenten Bruch mit der Idee, politische Ziele durch den Einsatz von Gewalt durchzusetzen. Aktuell kann dies an der Debatte um die RAF gesehen werden. Der zweite ist der ewige Opferkult, dem gefrönt wird. Man ist im Supermarkt dem Konsumterror ausgesetzt, in der Arbeitswelt kapitalistischen Ausbeutern und in Gestalt von McDonalds der Zerstörung der Esskultur. Gewaltbereitschaft und Opferkultur ergeben eine gefährliche Mischung, denn ein Opfer hat jedes moralische Recht sich zu wehren und auch wenn es im Einsatz der Mittel vielleicht übertreibt, so ist der Weg doch grundsätzlich richtig. Unzählige haben sich dieser Rhetorik bedient, als es darum ging, den RAF Terror zu relativieren.
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Es ist an der Zeit, dass die Linke diesen liebevoll gepflegten und gehätschelten Minderwertigkeitskomplex (der Grundlage des Opferkultes ist) aufgibt und ihre Interessen aufrecht vertritt. Dazu gehört als erstes die eindeutige Distanzierung von allen, die den Einsatz von Gewalt nicht ablehnen. Aktuell sieht es aber so aus, als ob diese Partnerschaft weiter aufrechterhalten wird. Warum fällt es attac so schwer, sich von solchen Spinnern abzugrenzen? Und warum wundert es attac nicht, dass die attac-Büros nicht durchsucht wurden? Könnte das ein Indiz dafür sein, dass friedliche Globalisierungsgegner gar nicht das Ziel dieser "Repressionswelle" waren? Gerade ein Zentralgestirn der Globalisierungs- und (nennen wir es mal neutral) USA-Kritik wie attac, sollte sich darüber im Klaren sein, wie viele dubiose Figuren und Gruppen sich im Dunstkreis der Proteste tummeln. Ein entschiedenes Zurückweisen falscher Freunde wäre dabei wichtig. Bisher ist dies nur gegenüber den Nazis zu beobachten.

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Wie schnell G-8 Gegner den Einsatz von Gewalt als legitim befürworten, macht ein Interview mit dem Hip-Hop Musiker Jan Delay deutlich. Seine Antworten sind das Ergebnis eines schlichten Weltbildes: Der Westen ist Böse! So argumentieren eben denkfaule Leute, die sich fatalerweise ein politisches Engagement nicht verkneifen können und dann natürlich von primitiven Welterklärungen angezogen werden. Früher war es das Privileg der Kirchen, solche schlichten Gemüter an sich zu binden. Heute ist der Markt umkämpfter.
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Delay kennt das Evangelium der Globalisierungskritiker auswendig, was nicht schwer ist, weil es aus zwei Sätzen besteht: "Ich finde es grundsätzlich Scheiße, dass die Herrscher der acht reichsten Nationen festlegen, wie die Welt auszusehen hat. Wobei diese Nationen auch nur deswegen so bedeutsam sind, weil sie alle anderen ausbeuten." Es will zwischen Merkel und Bush keinen Unterschied machen, weil beide "Lakaien" sind und der Irakkrieg wurde natürlich aus wirtschaftlichen Interessen geführt, "darüber müssen wir nicht ernsthaft diskutieren, oder?" Delay hat außerdem feste Prinzipien. So würde er zwar zu Wetten dass…? gehen, "wenn ich da sagen könnte, was ich wollte", und er ist sogar mal bei Nur die Liebe zählt gewesen, aber bei NeunLive wäre Schluss!
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Dieser Globalisierungs- und NeunLive-kritische Künstler hat natürlich auch seine Meinung zur RAF und Christian Klar. So kann er sich gut vorstellen, dass die Kids in Zukunft "Baader-Meinhof-Shirts statt Che-Guevara-Shirts tragen werden." Wobei dies aber "auf keinen Fall" wünschenswert ist. Besser wäre es nämlich, wenn sich die Kids "mit den Gedanken dieser Leute auseinandersetzen und daraus ihre Lehren ziehen würden. Sonst wäre das ein Ausverkauf wichtiger Ideen."
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Und jetzt geht es Schlag auf Schlag. Zuerst wird noch die obligatorische Verschwörungstheorie eingebaut - die offenbar im linken Weltbild nicht fehlen darf - und bei der es sich in Delays Fall um die dritte RAF-Generation handelt. "Die dritte RAF-Generation ist eine Erfindung. Alfred Herrhausen zum Beispiel: Wieso hätten die RAF-Leute jemanden töten sollen, der sich als erster Bankchef für die Entschuldung der Drittweltstaaten stark gemacht hat? An den Tatorten wurden im Gegensatz zu früher keine Fingerabdrücke der RAF-Leute gefunden. Der war anderen Leuten ein Dorn im Auge." Die RAF als eine Mischung aus Robin Hood und der Heilsarmee zu sehen, ist gewöhnungsbedürftig, aber wenn man erst mal soweit ist, kann man endlich auch guten Gewissens Gewalt befürworten. Das Abfackeln von Autos ist solange legitim, "solange keine Menschen zu Schaden kommen, sondern nur Symbole." Nun müsste man gerade als RAF-Fan eigentlich wissen, wie schnell auch Personen zu Symbolen werden, aber anstatt darüber nachzudenken, folgt eine weitere Begründung, warum das Zerstören fremden Eigentums gerechtfertigt ist. "Vielleicht gibt es keinen anderen Weg, um das [Anm. die Anliegen der Extremisten] in die Medien zu bringen", philosophiert Delay. Da hat er Recht, und es kann auch (wieder) die Zeit kommen, in der es keinen anderen Weg gibt, die eigenen Anliegen in die Medien zu bringen, als dafür Menschen zu entführen oder zu ermorden. Der konsequente Abschluss des Interviews liest sich übrigens so:
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Frage: Und Innenpolitiker beginnen wieder mit der Hatz nach linksradikalen Terroristen.

