Dienstag, August 14, 2007

Als Freund sage ich Dir...


Natürlich muss Israel kritisiert werden dürfen, heißt es überall. Wie jedes andere Land auch. Deutsche Politiker, jüdische Funktionäre und der kleine Nahostexperte von der Straße sind sich darin einig. Die Kritik sei wichtig, und unter Freunden selbstverständlich, und außerdem: Es geht nur um die Politik, aber nicht um das Existenzrecht und überhaupt wollen ja alle nur das beste und so. Kurzum: Man ist sich in Deutschland einig, dass Israelkritik nötig ist!....Warum eigentlich? Ist das so eine Art Volkssport? Gehört das zusammen mit der Bundesliga und dem Oktoberfest zu den Dingen, die man den Deutschen nicht nehmen darf? Würde es den inneren Frieden stören, wenn plötzlich nicht mehr jeder Stammtisch über die Endlösung der Nahostfrage debattieren würde?
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Warum soll, nein muss(!) dieser kleine Staat eigentlich dauernd kritisch begleitet werden? Und wo ist die Lobby, die sich für das Naturrecht einsetzt, Nigeria, oder Malaysia, Saudi-Arabien oder Kasachstan kritisieren zu müssen. Macht sowas nur bei den Ländern Spaß, die zur Liga der Demokratien gehören? Und ist das nicht ziemlich erbärmlich?
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Was an diesem „Israel kritisieren müssen“-Gerede besonders nervt, ist der Unterton. Die Juden müssen's schon ziemlich wild treiben, wenn wir „trotz unserer Geschichte“ und allem was da mal war (wofür wir aber auch ein Mahnmal gebaut haben), nicht anders können, als uns kritisch einzumischen. Man will's ja nicht so laut sagen - aus Freundschaft -, aber sind die wirklich so viel besser als Opa?
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Sich auf die Phrase „Gerade wir...“ stützend, machen sich mehr Deutsche Gedanken um das Schicksal von Moslems in Jerusalem, als um das von Zwangsverheirateten Türkinnen in Berlin. Und wenn Bischöfe durch Israel reisen, bedanken sie sich nicht dafür, dass zumindest hier keine Vertreibungen von Christen stattfinden, nein, sie merken mal an, dass Gaza und das Warschauer Ghetto ja doch ähnlich sind. Irgendwie halt. Muss man mal sagen dürfen, als Freund....Was sind das eigentlich für Freunde, die einen ständig kritisieren und schlecht machen, aber nichts gutes über einen zu sagen haben?

8 Comments:

At 14 August, 2007 20:01, Anonymous Hamster said...

"Und wissen Sie warum das war?" fragte mich mein siebzjähriger Vermieter vor bald sechs Jahren, ich schaue interessiert, "Die Juden!", dann wollte er noch was anhängen, aber die Gemahlin hielt ihren Ehemann zurück. Lustig, oder?

Amerika- und Israel-Kritik gehören zum festen Inventar der deutschen Kultur, oft fröhnen "Linksliberale" diesem Hobby, aber auch die Rechten setzen eher auf Russland (und die anderen halt).

Üble Sache, die Medien sind voll von diesem Zeug, muss also was dran sein?! Oder sind einfach nur alle doof?

 
At 15 August, 2007 11:31, Anonymous Chewey said...

@ Gideon

"Sich auf die Phrase „Gerade wir...“ stützend, machen sich mehr Deutsche Gedanken um das Schicksal von Moslems in Jerusalem, als um das von Zwangsverheirateten Türkinnen in Berlin."

Eben. Warum in die Nähe schweifen, sieh' das Böse liegt im Fernen noch viel näher. Oder so ähnlich ;-)
Ist jedenfalls einfacher, sich über "bewährte" Kritikadressaten das Maul zu zerreissen als vor der eigenen Haustür zu kehren. Und damit komme ich zu El Hamster:

"Oder sind einfach nur alle doof?"

Früher hätte ich gesagt, doof nicht, sie suchen nach wie vor einen brauchbaren Sündenbock, um (sich) von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Wer diesen superelementaren, förmlich mit Händen zu greifenden Zusammenhang nicht wahrnimmt, wer wirklich glaubt, mit Antiamerikanismus, Antizionismus und Antikapitalismus die Speerspitze der Kultur zu bilden und unangepasster Querdenker zu sein, der muss wahrlich strunzdoof sein. Also mindestens 60% der deutschen Bevölkerung. Kann man machen nix.

 
At 15 August, 2007 12:40, Anonymous Hamster said...

