Donnerstag, August 09, 2007

Scientolophobie




Schlechte Presse ist besser als gar keine Presse. So gesehen haben die Scientologen eigentlich Grund zur Freude. Politiker und Sektenexperten warnen vor ihnen und fordern ein Verbotsverfahren. Aussteiger ziehen durchs Land, und berichten über den Druck, dem die Mitglieder ausgesetzt sind. Die effektivste Waffe gegen Scientology sei es, über diese Organisation aufzuklären. Und das sehen eigentlich alle so. Die FDP-Bundestagsfraktion verkündete beispielsweise: Wir müssen erreichen, dass möglichst viele Bürger unseres Landes sich selbst ein Bild über die Organisation machen. So können sie dann sehr schnell feststellen, dass dies keine Religionsgemeinschaft ist. In den meisten Zeitungen erscheinen ausführliche Artikel zum Thema. Ebenso wird im Fernsehen und im Radio darüber informiert.

Doch steht diese Medienaufmerksamkeit eigentlich in einem gesunden Verhältnis zum Einfluss, den diese Sekte ausübt? Wohl kaum. Weltweit hat Scientology eigenen Angaben nach 10 Millionen Mitglieder, Beobachter der Sekte schätzen die Zahl hingegen auf cirka 100.000. Davon maximal 7000 in Deutschland. In den USA selber schrumpft die Zahl der Scientologen seit Jahren, und zwar trotz zahlreicher prominenter Mitglieder. Was dagegen spricht, dass Fans für ihre Idole der Sekte beitreten würde. Auch dem überall erhobenen Vorwurf, die Mitglieder von Scientology würden unterdrückt werden, haftet solange etwas Verlogenes und Vorgeschobenes an, solange diese Empörung nicht auch das Schicksal unzähliger muslimischer Frauen mit einschließt, die mitten in Berlin, Hamburg oder Duisburg als entmündigte Menschen zweiter Klasse leben müssen.

Nein, die Berichterstattung rund um diese Sekte hat weniger mit berechtigter Angst als viel mehr mit Sensationsgier zu tun. Denn, wo bitte zeigen sich die Erfolge dieser Sekte? Nirgends, denn es gibt diese Erfolge nicht. Und dennoch wird ständig gefordert, es müsse unbedingt über die dunklen Machenschaften dieser Leute aufgeklärt werden, ganz so, als würde dies nicht geschehen und als hätten die Deutschen keine Ahnung, mit was für einer Gruppe sie es da zu tun haben. Dabei sind die Leute gut informiert. Und wenn jetzt noch bekannt wird, dass dieser irre Verein zwar eine widerliche Ideologie vertritt, aber doch nur über bescheidene Mitgliederzahlen verfügt, würde dies der ganzen Debatte gut tun. Niemand unterstützt in Deutschland die Scientologen so sehr, wie jene, die ihnen in Artikeln und Interviews einen Einfluss zubilligen, den sie zum Glück nicht haben und auch nie bekommen werden.

4 Comments:

At 11 August, 2007 14:23, Anonymous Hamster said...

Was auch wichtig ist: Scientology kommt aus den USA.

 
At 12 August, 2007 19:49, Blogger dawo. said...

Wie viel besser könnte sich die Scientology eigentlich verbreiten wenn keiner mehr darüber schreiben würde? Und müssen wir - wenn wir nicht mehr über sie schreiben - dann auch aufhören über die muslime zu schreiben die ihren Mädchen Kopftücher aufsetzen?

 
At 12 August, 2007 21:41, Blogger Gideon Böss said...

Es geht ja nicht darum, gar nicht darüber zu informieren. Aber ich häts dann doch ganz gerne im richtigen Verhältnis. Und das ist nicht gegeben, wenn z.B. alles aufheult, weil John Travolate zu "Wetten dass...???" geht, aber geschwiegen wird, wenn Yusuf Islam - der zum Mord an Rushdien aufruft - der Gast ist.

 
At 13 August, 2007 09:20, Anonymous S1IG said...

@Gideon
Du triffst mit Travolta/Stevens den Nagel auf den Kopf!

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home