Antwort: Das ist doch gut. Dann haben die Kids wieder Idole.
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Freitag, Mai 11, 2007

taz: "Wir sind BILD" bzw. BILD: "Wir sind taz!"

Hier wird dazu alles gesagt.

Unrühmlich hat sich in diesem Zusammenhang auch die taz hervorgetan. Obwohl nur Zaungast, hat sie klar gemacht, dass ihr ein ebenso idiotisches wie ideologisches Feindbild wichtiger ist, als im Zweifelfall auch mal ganz nüchtern darüber nachzudenken, ob Häme in jedem Fall sinnvoll ist, wenn einer der besten Journalisten des Landes wegen einer berechtigten Kritik vom eigenen Verlag im Stich gelassen wird. Können die taz-Macher nicht vielleicht soviel Intelligenz in ihr grenzwertiges Blatt investieren, um zu begreifen, wann eher Schweigen angesagt ist, wenn einem seine links-reaktionäre Gesinnung schon verbietet, gar positive Worte über Leute zu finden, die doch schon aufgrund ihrer politischen Positionierung Verbrecher sein müssen und also gar nicht zu positiven Taten im Stande sind? Offenbar nicht.
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Donnerstag, Mai 10, 2007

Deutschland dominiert Studenten-Oscars - und keiner lacht

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Dieses Jahr dominieren deutsche Nachwuchsfilmemacher die Studenten-Oscars. Gleich vier der fünf Nominierten kommen aus Universitäten wie Hamburg oder München. Doch ein Blick auf die Themen, mit denen sie sich beschäftigten, trübt das Bild.
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Einmal geht es um eine illegal in Deutschland lebende Familie. Dann um einen kleinen Jungen, dessen Vater gestorben ist. Und auch der Kinderhandel zwischen der Ersten und der Dritten Welt wird thematisiert. Um was es im vierten Beitrag geht, weiß ich nicht, aber er wurde von der serbischen Filmschule Belgrad eingereicht und man kann vermuten, dass es auch eher ein schwerer Stoff ist.
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Nun ist es ja gut und richtig, auch über trauriges, tragisches, deprimierendes und schlechtes zu berichten, aber wie gesagt, das entscheidende Wort lautet "auch"! Warum zieht es deutsche Künstler aller Art eigentlich immer nur zu den Schattenseiten des Lebens, warum hat für sie das Humorlose immer den Vorrang vor dem originellen, witzigen und lebensfrohen. In diesem Land gibt es ein großes Misstrauen gegenüber allem und jedem, der es wagt, sich kritikwürdigem auf eine originelle Weise zu nähern. Wer lacht ist unseriös. Wer lacht, ist aber auch verdächtig, denn in einem Land, in dem die Fastnacht besser organisiert ist als in den meisten Staaten der Welt die Armee, hat sich ein tiefes Misstrauen gegen Leute erhalten, die über schlechtes nicht im Tonfall einer Trauerrede berichten... Wär doch schön, wenn diese Mentalität überwunden wird und Komödien zukünftig mehr respektiert werden und eine größere Rolle spielen würden.
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*Marc Brummund, einer der Nominierten
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Lupenreine Demokratin