Bleiben wir mal bei der Doofheit, die m.E. ganz gut geeignet ist die beschriebenen Phänomene zu analysieren helfen.

Mein Eindruck ist, dass es ein Unterlegenheitsgefühl der Deutschen gegenüber den Juden gibt, meine alte und nette Nachbarin sprach das mal ganz offen aus: "Die (Juden) waren denen (NSDAP & andere) einfach zu gescheit.".

Gegenüber den Amerikanern dagegen gibt es ein Überlegenheitsgefühl, fälschlicherweise wie ich hier anmerken möchte, in der Spitze sind die Amis einfach besser, man assoziiert scharze affenähnliche Wesen oder ganz dumme Weiss (white trash) oder eben Latinos und so.

Und da fühlt sich der Deutsche auf einmal gut und schafft es einerseits den Amerikaner zu verachten (vgl. die üblichen einschlägigen Beiträge in fast allen üblichen kommerziellen Medien) und den Juden zu kritisieren, letzterem fühlt man sich lustigerweise ausgerechnet ethisch überlegen.

Tja, ohne Psycho-Scheiss kann man sich dieser Sache wohl nicht vernünftig nähern, wenn man nicht auf "grosse" politische Analysen zurückgreifen will. ;)

 
At 15 August, 2007 14:56, Blogger dwave said...

Es ist nicht so, dass die Kritik aus Deutschland in Israel überhaupt irgendwen interessent. Somit bleibt es eine recht einsame Therapie - die einzigen, die wohl zuhöhren wenn wieder jemand eine ungeschickt-revanchistische Tirade mit den Worten "Ich will ja nichts sagen, aber die Juden/Israel..." beginnt, dürften die Palestinenser sein, die bei dieser Gelegenheit ihre Wunden zeigen, für die sie einzige un allein den Yahooooodi verantwortlichen machen.
Was mich trotzdem immer wieder wundert, sind die Gestalten, aus Deutschland, die in Israel herumlaufen. Warum fahren die nicht woanders hin, wenn's in Israel doch so schlimm zugeht?

 
At 15 August, 2007 17:11, Anonymous Robert said...

Ja das sind schon traurige Zeiten, in denen Nölerei mit Kritik gleich gesetzt wird.
Wer kritisiert, der informiert sich auch zuvor. Solches kann man unseren vielen kleinen Nahostexperten von der Straße leider nicht nachsagen.

 
At 16 August, 2007 00:29, Anonymous Ralf Sch. said...

Endlich gibt es eine tolle Satire, die sich in voller Schärfe über die Blödheit der Israelkritiker lustig macht:

http://gottfried-kraatz.blogspot.com/

Das Ding ist so gut, das wirkt wie echt!

 
At 16 August, 2007 08:56, Anonymous Chewey said...

@ El Hamster

"Gegenüber den Amerikanern dagegen gibt es ein Überlegenheitsgefühl[...]²

Um noch etwas "Psycho-Scheiss" in Anschlag zu bringen:
Auch bei diesem scheinbaren Überlegenheitsgefühl, ebenso wie bei dem "ethischen" gegenüber Israel, handelt es sich selbstverständlich ebenfalls um einen tiefempfundenen Minderwertigkeitskomplex. Schließlich basiert es z.T. auf Vorurteilen, zum größeren Teil auf Pseudomoral.
Leicht zu beweisen, z.B. anhand des Spießrutenlaufens von amerikan. Studenten an dt. Unis (SPIEGEL berichtete vor einigen Wochen). Gegenüber Studenten aus Ländern mit weit fragwürdigeren Regierungen hält man brav stille (man könnte auch sagen: kuscht), aber amerikan. Gaststudenten werden voll in Sippenhaft genommen für Burger, Bush und Klimawandel. Man hat mit diesem Volk offenbar noch eine Rechnung offen. Und mit dem anderen auch.

 
At 20 August, 2007 12:57, Anonymous Anonym said...

Auch gestern durfte im Nachtstudio des ZDF Jean Ziegler vom "israelischen Staatsterrorismus gegen die Palästinenser" schwatzen, ohne daß einer der stammelnden Gäste, z.B. Geißler, ihm widersprochen oder auf den Terror vom Hamas oder Hisbollah hingewiesen hätte. Selbst Seyran Ateş tat sich hier nicht als Leuchte hervor, auch wenn sie vorher das Kopftuch als Symbol der Frauenunterdrückung beschrieben hatte. Gruß Hans Hamburg

 

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