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Natürlich ist es klasse, dass Sarkozy in Frankreich gewonnen hat. Und die Bilder, die seit seinem Wahlsieg im Fernsehen zu sehen sind, unterstreichen – ganz gleich, wie man persönlich zu diesem Politiker steht -, dass es auch ein Sieg der Demokratie über den asozialen Bodensatz der Gesellschaft war. Demokraten ziehen nicht randalierend durch die Straßen, wenn ein ihnen nicht genehmer Kandidat die Wahlen gewonnen hat. Im Übrigen ist es auch unüblich, dass ein Demokrat vor dem Urnengang davor warnt, dass die Wahl des politischen Gegners deswegen zu unterlassen sei, weil sie Krawalle nach sich ziehen würde. Entweder tritt eine solche Person mit Absicht und aus Kalkül die Grundlage freier Wahlen mit Füßen oder steht mit eben diesen nicht wirklich auf dem Boden einer demokratischen Grundüberzeugung. Man kann sich über Sarkozys Sieg also aus zwei Gründen freuen. 1.) Weil einem seine politische Einstellung gefällt. 2.) Weil dank ihm nicht Segolene Royal gewonnen hat.

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Montag, Mai 07, 2007

Europas Humanisten hätten anders entschieden

Es gibt viele gute Gründe, die USA sympathisch zu finden, aktuelles Beispiel ist diese Umfrage. Warum ist so etwas in Europa/Deutschland nicht möglich? Weil den Europäern die Werte nicht wichtig sind, auf denen der Staat Israel gründet? Wenn ja, würde das bedeuten, dass man in Europa die eigenen Werte (überschätztes wie Meinungs-, Glaubens-, und Pressefreiheit) verleugnet.

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Freitag, Mai 04, 2007

In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Seit kurzem läuft die Kampagne: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?. Von Plakaten herab entwerfen ganz normale Bürger dabei ihre Vision von einer Gesellschaft, "in der kein Mensch, egal ob Muslim oder Christ, Angst haben muss." oder "in der jeder, ob mit einer 1 oder 4 in Mathe, sein Talent entfalten kann", beziehungsweise "jeder, ob Mann oder Frau, neben der Karriere auch Zeit für die Familie hat." Initiator ist die Aktion Mensch und weil die Macher die Vision haben, in einer Gesellschaft zu leben, in der jeder Mensch, egal ob Deutscher oder Tourist, auf diese Kampagne aufmerksam wird, ist sie auf mindestens zwei Jahre angelegt. Da man aber auch bei der Aktion Mensch weiß, wie wichtig Prominente sind, wird in Kürze eine zweite Plakatserie starten. Berühmtheiten aus Politik, Gesellschaft und Kultur stellen dafür ihre Köpfe und Visionen zur Verfügung. Folgende Plakatmotive sind vorgesehen:

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Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der jeder, ob Widerstandskämpfer oder nicht, dreist lügen darf.

Günther Oettinger, Kommunistenführer aus Baden-Württemberg


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Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der jeder Terrorist, egal ob links oder linksradikal, vom Schweinesystem einen Arbeitsplatz garantiert bekommt.

Claus Peymann, subventionierter Systemkritiker

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Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der die gemäßigten Vertreter der NPD, gewaschen und rasiert, im Bundestag willkommen sind.

Kurt Beck, Pfälzer


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Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der die Amis, egal ob Heuschrecken oder nicht, sich dafür entschuldigen, dass ich wegen ihnen Schriftsteller werden musste.

Günter Grass, Mitglied einer aufgelösten Eliteeinheit

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Donnerstag, Mai 03, 2007

Selektive Erinnerung - die Rückkehr!!!



Es dauerte zwar etwas, aber es hat sich gelohnt! Der Webcomic Selektive Erinnerung ist zurückgekehrt. Wochenlang vegetierte er traurig und verlassen vor sich hin. Ohne Kommentarfunktion, ohne Archiv, aber weiterhin mit regelmäßigen Einträgen. Aus gut unterrichteten Quellen weiß ich, dass die meisten Leser dem Comic in dieser Zeit untreu wurden. Nun ja, stolz sollte man auf diesen Verrat zwar nicht sein, aber dennoch wird jedem, der jetzt reumütig zurückkehrt, Vergebung zuteil. Und als besonderer Anreiz für einen Klick auf Selektive Erinnerung sei angemerkt, dass ich doch tatsächlich meine Comickarriere weiter vorangetrieben habe. Motiviert durch die positiven Reaktionen auf meinen ersten Versuch vor Wochen, habe ich nun einen - wie ich meine - würdigen zweiten Comic veröffentlicht. Er ist gesellschaftskritisch und tagesaktuell!


Liebe Freunde, ich weiß nicht, ob Selektive Erinnerung der beste Webcomic ist, ich weiß auch nicht, ob es der unterhaltsamste ist und auch nicht, ob es der spannendste ist, aber ich weiß genau, dass es der einzige ist, den ich selber angucke! Also hereinspaziert und nieder mit FLIX!!!

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Israeltag (in Berlin)



Heute war in dutzenden Städten Israeltag. In Berlin hielt Friedman eine gute Rede, in der er noch einmal klar und deutlich auf die Unterschiede zwischen Israel und seinen Gegner einging.
Unvostellbar etwa, dass in einem der Nachbarländer eine Kommission eingesetzt wird, die den Regierenden im Prinzip attestiert, dass sie Versager sind. Ansonsten stellten sich einige Gruppen und Vereine vor, begleitet wurde das ganze von einem Kulturprogramm. Bei einer Verlosung konnte sich der Gewinner über einen Reisegutschein nach, ja wohin wohl, richtig, Israel freuen.

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Dienstag, Mai 01, 2007

Mein erster 1. Mai im Knast


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(Heute vor zwei Jahren demonstrierte ich mit zwei Freunden in Frankenthal/Pfalz gegen einen Naziaufmarsch. Hier der Text, den ich damals geschrieben hatte.)
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Aufgrund einer kurzen Nacht übermüdet, kämpfe ich mich an diesem Sonntag dennoch mühsam und viel zu früh aus dem Bett. Es ist 1. Mai und in Frankenthal will heute die NPD marschieren. Gemeinsam mit zwei Freunden folge ich dem Aufruf, dies zu verhindern. Im Zug nach Frankenthal sitzen mir drei der Typen, denen ich das vorzeitige Ende meiner Nachtruhe zu verdanken habe, parallel gegenüber. Sie unterhalten sich so gut es eben mit einem Wortschatz geht, der so eingeschränkt wirkt, als wäre dessen Inhalt als Kriegsbeute nach Russland verschwunden.

Sich dieses Verlustes wohl bewusst, vermeidet man komplizierte Diskussionen und findet schnell einen gemeinsamen Humor. „Taubensaft hat der gesagt, wollen sie einen Taubensaft!“. Als der Zug im Zielbahnhof einfährt, stehen wir vier nebeneinander an der Tür und kaum öffnet sich diese, blicke ich in die erste Polizei-Dicicam. Der Beamte schießt ein Foto und ich sehe es schon eingerahmt in der Stammkneipe der Kameradschaft Mainz hängen. Bildunterschrift: Vier stramme Germanen.

Auf dem Weg auf die andere Seite des Bahnhofs bin ich umgeben von Nazis und werde darum den Verdacht nicht los, gerade die Dienste eines Sonderzuges in Anspruch genommen zu haben. In der Unterführung wagen es streng national lebende Dichter, aus ihren Werken zu rezitieren. Unter anderem wird das Gedicht “AntifaHaHaHa“ verlesen, dessen Titel den Inhalt desselben schon vorweg nimmt und prinzipiell eine Personalunion mit diesem darstellt. Ein anderer fordert die Ausweisung aller Ausländer, der dritte Arbeitsplätze für Deutsche.

Mittlerweile wieder überirdisch wandelnd, warte ich am Gleis 1 die Einfahrt meiner Mitstreiter ab. Die Türen öffnen sich und ein gemischtes Publikum entsteigt. Viele bunte Kleider, und dazwischen einige Nazis, offensichtlich keine Sonderfahrt. Wir drei (H., D., und ich) beginnen nun die Stadt zu erkunden. Auf dem Marktplatz stehen viele Vertreter von Parteien und Gewerkschaften herum, sie müssen hart um die bescheidene Zahl Frankenthaler kämpfen, die sich an diesem Sonntagvormittag hier einfindet.

Unsere Besichtigungstour geht weiter. Es werden bizarren Denkmäler begutachtet, bei denen es sich um ausgehungerte Esel und Ziegen handelt, die mit ihrer lebensfrohen Aura das Stadtbild prägen. Wir treffen eine Freundin, deren Namen ich vergessen habe und hören zum ersten Mal an diesem Tag den Polizeihubschrauber, der uns im weiteren Verlauf ein treuer Begleiter werden soll. In der Einkaufsstraße steht das Frankenthaler Wappentier. Es ist ein aus Eisenstangen geformter Pfau, der arrogant gen Innenstadt blickt. Diesem Vorbild folgend wendet auch der Großteil der Bürger den Kopf vom Bahnhof ab: Was man nicht sieht, gibt es nicht. Es ist ein Ignorieren mit gutem Gewissen, denn für den Ureinwohner ist das jährlich stattfindende Strohhutfest das Höchstmass an Zivilcourage das er aushält und da werden ja schließlich auch Weine aus allen Herren Ländern getrunken und das ist doch wohl Statement genug gegen Faschismus. Prost.

Mittlerweile erinnert die Kirchturmuhr daran, dass es nun 11.00 Uhr ist und die Demonstration offiziell beginnt. Dem aufgeregt hin und her kreisenden Hubschrauber folgend, nähern wir uns einer Polizeispeere. Sie wird von zwei Dutzenden Linken belagert, während sieben Beamte versuchen sie zu halten. Unbeeindruckt von diesem Schauspiel entschließen wir uns einfach auf dem Bürgersteig daran vorbei zu laufen. Sofort kommt einer der glorreichen Sieben auf uns zu und versperrt den Weg. Die hierdurch entstehende Lücke in der Polizeikette ausnutzend, stürmen die lauernden Gegendemonstranten los. Allen gelingt es das Hindernis zu überwinden. Es versteht sich von selbst, dass auch wir, immerhin für den Durchbruch verantwortlich, uns zur Flucht nach vorne entscheiden. Beflügelt von diesem Triumph wird auch gleich ein weiterer Mannschaftsbus überrannt. Von diesem Ringen mit der Staatsgewalt ermüdet, finden wir uns schließlich unter einer Linde und im Kreise getreuer Genossen ein.

Vielen haben sich an dieser Stelle schon auf der Straße zusammengesetzt, Arme ineinander verhakt und harrend darauf was da noch kommen mag. Durch diese Straße soll die Demonstration führen. Von der anarchistischen Grundstimmung angesteckt, schleudern H. und ich unsere Personalausweise - Symbole des verhassten Systems - theatralisch auf den Asphalt. Bei diesem Anblick leuchten die Augen einiger kommunistischer Kämpfer zufrieden auf. Sie versorgen uns in der Gewissheit einem sozialistischen Musterstaat wieder zwei Mitglieder näher zu sein, großzügig mit Aufklebern. Motiv: Eine Faust die den Reichsadler der Nazis zerschlägt, um sich im selben Schwung auch gleich den Adler der Bundesrepublik Deutschland vorzunehmen. Na ja… gut, dass ist eine politische Aussage, aber, wie gesagt, na ja…

Um unsere marxistischen Freunde nicht zu kränken, verstellt ihnen D. die Sicht, als wir unsere Ausweise wieder aufheben und in den Geldbeutel zurückstecken. 10 Minuten später heißt es eine Entscheidung zu treffen. Wer hier sitzen bleibt, wird dies bis zum Ende der Demo tun müssen, denn über Handy wird mitgeteilt, dass die Polizei alle Straßen abgesperrt hat. Wer aber weiterhin versuchen will, die Demo zu verhindern, sollte sich schleunigst auf die Suche nach Schlupflöchern machen. Die hier Anwesenden können sich aber schon jetzt zugute halten, dass wegen des Sitzstreiks die Route des Nazimarsches geändert werden musste. Wir machen uns also auf die Suche nach der entscheidenden Lücke und dieses Vorhaben erweißt sich als ziemlich kompliziertes Unterfangen. Am Ende jeder noch so versteckten Nebenstraße sind Polizisten aufmarschiert und der Hubschrauber am Himmel verpetzt uns durchgehend. Mittlerweile hat sich unsere kleine Gruppe noch mehr reduziert und aufgespaltet.

Einige sind festgenommen worden und andere haben einfach keine Lust mehr und setzen sich irgendwo in den Schatten. Nur unserem Trupp steht bei der Wahl der Fluchtwege das Glück zur Seite. Über das Gelände eines Wohnparks geht es im Laufschritt durch ein kleines Wäldchen und auf eine Brücke. Wir wissen, dass wir richtig sind, denn wir hören auf der anderen Straßenseite, von den Eisenbahngleisen und Bäume getrennt, die NPDler marschieren. Außerdem ist uns klar, dass wir die einzigen sind, denen es gelang, die Polizeiabsperrungen zu überwinden, denn mittlerweile kann das Verhalten des Hubschrauberpiloten nur noch als aufdringliches Stalking beschrieben werden.



Nun, da wir auf der Brücke stehen, bemerkten wir aber auch die Schattenseiten dieses Erfolges. Zum einen erscheint es mit einer Mannschaftsstärke, die die von Jesus Jüngern nur unwesentlich übertrifft, wenig Erfolg versprechend, eine Sitzblockade durchzuführen und zum anderen sind wir nicht die einzigen, die diese Brücke für ein interessantes Objekt halten. Genauer gesagt sind wir noch nicht Mal die ersten die auf diese Idee kamen, denn die Polizei wacht eifersüchtig darüber, hier das alleinige Aufenthaltsmonopol zu besitzen. Noch genauer gesagt stürmen die Uniformierten plötzlich los und wir einigen uns auf den Kompromiss, die Brücke rennender weise zu verlassen.



Beim Blick um mich herum stelle ich eine körperliche Langsamkeit bei einigen Genossen fest, danke meinen Eltern für eine Kindheit im Leichtathletik Verein und bin erleichtert. Doch all meine Überlegungen finden ihr Ende schon an der nächsten Straßenecke, aufgehetzt vom Hubschrauber haben sich dort ebenfalls Polizisten aufgestellt. Sie fordern uns auf, uns an den Gartenzaun zu stellen. Wir verweigern die Kooperation, indem wir uns nervenaufreibend langsam an den befohlenen Ort begeben. Der Rest ist schnell erzählt. Wir stehen nun an diesem Gartenzaun: 14 Antifaschisten, mindestens drei dutzend Polizisten und eine Frau, die misstrauisch das Spektakel an ihrer Grundstücksgrenze beobachtet. Nachdem sie von einem Mitgefangenen gefragt wird, ob sie uns etwas Leitungswasser zu trinken bringen kann, lässt sie verängstigt den Rollladen herunter. Die Sonne strahlt und sendet uns das schönste Maiwetter.

D., H. und ich nutzen die aufgezwungene Kreativpause zum Austausch der besten Polizeianekdoten. Kein Grünhemd lacht, sicherlich würden wir drei nie den Kabarettpreis der Polizeigewerkschaft “Das schmunzelnde Formblatt“ gewinnen. Nach einer halben Stunde biegt die Nazi-Demonstration in unsere Straße ein. Und sofort wird klar, dass die NPD nicht nur gegen die Realität, die Demokratie und die Menschenrechte kämpft, sondern einem sehr viel heimtückischeren Gegner gegenübersteht: Übergewicht. Korpulenz ist zwar noch lange kein Grund Rechtsradikal zu werden, aber wenn diese beiden Eigenschaften dennoch zusammentreffen, ergibt das eine katastrophale Mischung. Denn, wie soll der Widerspruch ausgehalten werden, einerseits dem Dritten Reich nachzutrauern, aber andererseits zu wissen, dass einem im Fall der Fälle noch nicht mal die XXL-Uniform von Hermann Göring passen würde? Es handelt sich dann nur um einen nachvollziehbaren Selbstschutz, wenn sich die Psyche solcherart betroffener wehrt, indem sie dankbar die Lebenslüge einer wie auch immer gearteten Überlegenheit übernimmt.

Nachdem die Nazis an uns vorüber marschiert sind, bringen uns grün-weiß lackierte Mitfahrgelegenheiten zum Polizeirevier Frankenthal. Dort warten Provinz-Beamte schon sehnsüchtig auf unser kommen, denn ihnen ist klar, dass unsere Anwesenheit auch einen Höhepunkt ihrer Karriere darstellen wird. Zur Steigerung der Motivation stellten sie sich darum vor, es nicht mit ein Dutzend zumeist minderjährigen Antifaschisten zu tun zu haben, sondern mit der Führungsriege der italienischen Mafia, den osteuropäischen Menschenhändlern und mit Drogenbaronen aus Kolumbien. Die alle wurden hierher verlegt, nach Frankenthal - bei dieser Vorstellung müssen selbst die kampferprobten und bierbauchbehängten Mitglieder dieser Eliteeinheit lachen.

Dann rollen die Panzertürbeschwerten Busse ein – der Ernstfall ist da. Zum fünften Mal wird überprüft, ob die Bücher in meinem Rucksack nun endlich eine Bombe gezeugt haben. Schwerkriminelle organisieren sich ja oft auf die unglaublichste Art und Weise Waffe. Nach einem Fotoshooting werden noch die Schnürsenken aus den Schuhen entfernt. Wegen der Selbstmordgefahr, sehr aufmerksam. Nun führte uns der Weg in einen Gefängnisbus und dort in Einzelzellen, die kaum die Größe eines Dixi-Klos aufweißen, dafür aber auf dessen Vorzüge verzichten. (Ein Umstand der in den nun folgenden fünf Stunden immer dringlicher bedauert wird).

Da während der Einzelhaft nicht viel passiert, außer dass die Sonne sich langsam über das Firmament bewegt, während man sich darauf konzentriert, nicht bei jeder Bewegung irgendwo anzustoßen, war ich nun wirklich froh, über die präventiven Sicherheitsvorkehrungen der Polizei. Ebenso nachvollziehbar erschien es, uns zu verbieten, die Zwangspause durch das Lesen eines Buches etwas erträglicher zu gestalten. Wo kommen wir denn da hin, wenn Verbrecher, die gegen Nazis demonstrieren in Einzelhaft auch noch Forderungen stellen. Und hat nicht auch der Kanzler gewarnt: Keine Toleranz den Gegnern der Intoleranz?

Um kurz nach 17.30 werden wir dann freigelassen, nehmen unsere Uhren, Handys, Rucksäcke und Geldbeutel in Empfang, setzten uns auf die Treppen vor dem Revier, fädeln dort unsere Suizidschnürsenkel ein, sagen den eigentlich geplanten Kinobesuch ab und gehen in dem guten Gefühl nachhause, vom Staat unterstützt zu werden, wenn wir für eine demokratische Gesellschaft auf die Straße gehen. Und wenn uns jetzt noch Otto Schily bei der Bearbeitung der zu verfassenden Beschwerden, Untätigkeitsklagen, und Anträge auf Löschung der Bilder hilft, ist sowieso wieder alles in Ordnung.
Die Anfrage an ihn ist schon versendet.
Frankenthal, Mai 2005

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